Der Jive von HQ/Invento (RTF) – Ein Drachen für Trickanfänger?

Text von: Matthias Wild
Fotos von: Veronica Schulze/Matthias Wild

Hersteller: HQ/Invento

Spannweite: 1,97m

Höhe: 89 cm

Gewicht: 245g

Windbereich: 1,5-4 Bft

Segel: Ripstop Nylon

Gestänge: 5 und 6 mm Kohlefaser

Waage: Turbowaage

Preis in Euro: ~ 75 (Farben: blau)

Bezug: Fachhändler, http://www.drachenmarkt.de

„Ein Einstiegsdrachen für die ersten Trickversuche eines Piloten.“ Dies war die Beschreibung, die ich im Internet immer wieder für den Jive fand. Aber was muss ein Drachen für die ersten Axels und Co alles so können? Was kommt in einen solchen Test rein? Bestimmt nicht, ob er die neuesten Tricks kann. Er muss auch keine komplizierten Figuren an den Himmel malen. Aber alles nach der Reihe. Zuerst musste der Vogel ja bei mir eintreffen. Erster Eindruck:

Schon beim ersten Auspacken des Jives war ich angenehm überrascht. Yoyostopper, abgedeckte Standoffhalter. Das ist doch schon mal was. Optisch muss sich der Jive auch nicht verstecken. Die Verarbeitung ist auf den ersten Blick einwandfrei und auch an den Leinen fühlt sich der Jive auf Anhieb gut an. Mal gucken, ob er auch einem zweiten und dritten kritischeren Blick Stand hält. Verarbeitung:

Die Verarbeitung des kleinen Drachens ist sehr gut. Das Segel aus Ripstop Nylon ist an allen Stellen sauber vernäht und auch die Nase bietet keinen Anlass zur Kritik. Alle verwendeten Stäbe sind aus Kohlefaser und sind 5 bzw. 6 mm dick. Dies garantiert, dass der Drachen auch den ein oder anderen Crash gut übersteht, und wenn doch einmal etwas zu Bruch gehen sollte, sind diese Stäbe ohne weiteres und sehr billig wiederzubeschaffen. Die Standoffhalter am Segel sind rückseitig überdeckt. Diese ‚Taschen’ sind so groß, dass es kein großes ‚Gefummel’ gibt, wenn die Standoffs einmal kaputt gehen und man diese austauschen muss. Die Yoyostopper sind von HQ selber und bereits vormontiert, wobei diese einfach auf die Leitkante draufgeclipt werden und deswegen auch leicht verrutschen.
Die Verbinder sitzen alle an den richtigen Positionen, sind jedoch zumindest bei der oberen Querspreize etwas groß geraten. Hier hätte man durch kleinere Verbinder mit Sicherheit noch das ein oder andere Gramm sparen können. Da der Jive als Einstiegsdrachen in den Trickflug entworfen wurde, und deswegen nicht die aller angesagtesten Tricks beherrschen muss, wurde die obere Leitkante nicht überdeckt. Dies ist zwar ein kleines Manko, wird aber eventuell bei den nächsten Fertigungsreihen des Jives beachtet.
Flugeigenschaften:

Abheben tut der Jive schon bei wenig Wind. Aufgrund des leichten Gestänges braucht er ungefähr 1 bis 2 Bft um abzuheben. Ab 2 bft baut er dann Druck auf, der jedoch nie unangenehm und auch von Kindern gut gehandhabt werden kann In diesem Windbereich fängt dann auch das Trickspektrum des Jive an Spaß zu machen. Alle ‚Anfängertricks’ gehen einfach von der Hand. Axels werden flach ausgeführt. Cascaden, Backflip, 540 und Slotmachines stellen den Drachen ebenso wenig vor ein Problem wie die LazySusan oder der Fade. Was ich persönlich besonders wichtig fand war, dass der Drachen auch aus allen möglichen Lagen wieder recovert. Dies tut der Jive und ist somit vor allem für einen Anfänger gut geeignet. Aber war das schon alles? Natürlich nicht! Nachdem ich diese Tricks abgehandelt hatte, probierte ich die etwas neueren Tricks mal aus, die jedoch nicht unbedingt für einen Anfänger im Trickbereich wichtig sind. Und siehe da. Es klappen fast alle Tricks! Comete und Yoyo – kein Problem. Besonders hat mich die Jacobsladder fasziniert, die wirklich einfach und leicht von der Hand geht. Beim Backspin braucht man ein wenig mehr Gefühl in den Fingerspitzen, aber mit etwas Übung klappen sogar Backspincascaden und auch der ein oder andere Wapdowap ist möglich.
Loopings dreht der Jive eng und auch landen kann man ihn gut. Präzise ist er nicht gerade, aber das ist meines Erachtens auch nicht weiter schlimm, soll der Jive ja ein Trickdrachen für einen Anfänger sein und kein Präzisionsdrachen für schwierige Flugfiguren.
Wenn der Wind dann etwas stärker wird, ab etwa 4 Bft wird der Jive dann richtig schnell und sollte dann auch bald wieder in seinen Köcher gepackt werden. Man kann mit ihm zwar noch den ein oder anderen Trick fliegen, aber muss flinke Hände haben.
Tricks: (vergeben werden 10 Punkte, 10 = sehr gut etc.)
Geraden: 5

Ecken: 4

Loops: 7

Axel: 6

Cascade: 6

Slotmachine: 5

540: 5

Axel to Fade: 7

Fade: 7

Backspin: 5

Backflip: 7

Comete: 6

Jacobsladder: 7

Yoyo: 6

Vergleich in seiner Kategorie:

Im Bereich der Drachen, die speziell für Trickfluganfänger entwickelt wurden, ist der Jive bestimmt eine der ersten Wahlen. Die Fluggeschwindigkeit ist für einen Anfänger, der seine ersten Versuche beim Trickflug machen will, gut, und auch das Recoververhalten überzeugt. Das Gestänge ist einfach und kostengünstig zu ersetzen und hält auch den einen oder anderen Crash unbeschadet aus.
Es wird bestimmt noch viele Leute geben, die mit diesem Drachen ihre ersten Axels & Co machen.
Fazit:

Der Jive ist ein kleiner Trickdrachen aus dem Hause HQ/Invento. Wie in dieser Drachenschmiede üblich ist die Verarbeitung super. Der Jive hat ein sehr schickes Design und macht vor allem für einen Trickfluganfänger alle Grundtricks einfach und nachvollziehbar. Wenn es etwas mehr sein soll, muss der Jive sich nicht verstecken und kapituliert vor den meisten neueren Tricks nicht. Alles in allem ein Drachen der wirklich Spaß macht und vor allem für die in meinem Test häufig erwähnten Trickflugbeginner, die etwas aufs Budget achten müssen, interessant.

Matthias Wild.

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