Bad Widow – Die Spinne kommt…

Text von: Jürgen Okrongli
Fotos von: j.o.

Spannweite 210 cm

Höhe 95 cm

Gewicht 395 g

Windbereich in Bft 2 – 6

Schnüre 35 m / 75 – 135 Kp

Preis in Euro 139.90

Hersteller HQ/ Invento (siehe Banner)

Bezug Fachhandel

Die „böse Witwe” ist HQ’s archaischer Griff in die Kiste der Urelemente. Ein Flieger, der böse aussieht. Selbst harmoniesüchige Mitmenschen würden nicht sagen: „Der ist aber schön!”
Mit ihr soll der Tanz auf dem Vulkan gelingen – mit wem sonst?
Ein Flieger, der zwischen den Kategorien „Speed” und „Etwas-Power” schwankt, sich letzten Endes aber doch mehr dem Speed verschreibt.
Sie ist nicht gemacht für Anfänger und Kurzatmer. Weiß die Hölle, für wen eigentlich! Solche Drachen sind schwierig. Sie können nicht geflogen werden – sie müssen gefühlt werden. Dabei darf der Pilot aber kein nervöses Handtuch sein, sonst reißt’s ihn weg.
Ein Drachen, den ich kaum erwarten kann … Erster Eindruck:

Zum ersten Eindruck gehört, dass sich HQ mit der disignerischen Gestaltung des Drachen sehr viel Mühe gemacht hat. Allein der Aufdruck der Spinne „Bad Widow”, dann die Stand-Off-Spinnenbeine. Bravo! Hervorragende Arbeit. Wer es gern mystisch verwegen liebt und nicht immer als „Mama’s Liebling” daherkommen möchte – für den ist BAD WIDOW äußerst angesagt. Verarbeitung:

Die Verarbeitung der BAD WIDOW ist nähtechnisch vollkommen sauber und auf Speed und Power gesichert. Die einzelnen Verarbeitungselemente gehen eine passende Harmonie miteinander ein. So ist das Mylar-Segelpaneel optisch noch `mal ein Leckerbissen obendrauf, flugtechnisch aber, wegen der Windundurchlässigkeit“ extrem wichtig für Speed. Der Kielstab liegt vor dem Segel, damit der Drachen den nötigen Körper entwickeln kann. Dieses zwingt technisch auch zu der etwas sonderbar anmutenden unteren Kielstabaufnahme. Aber: der Drachen ist nicht rund wie ein Ei sondern vielfältig überraschend wie der Körper einer Spinne unter der Lupe. Darum ist bei der BAD WIDOW auch irgendwie alles anders: die Segeltaschen haben sehr spezielle Segellatten. Selbst als ergrauter Tester brauchte ich, um das Prinzip zu durchschauen, etwas Zeit und Erfahrungslogik. Eine graue Waageschnur, wie Spinnweben aus einer längst vergessenen Gruft. Ein Gesamtarangement aus 14 Paneelen – was aber nicht so wirkt. Hier wurde ein Körper „moduliert“. Untere Querspreize und Kiel sind 8 mm Exel extreme. Heißt: Spätestens jetzt weiß der Betrachter, wo`s langgehen soll. Wer jetzt flüchten möchte, kann es noch tun. Jetzt!! Leitkante und obere Querspreize sind aus 6 mm Kohle. Flexibilität da, wo sie reicht! Das Segel ist Ventex Polyester. Die langen Segeltaschen und die speziellen Segellatten machen den Auf-und Abbau etwas unkomfortabel. Tipp: einfach drin lassen. Paßt auch so in die Drachentasche. Fazit: Eine handwerklich beachtliche Arbeit. Nähtechnisch hochwertig. Flugeigenschaften:

Die BAD WIDOW ist herstellerseits ab Bft. 2 angegeben, was einen Tester natürlich sofort fragen läßt: „Was passiert den eigentlich bei Bft. 1 an der See, mit ihren gleichmäßigen Winden?
Also Bft. 1: Von acht Alleinstarts gelingen zwei. Stellt man die BAD WIDOW ganz flach ein, sind die Loopings zu raumnehmend und unschön. Aber.. bei Normaleinstellung fliegt er schon rasant und gibt ein mächtiges Bild ab. Auf jeden Fall ahnt der Pilot, was ihn in höheren Winden in Etwa erwartet. Er hat mich neugierig gemacht!

Windstärke Bft. 3-5 (böiger Wind): In Bft. 3 ist es immer noch mit dem Alleinstart schwierig. Man sollte einen Assistenten dabei haben, der weiß, dass ein solcher Speed-Drachen mit den Händen an den Leitkanten gegen die Leinenspannung katapultartig und gerade hochgeschleudert werden muss. Das muss eingespielt sein! Nun, ja! Wir haben es mit einem Drachen für Fortgeschrittene zu tun – einem Speed-Drachen. Die sind immer besonders zu behandeln und schwierig zu starten und zu landen. Gelandet wird am besten, in dem man den Flieger mittelschnell in die untere linke oder rechte Ecke fliegt: und Absturz. Sicher ist sicher. Alles andere ist Stress!

Bft. 5 – 6
In diesem Windbereich sollten schon die 120 Kp-Schnüre gewählt werden. 35m sind dabei die optimale Länge. Er zieht mich gerade (96 Kg) von der Stelle weg. Also: nicht wirktlich ein Powerteil. Ich hatte mit mehr Power gerechnet – aber, dass tut dem ganzen keinen Abbruch. So kann man sich ganz auf den SPEED konzentrieren, und der ist von hervorragender Art. Wichtig: in diesem Windbereich reagiert der Bursche nicht auf schnelle Steuerimpulse (das wäre auch mörderisch); er will mittelgroße Loopings – am besten weit gedehnte, ausschweifende liegende Achten. Die sind die Paradedisziplin.
Was sie nicht so mag: Alleinestarts (sie ist eben ein geselliger Typ, will angefaßt werden; normale Landungen; enge Loopings; den Windfensterrand.
Wenn man die BAD WIDOW in hohen Winden fliegt, sollten alle Zuschauer hinter einem stehen – das verlangt das Bundesgesundheitsgesetz in Person von Frau Ullallalla Schmidt.
Die Geschwindigkeit ist nicht zu hoch – kontollierbar eben. Dennoch: die BAD WIDOW verlangt nach einem unerschrockenem Piloten mit beherztem Einsatz. Sie will erobert werden. Es dauert länger, bis sich all` ihre Geheimnisse erschließen. Wer über diese Geduld und gleichwohl Entschiedenheit verfügt, gewinnt eine Partnerin für`s Leben. Vergleich in seiner Kategorie:

Einen schnellen Flitzer über 2 m – Spannweite zu bauen, ist nicht einfach. Speed-Drachen sind darum k l e i n und f l a c h.

Die BAD WIDOW dringt aber auch nicht wirklich in den Powerbereich vor. Da knallt es ja schon ab Bft. 3.

Also: eigentlich steht sie mit ihren Eigenschaften ganz allein da. Wer rettet sie aus dem Dornröschenschlaf und gibt ihr das Ja-Wort ?
Nur Mut, Jungs! Sie ist eine Perle! Fazit:

Es ist alles gesagt!
Wer sich jetzt noch nicht entscheiden kann, der hat sie nicht verdient. Sie sollte nicht in die Hände von Zögerlingen kommen – sie verdient klare Entscheidung – ohne Wenn und Aber!.

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