1. „Internationales“ Drachenfest Gelsenkirchen-Bismarck 2007

Text von: Jürgen Okrongli
Fotos von: J. Okrongli
„Gibt es im Herzen des Ruhrgebiets überhaupt GRÜN ?“ würde sich eine alm- und auenverwöhnte oberbayrische Familie fragen.

Natürlich kennt man in Bayern SCHALKE 04 – das Schalke aber ein Stadtteil von Gelsenkirchen ist ? Na ?! Ehrlich !

Nun: die Auflösung heißt.. Schalke und Bismarck sind Stadtteile von Gelsenkirchen. In GE-Bismarck fand jetzt, im Herzen des Ruhrgebiets, das erste „Internationale Drachenfest“ statt. Dazu wurde vor Jahren die Zeche CONSOL „platt“ gemacht. Der Park CONSOL entstand. GRÜN – sehr weitläufig – sehr ideale Verkehrsanbindung und Parkmöglichkeiten für AKTIVE und Zuschauer. PLATZ SATT ! Platz, wie es nur die größten Drachenfeste haben. Ein IDEALER PLATZ für große Drachenfeste.
„Arthur Skibb hat es zusammen mit dem Kulturamt der Stadt Gelsenkirchen auf die Beine gestellt. SAUBER !

Die Verwunderung bleibt, warum das nicht schon seit 15 Jahren geschehen ist – es gibt Drachenfachleute vor Ort.
Unvorstellbar für mich.

Ich war auf Deutschen Meisterschaften und Europameisterschaften. Die hatten nicht diesen Platz, der auch schon in große Felder vorgeordnet ist. Tzzzzz ?
„Schlaft süß – nur kein Stress,“ war vielleicht der Vater der bisherigen Gedanken.
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Die ehemalige Zeche CONSOL ist 2.4 KM Luftlinie von der Straße entfernt, in der ich in Wanne-Eickel-Unser-Fritz aufgewachsen bin und bis zum 10 Lebensjahr gelebt habe – die nächsten 10 Jahre in Crange (Cranger Kirmes). Stadtviertel, die durch die Zechen geprägt waren. Noch jetzt spürt man die Vergangenheit.
Genau der Grund, warum ich die Anfahrt über meine alte Heimat wählte – durch den Pott. Es ist Samstag, der 11. August, ich komme noch haarscharf an der Cranger Kirmes vorbei – fahre kleine Straßen, um sie zu umgehen – kein NAVI ..meine Erinnerung ist untrüglich.
22 Grad warm – sehr angenehm – die Straßen werden dunkler. Mein Gott, was ist mir das noch vertraut, jede alte Ecke, die noch steht.
Ich bin in der Nähe des Zielortes, den ich von früher nicht kannte – 2 riesige Kohlenhalden trennten uns.
DONNERWETTER……was für ein IDEALES DRACHENFESTGELÄNDE.
Uwe Gryzbeck machte hier im letzten Jahr auf dem Förderturm sein Feuerwerks-Event. Ich gehe erst einmal diagonal durch die Fläche……boahhhhhh.. (Bild 1 gibt nur 25 % der gesamten Fläche wieder). KLASSE !
Auf dem vorderen, kleinen GRÜN am Förderturm haben sich die EinleinerAKTIVEN positioniert. Hier kann man mit dem PKW über einen Fußgängerweg direkt zur ersten Showwiese fahren. Die anderen Wiesen liegen eher 30 Meter bis zu den PKWs, was für Piloten mit großen Equipment nicht so vorteilhaft ist.

Am quirligsten war eine holländische Truppe, die unentwegt Stimmung machte und Drachen steigen ließ – herunter holte – andere steigen ließ .. super anzusehen. Sie hatten Spaß – und das Publikum ebenso. Auf meinem letzten internationalen Drachenfest gab es eine aufgereihte Meile AKTIVER in Campingmobilen, die ihr Aktivsein in Grillen und Biertrinken verstanden. Der Himmel war öd` und leer. Eine sommerliche Friedhofsstimmung. Als Veranstalter hätte ich diese Typen beim nächsten Mal nicht mehr auf meiner Liste.

