Der Scorpion von HQ/Invento – Der Scorpion von HQ/Invento

Text von: Matthias Wild
Fotos von: Veronica Schulze/Matthias Wild

Hersteller: HQ/Invento

Spannweite: 230 cm

Höhe: 100 cm

Gewicht: 310 g

Windbereich: 2-5 bft

Segel: Icarex + Mylar

Bestabung: Leitkante: Exel 6 mm

Querspreize: Dynamic DT 15

Waage: Activ Waage

Verbindertechnik: HQ

Preis in Euro: 119,-

Bezug: Fachhändler, www.drachenmarkt.de,

Scorpion….so heisst der neue Allrounder von HQ/Invento. Er wird auf der Herstellerhomepage als Drachen gepriesen, der alle gängigen Tricks mit einer unglaublichen Leichtigkeit meistert. Das weckt natürlich direkt die Neugierde aber auch gewisse Erwartungen an einen Testdrachen. Erster Eindruck:

Zumindest auf den ersten Blick hält der Drachen das, was auf der Herstellerhomepage angekündigt wurde. Das Flugverhalten ist gut und auch in punkto Verarbeitung besteht nach den ersten Stunden kein Anlass zur Kritik. Ob sich dieses Bild nach noch mehr Flugstunden weiter bestätigt oder etwa revidiert, verrät der folgende Test. Verarbeitung:

Die Verarbeitung des Scorpion ist, wie es für die Firma HQ bekannt ist, gut. Alle Panelle des schicken Segels sind sauber miteinander vernäht und auch bei der Benutzung eines neuen Fadens wurde sorgfältig gearbeitet. Alle beanspruchten Stellen sind verstärkt und schützen so das Drachensegel vor zu schnellem Verschleiß.
Die Spannung des Segels ist denkbar einfach. Dazu wird die Schnur mit Hilfe eines Knotens in die Endkappe eingehackt. Was man vor Flugbeginn jedoch machen sollte, ist diesen Knoten zu vergrößern (z.B. durch noch einen weiteren Knoten) da er sonst gerne durch den Schlitz in der Endkappe rutscht und das Segel dann nicht mehr gespannt ist.

Eine Besonderheit des Kites sind seine neuartigen Standoffverbinder an der Segelrückseite. Diese sind nicht, wie bei vielen anderen Drachen, mit den normalen Standoffhaltern verbunden, sondern bestehen aus einer kleinen Metallschraube, die in ein dazu passendes Plastikstück geschraubt wird.
Eine weitere Neuerung, die ich für sehr sinnvoll halte, ist, dass auf der Segelrückseite, im Bereich, wo die Flugschnüre liegen, wenn der Drachen in einen Yoyo eingewickelt ist, eine Lage Flauschband eingearbeitet wurde. Dieses soll verhindern, dass die Flugschnüre des Drachens, wenn dieser einmal im Yoyo ist, abrutschten. Diese Verstärkung wirkt natürlich auch bei einem Yofade und verhindert auch dort, dass die Flugschnur Richtung Flügelspitze abrutscht. Nachteil dieser Konstruktion ist, dass dieses Band sehr stark ausfranst. Da diese Lage jedoch gut vernäht ist besteht dort keine Gefahr für das Segel oder den Rest des Materials, sondern es handelt sich lediglich um einen kleinen Schönheitsfehler, dem mit einem Feuerzeug oder einer Schere schnell beigekommen werden kann.
Abschließend kann man sagen, dass die Verarbeitung des Scorpions gut ist und die ein oder andere neue Idee in die Entwicklung mit eingeflossen ist.

Flugeigenschaften:

Der Scorpion braucht schon etwas Wind um in die Luft zu steigen. 2 Bft sollten es schon sein, aber dann fliegt der Allrounder von HQ ohne große Eigenbewegungen des Piloten. Der Zug des Scorpion ist angenehm. Man spürt den Drachen immer am anderen Ende der Leinen, wobei auch im oberen Windbereich, der Druck unangenehm stark wird.
Die Präzision des Scorpions ist leider nicht so gut. Ecken werden mit nachwackeln quittiert und auch die Spurtreue ist nicht so, dass man mit ihm schöne Figuren fliegen kann. Was hingegen jedoch sehr Spass macht sind die Landungen. Ob Spike oder 2 Punktelandung…mit diesem Drachen machen sie einfach Laune, wenn man einmal das richtige Timing gefunden hat.

