Der Acrobatx (RTF) – Ein Akrobat unter den Drachen

Text von: Matthias Wild (mwraver)
Fotos von: Veronica Schulze/Matthias Wild

Hersteller Flying Wings

Segel Ripstop-Nylon + Mylar

Bestabung UQS – Leitkante 6 mm Carbon

Windbereich in Bft. 1,5 – 4,5

Gewicht 290 g + 15 g Zusatzgewicht

Geschwindigkeit mittel – schnell

Spannweite 220 cm

Standhöhe 93 cm

Waage 3 – Punkt – Waage

Preis in Euro 99,- im RTF

Bezug SPIDER KITES (siehe LINKS)

Erster Eindruck:

Flying Wings? Flying Box Studios? Ehrlich gesagt, habe ich von dieser Manufaktur für Drachen bisher relativ wenig gehört. Dementsprechend war ich gespannt auf den neuen Testdrachen, der den verheißungsvollen Namen ‚Acrobatx’ trägt. Als er ankam wurde ich direkt noch einmal überrascht. Beim Auspacken purzelten der Drache mit den Standoffs, 3 Querspreizen und 2 weitere ‚dünne Stäbe’ mit einer Länge von ca. 45 cm aus der Corduratasche.
Komisch. Irgendwas stimmt da nicht. Da sind zu viele Stäbe dabei.
Von diesen Stangen überrascht machte ich zuerst einmal eine Bestandsaufnahme:

1* Drachen mit einem Standoff auf jeder Seite –> Stimmt
2* untere Querspreize mit jeweils einem Standoffhalter –> Stimmt auch
1* obere Querspreize mit 2 Standoffhaltern –> stimmt nicht ganz. Was haben Standoffhalter an der oberen Querspreize zu suchen?
2* ca 45 cm lange dünne Stäbe –> stimmt nicht

Komisch, aber mal gucken. Also fix den Drachen zusammengebaut und endlich den Sinn der beiden Stäbe und der Standoffhalter an der oberen Querspreize erkannt. Diese Stäbe verbinden die obere Querspreize mit der Schleppkante. Sie werden dort von einer Tasche aufgenommen, die ein Stückchen neben den Standoffs sitzt. Sie sollen wohl den Sinn haben, den Drachen auch bei Yoyos in der richtigen Form zu halten und das Segel weiter zu straffen. Sie erinnern entfernt an Rollbars, wie sie mittlerweile bei dem ein oder anderen Drachen angebracht sind. Was habe ich von einem solchen Drachen, mit so einem neuartigen Feature und einem viel versprechenden Namen zu halten?
Verarbeitung:

Auch die Verarbeitung überrascht. Beim Acrobatx ist alles so wie es sich für einen Allrounder des mittleren Preissegmentes gehört. Außerdem gibt es noch das ein oder andere schöne Extra. Neben den sehr sauberen Nähten, mit denen die Panele aus Ripstop Nylon verbunden sind, fällt mir als erstes die Drachennase auf, die zwar relativ einfach, aber ohne Rückstände gearbeitet wurde. Bei näherer Betrachtung sieht man, dass die Seite des Segels, an der der Kielstab sitzt, mit einer Lage Mylar verstärkt ist und an der Stelle, wo die obere Querspreize sich bei vielen Drachen langsam durch das Segel ‚arbeitet’ noch eine extra Verstärkung liegt.
Die oberen und unteren Querspreizenverbinder sind abgedeckt und zwar in meinen Augen mit einer einfachen, aber sehr praktischen Lösung. Das Dacron, durch das die Leitkante verläuft wurde einfach an beiden Stellen, da wo die Verbinder sitzen, aufgeschnitten. Der Stab geht nun aus seiner Tasche heraus und anschließend wieder herein. So sitzen die Querspreizenverbinder hinter (bzw. vor) einem doppelten Tuch. Echt super! Das dachte ich mir auch, als ich die Lösung für die Abdeckung der Standoffs betrachtete. Diese sind ganz normal befestigt und anschließend wurden sie mit einer Lage Dacron übernäht, dass Richtung Schleppkante offen ist, um diese gegebenenfalls austauschen zu können. Somit kann keine Schnur hängen bleiben, aber man kann die Standoffs auch ohne Probleme erneuern. Einziges kleines Problem sind die No-Name Verbinder, die stark an Apa’s erinnern. Diese fixieren die Stäbe nicht optimal, sodass diese bei zu heftigem Bodenkontakt gerne mal aus den Verbindern rutschen. Dieses Problem kann aber mit Hilfe von etwas Tesafilm, dass um die Enden der Stangen geklebt wird, behoben werden.