Ich ging anfangs immer wieder kreuz und quer über`s Gelände, um Stimmungen und Worte einzufangen. Das besondere Merkmal des Samstags war, dass das Publikum höchst international war (das Ruhrgebiet ist schon immer ein Pool von Menschen der verschiedensten Nationen gewesen, die Holländergruppe aber die einzigen Ausländeraktiven waren, die ich ausmachen konnte. Meinte Arthur Skibb mit >international< das Publikum ? So gegen 15 - 16 h kamen ganz langsam mehr Familien mit Kindern unter 8 Jahren. Als Gastholländer bin ich schon lange Multikulti gewohnt und lebe es mit Genuß, Menschen anderer Ursprungsländer kennen zu lernen, um andere Lebensansichten oder gleiche zu entdecken. Bei der heutigen Reise in die alte Heimat, hatte ich mich auf gutes altes Ruhrgebietsdeutsch früherer Kindheits- und Jugendjahre eingestellt. Das gab es heute hier für mich nicht. Schade ! Kulinarisch gab es einen großen saarländischen Schwenkgrill mit superleckeren Riesenbratwürsten. 2.50 Euro - ein akzeptabler Preis. Hätten die Festbesucher Hunger mitgebracht, wäre der pfiffige Mann am Grill, als einziger Essensanbieter, gnadenlos überfordert gewesen. Wahrscheinlich hätte man ihn dann geschwenkt 😉 Ein einziges Drachengeschäft mit Zelt, das wohl den Umsatz des Jahres machte. Sie bedienten das Publikum ausgezeichnet. Es war sehr schön zu sehen, wie viele unserer Testdrachen an den Himmel gingen. Besonders gefragt waren klitzekleine Einleiner, mit denen kleine Kinder über die Wiesen rannten. Dadurch, dass das Gelände so weitläufig war, verloren sich die Familien auf ihm. Es kam nie zu Leinentuck und Stress von dieser Seite. Verdächtig: es gab außer einem bekannten, befreundeten Lenkdrachen-Simultanflieger und mir keine Zweileinerpiloten, die mehr als Loopings konnten. Am Ende des Samstags und Gesprächen hier und da, war mein Fazit: Gelsenkirchen-Bismarck ist als Fest noch nicht bekannt (1. Mal) und: die Windzustände für Zweileinerkunstpiloten sind zum Haareausreißen. Es gibt irre viele Windlöcher und kurzzeitig drehende Winde bis 180 Grad auf den Wiesen in der Nähe der Zechenruinen. Das alles machte den jungen Ersttagspiloten nix aus. Sie rannten, stürzten ab, rannten, dass es eine Gaudi war, nur zuzuschauen. GANZ TOLL ! Als hätten sie eine neue Welt entdeckt, die Superspaß macht. Welcher Lenkdrachen beständig seine Bahnen zog, war der SWEETY von Drachenkiste Wolfgang Siebert. Nun: der Sweety, bei uns im Test, geht von Bft. 0 - 2. Das sollten die zukünftigen Zweileinerpiloten in der Tasche haben. Wegen der extremen Böen empfehle ich Drachen wie den TATTOO Zero plus / Bft. 0.5 - 3, von Space Kites Michael Tiedtke (bei uns im Test, als Allrounder). Der mit den Gazen - wegen den Böen. Unentwegtbemüht war die holländische Gruppe, ihre zum Teil gr0ßen Objekte an den Himmel zu bringen. Sie hatten Spaß und boten dem Publikum viele Ahhhhs und Ohhhhs. Ich selbst machte auch den Einleiner OSTEEND BIRD klat, die hier in einigen selbstdisigneten Varianten zu sehen war. Es ist ein unkomplizierter, nicht zickiger Einleiner. 100 mußßten es schon sein. Neben mir stand ein Einleinerkollege mit Sachverstand:"150 m , und er bleibt am Himmel.." Er lieh mir einen Alukarabiner, und los ging es. Während der Vogel mehr und mehr den Himmel eroberte, tauschten wir Geschichten aus - ganz ruhig - äußerst angenehm. Dann holte ich den Vogel langsam ein. Auf den letzten 10 Metern trudelte er in den schwierigen, bodennahen Winden und stach mit dem Schnabel in die Wiese. Vom linken Nachbarn kam die Bemerkung:"Das müssen wir auch noch lernen..." Mein Gesprächspartner anwortete für mich:"Schlecht für Einleiner, wenn sie Höhenangst haben." Ein paar Momente später sah ich Arthur Skibb, wie er Kinder und Eltern zusammenstellte, um seinen Centipeden zu starten. Und es gelang - was sofort mit Aaahs und Boahhhhs begleitet wurde. Auf den weiten Wiesen rannten immer noch Kinder mit oder gegen den Wind. Zuschauer räkelten sich in der Sonne - saßen auf Betonmauern. Die Holländer inszenierten mit ihren roten Geschöpfen (Foto) wahre Glücksgefühle unter den Zuschauern. Wenn sie nicht gewesen wären.. Wieder dachte ich: "Das ist ein total gutes Drachenfestgelände, wenn man die schwierigen Windverhältnisse einmal an dritter Stelle sieht." Allerdings hatte es nicht annähernd etwas Internationales - was die Aktiven betraf und was die größeren Drachen betraf. Hier sollte von der Festorganisation aufgestockt werden, wenn man ein großes Fest haben möchte, das internationale Namen zieht. Da muss ein größerer Organisationskader her - . Nachteil: die anderen großen Feste finden sehr oft auf Segelflugplätzen statt, so dass die Drachenorganisatoren auf Clubmitglieder des hiesigen Clubs zurückgreifen können. Hier habe ich keine Helfer ausfindig machen können. Vielleicht gab es sie aber. Allein auf Arthur Skibb`s Schultern geht diese Geländegröße nicht. Nachdenklich begutachtet dieses Pärchen die um`s Überleben kämpfenden Zweileinerpiloten und scheinen sich noch nicht ganz im Klaren, ob sie es auch versuchen sollen. Ein Fluggelände bei den deutlich Leichtwinddrachen den Vorteil haben. Das werde ich beim nächsten Mal bedenken, wenn ich meine Drachentasche für Gelsenkirchen fülle. Für`s nächste Jahr wünschte ich mir mehr wuchtige Einleiner bei 150 m am Himmel und einen Veranstaltungstermin, der sich nicht mit dem spektakulären Fest des Ruhrgebiets, der Cranger Kirmes, überschneidet. Lange schon bin ich zu Hause, da geht ein Gedanke immer und immer durch meinen Kopf:" Was man daraus alles hätte machen können..." .

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