Was der Scorpion in der Präzision vermissen lässt, macht er jedoch im Trickbereich leicht wieder wett.
Angefangen bei den Basictricks wie Axel und Cascade bis hin zu schwierigen Manövern wie Comete und Crazycopter ist mit diesem Drachen alles drin.
Im Fade liegt der Scorpion sehr stabil und es ist ohne weiteres möglich einen Backspin oder sogar eine Backspincascade einzuleiten. Vor allem den Backspin macht der Scorpion nach einem ersten beherzten Zug sehr einfach und vor allem schnell. Aber nicht nur im Fade liegt der Kite von HQ sauber und stabi, sondern auch im Backflip, wenn man bereit ist ihm die benötigte Sekunde Zeit zu geben, damit er tief in diesen hineinfällt. Wenn er dann einmal dort liegt, ist es nur eine Frage des Geschmacks, ob man eine Lazysusan oder Multilazy auslöst oder ihn mit einem weiteren Zupfer der Leinen in den Yoyo wickeln lässt. Aber nicht nur diese Manöver sind für den Scorpion kein Problem, sondern auch die beiden Oldschooltricks 540er und die Slotmachine stellen ihn und den Piloten vor kein Hindernis. Zu erwähnen ist jedoch, dass man für diese Tricks eine schnelle Hand braucht, was jedoch nach einer kleinen Eingewöhnungsphase keinen weiteren Anlass zur Kritik bietet.
Was mich wirklich positiv überrascht hat, war die Leichtigkeit wie der Scorpion durch den Cometen tanzt. Dieser Trick geht mit ihm wirklich ungemein einfach. Aber nicht nur beim Cometen brilliert der Scorpion, und das ist vielleicht für einige sehr viel interessanter, ich habe selten einen Drachen geflogen, der so einfach einen Crazycopter macht. Das Problem bei diesem Trick besteht meines Erachtens darin den richtigen Zeitpunkt zu finden, wann man den Drachen, der Richtung Backflip schauckelt wieder aus diesem herauszieht. Und in den überdrehten Frontflip katapultiert. Beim Scorpion kann man sich genau mit diesem Manöver ewig viel Zeit lassen und den Drachen sehr lange Richtung Backflip kommen lassen. Der Zug, wenn der Drachen dann im überdrehten Frontflip liegt ist dann im Grunde nur noch reine „Formsache“. Der Scorpion macht also sämtliche alte und auch alle absolut neuen Tricks. Da fragt man sich natürlich, ob es auch einen Kritikpunkt an dem Drachen gibt. Dieser ist leider im Trickbereich der Einpop-Yoyo, welcher nur mit viel Laufarbeit des Piloten möglich ist. Natürlich wurde im Test probiert, ob man nicht durch die ein oder andere Änderung des Drachens dort eine Besserung erzielt. Die erste Möglichkeit, die erwähnt werden sollte, ist die Kürzung der oberen Querspreize, die ohne weiteres Möglich ist und schon ein wenig Abhilfe bringt. Die andere Möglichkeit ist es, am Ende des Kiels ein Gewicht anzubringen. Diese Möglichkeit bringt den Nachteil, dass der Scorpion vor allem in den Ecken nun noch deutlicher Nachwackelt und auch, dass der Crazycopter schwieriger auszulösen ist. Hier muss jeder Pilot für sich selber entscheiden, ob und wenn ja welches Gewicht ihm am ehesten zusagt. Empfehlen würde ich hier ein Gewicht zwischen 5 und 10 Gramm. 15 Gramm waren mir persönlich zu viel, aber wie so oft ist das Geschmackssache. Die beste Lösung ist wahrscheinlich ein Kompromiss, in dem man sowohl Gewicht einsetzt als auch eine Kürzung der oberen Querspreize vornimmt.
Man kann also sagen, dass der Scorpion vorallem im Trickbereich seine Stärken hat und die Tricks vorallem sauber und einfach macht. Tricks: (vergeben werden 10 Punkte, 10 = sehr gut etc.)
Geraden: 5

Ecken: 4

Loops: 5

Axel: 7

Cascade: 7

Slotmachine: 7

540: 6

Axel to Fade: 8

Fade: 8

Backspin: 8

Backflip: 7

Comete: 8

Jacobsladder: 7

Wickeln allgemein: 5

Vergleich in seiner Kategorie:

Der Scorpion ist mit seinem Preis von 119,- Euro im Segment der Allrounder ein hervorragender Drachen. Was ihn gegenüber anderen Drachen abgrenzt und zu etwas besonderem macht, ist die Leichtigkeit, mit der er viele Tricks und vor allem auch neuere Manöver ausführt. Fazit:

Der Scorpion von HQ ist ein wirklich gelungener Drachen, der neben den Kritikpunkten in der Verarbeitung und in der Trickfähigkeit (Einpopyoyo) alle gängigen Tricks genauso einfach und sauber ausführt, wie auf der Hersteller Homepage geschrieben steht. Die Verarbeitung ist sehr gut und auch das Design ist wirklich ansprechend.

Matthias Wild.

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