ATRAX – Die giftigste Spinne der Welt?

Text von: Jürgen Okrongli
Fotos von: J.O.

Hersteller SPIDER KITES, Christoph & Barbara Fokken

Spannweite 1.64 m

Höhe 62 cm

Segel Spinnaker Nylon

Stäbe 6 mm Exel Cruise

Gewicht 235 g

Schnüre 2 x 25 m / 70 – 100 Kp

Windbereich in Bft. 2 – 7

Preis in Euro 69,-

Bezug www.spiderkites.com

Die Anfang 2006 neu auf den Drachenmarkt gekommene Drachenfirma SPIDERKITES sortiert sich auch im speziellen SPEED-KITE-Bereich. Wie all`ihre Drachen ist der Name ATRAX auch aus dem Reich der Spinnen entliehen.

ATRAX ist im normalen Leben die giftigste Spinne der Welt. Aus den Text von SPIDERKITES: „ATRAX ist bedrohlich, und er weiß das. Er hält sein Opfer fest, beißt immer wieder zu und injiziert sein Gift wie eine Droge. Richten Sie sich darauf ein, dass er sich bis zum letzten verteidigt.“

„Piloten: Profis, Profis, Profis und durchgeknallte Bruchpiloten.“

Diese Vorankündigung reicht, dass mir mein Gift im Munde zusammenläuft. Komm`doch ATRAX ! Traue Dich ! Mal sehen, wer am Ende übrig bleibt…

(Carsten Bohn aus Schwelm half mir, die Bestie zu zügeln – Foto).

Erster Eindruck:

Sofort fällt die hochwertige Näharbeit ins Auge. Christoph Fokkes Grundsatz ist „hohe Qualitätskontrolle“.

Man sieht diese Qualität dann auch sofort. Und: die eigenwillige StandOff-Lösung springt ins Auge. Es hat etwas von der Daniel-Düsentriebs-Eingebung der frühen 90er Jahre mit dem Know How von heute. Damals waren die Speeddrachen sehr angesagt. Es entwickelten sich vielerlei Formen.

Die 3 Streifen erinnern zuerst an eine andere Firma. Läßt man den Flieger länger aufgebaut im Zimmer stehen, behält er das Gefühl der Besonderheit und Wertigkeit. Ich habe die aktuellen Testdrachen immer tagelang aufgebaut stehen – früher sagte meine Frau noch etwas dazu – heute gehören sie zu der Wohnung, wie `ne Couch.

Verarbeitung:

Die Verarbeitung des ATRAX zeigt, dass hier ein Kenner Hand angelegt hat: die Verbindungselemente, Segelverstärkungen an den kritischen Punkten, Detaillösungen, Segelschnitt .. alles ist stimmig !

Das geht hin bis zum Klettband mit SPIDERemblem, das den zusammengefalteten Flieger am Mittelkreuz umschließt, damit er besser in die Tasche paßt.

Zur Tasche (Köcher) kann noch nichts gesagt werden, weil sie bei der Anlieferung des Prototyps noch nicht dabei gewesen ist.

Den ATRAX gibt es allein in dieser einen Designausführung.

Insgesamt: Sehr wertig ! Flugeigenschaften:

Gemütlich räkeln sich auf der Bank der ATRAX und sein kleinerer Bruder Atrax F (F für fix).

Es war in der Osterzeit 2006, als wir vorsichtig die giftigste Spinne der Welt aus der Drachentasche pellten. Der ATRAX ist schnell und einfach aufgebaut, was ein wichtiges Kriterium bei SPEEDdrachen ist, weil sie ja für größere Winde gedacht sind. Wenn man da erst lange herummachen muss, sind die Nerven schnell beleidigt. Das ist aber bei diesem Flieger nicht so!

Wie fast alle SPEEDdrachen, ist auch der ATRAX nicht allein zu starten (landen geht von allein ;-)) Einfach am Windfenster herunterführen.

Windstärken von Bft. 2 braucht er schon, um wie ein Lenkdrachen auszusehen. Jedoch ist dieser Windbereich nicht seine „Zielgruppe“. Ihn dürstet nach mehr.

Wir hatten in den 2 Wochen Osterferien 10 Tage lang Windstärken von Bft. 4.5 – 8. So, als wäre der Himmel nur für ihn gemacht.

Christoph Fokken legte dem Flieger ein Bild-Text-Schreiben bei, in dem es um den richtigen Aufbau und die Waageeinstellungen geht. Er weist darauf hin, dass die Spinne sehr eigenwillig ist, und einer genauen Führung (Waageeinstellung) bedarf. Das ist ein wichtiger Vermerk.

Der ATRAX liebt den Bereich zwischen Bft. 4 – 6 am meisten. Aber: er zeigt kein Gift – bleibt, gemessen an seinen Speedkollegen, „moderat“. Das bedeutet: gut beherrschbare Fluggeschwindigkeit, zieht den Piloten nicht aus den Schuhen, bleibt in den Loopings kontrollierbar, keine Druckerhöhung bei Loopings in der Windfenstermitte. Das macht ihn ideal zum Kennenlernen des SPEED-KITING.

Grenzbereiche: Bei Windstärken zwischen 6.5 – 8 Bft. ist er kaum deformiert – wird nicht unkontrollierbar im Flug, zieht sich dann aber bei engen Loopings in der Nähe des Windfensterrands den Druck aus dem Segel. Folge: er wird platt wie eine Flunder, weil die langen gebogenen Stand-Offs die Ausstellung nicht halten können. Flattersturz. Aber: er fängt sich nach 2 – 3 m sofort – der Flug geht weiter. Wer noch die Flieger der 90er kennt, kennt dieses Flugverhalten.

Vergleich in seiner Kategorie:

Wir haben mit der „giftigen“ Spinne einen noblen Speeddrachen in ekzellenter Verarbeitung zu einem hervorragenden Preis. Betrachtet man seine Spannweite, gehört er zu den Spitzenreitern seiner Zunft.

Der ATRAX ist ein reinrassiger SPEEDdrachen ohne Powerambitionen. Er ist nicht wirklich so zickig, wie mich Christoph Fokken vorgewarnt hat. Ein Drachen, der für einen erfahrenen Piloten gedacht ist, der sich in den SPEEDbereich begeben möchte. Fazit:

SPIDERKITES besetzt den SPEEDbereich mit einem Drachen, der den noch bislang unbedarften Speedpiloten nicht gleich ins Verderben führt.

Es wäre schön, wenn auch die andere „giftigste Spinne der Welt“ so handzahm zu handeln wäre.

Viel Vergnügen in der Welt der SPEED-KITES. Adrenalin here I come..

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