Flugeigenschaften:

Wie steht es um die Flugeigenschaften des Acrobatx? Er startet ab 1,5 bft und fliegt relativ selbstständig. Ab 2 bft macht er dann richtig Spass und kann ohne Probleme bis 4 bft getrickst werden, wobei er im höheren Windbereich relativ schnell wird. Ich bin den Acrobatx in Holland bei 4 bis 5 bft geflogen, aber das ist seine absolute Höchstgrenze.

Präzise ist er nicht gerade. Knackige Ecken und Loopings werden mit einem Nachwackeln quittiert und besonders schöne Gerade fliegt er auch nicht. Also kein Drachen, mit dem man aufwendige Figuren fliegen könnte.
Aber was steckt denn nun an Tricks in diesem Kite mit dem viel versprechenden Namen? In diesem Bereich macht er die fehlende Präzision mehr als wett.
Axeltricks sind kein Problem. Axel, Cascaden, 540 und alle verwandten Tricks gehen einfach und sehr flach von der Hand. Sie erinnern ein bisschen an ältere Drachen, die zu Beginn des Trickflugs aktuell waren. Aber ist das schlimm? In meinen Augen absolut nicht.
Der nächste Trick ist der Fade. In diesem Trick liegt der Acrobatx sehr stabil. Backspins sind ohne Probleme möglich und auch Backspincascaden lassen sich ohne weiteres ausführen. Besonders punkten kann der Acrobatx jedoch im Bereich des Backflips und alle Tricks die auf diesem basieren. In diesem liegt der Acrobatx sehr tief und kann ruhig als „französisch“ durchgehen. Lazysusans gehen spielend und selbst Rollingcascades sind ohne weiteres und mit sehr wenig Höhenverlust fliegbar. Ich hatte schon lange keinen Kite mehr an den Leinen, der bereitwillig und so einfach Mulitlazys mitmacht. Auch die Jacobsladder klappt wunderbar einfach und stellt den Piloten vor keine großen Probleme. Absoluter Bonus ist in meinen Augen, dass er ohne das mitgelieferte Gewicht sogar liftet, also im Backflip an Höhe gewinnt.
Einen weiteren großen Pluspunkt bekommt der Drachen in Sachen Yoyos. Er dreht dermaßen schnell um seine Querachse, dass es eine wahre Freude ist diesen ein und wieder aus zu wickeln. Egal aus welcher Position, der Acrobatx fliegt geradezu in den Yoyo. Auch Wapdowaps sind mit diesem Drachen kein Problem und so oft zu wiederholen, wie man will. Der Drachen landet einfach immer wieder im Fade, um direkt den nächsten auslösen zu können.
Wenn man das Gewicht noch anbringt, gehen diese noch schneller von der Hand.
Einziger kleiner Nachteil ist die Ausführung des Cometes. Dieser braucht eine etwas geübtere Hand und erweckt den Eindruck, als ob der Drachen den Himmel ‚herunterpurzelt’.
Tricks: (vergeben werden 10 Punkte, 10 = sehr gut etc.)
Geraden: 5

Ecken: 5

Loops: 5

Axel: 7

Cascade: 7

Slotmachine: 7

540ziger: 7

AxeltoFade: 8

Fade: 7

Backspin: 8

Backflip: 8

Comete: 5

Jacobs Ladder: 7

Wickeln allgemein: 8 (mit Gewicht 9)

Vergleich in seiner Kategorie:

Im Bereich der Allrounder ist der Acrobatx ein absolutes Highlight! Die Verarbeitung ist für diese Klasse perfekt und die fehlende Präzision gleicht er durch sein Trickpotential mehr als aus. Fazit:

Bei diesem Drachen ist der Name Programm. Acrobatx heißt er und er ist auch ein Akrobat. Man könnte seine Flugeigenschaften mit keinem anderen Adjektiv als ‚tricky’ beschreiben. Aber wieso tricky und nicht ‚trickreich’? Trickreich sind viele Drachen. Die meisten Kites können heutzutage alle Tricks, aber dieser Drachen ist anders, aber im positiven Sinne. Der Acrobatx kann auch alle Tricks, aber das reicht ihm nicht. Er will in Kombinationen verwickelt werden und am besten ohne Pause von einem Trick in den anderen geschleudert werden. Multilazys, Wapdoowaps, Yoyos. Ich habe lange keinen Drachen mehr geflogen, der diese ähnlich einfach macht wie der Acrobatx. Dazu kommt noch meiner Meinung nach ein fast unschlagbares Preis- Leistungsverhältnis.
Wer also einen Drachen sucht, der zwar nicht präzise, dafür aber umso trickreicher, radikaler und gut verarbeitet ist, der ist mit diesem Drachen gut bedient und wird daran lange seine Freude haben.

Matthias Wild.

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