Fata Morgana

Groningen-KAP1

(MS)Vor ungefähr 2 Monaten habe ich das Angebot bekommen, für Kite-tests.de zu schreiben. Als Jürgen mich fragte, konnte ich es kaum glauben, dass ich als relativ unerfahrener Kiter und Schreiber bei so einer international bekannten Seite wie Kite-tests.de die Chance kriege, Texte zu veröffentlichen.

Gänsehautgefühl pur!

Nachdem ich das einmalige Angebot angenommen hatte, fragte ich mich wie ich an meine erste Story kommen soll…. wie fängt man so etwas an, fährt man einfach zu Kitefestivals und spricht die Stars aus der Szene an, oder legt man sich in die Dünen von, zum Beispiel Schiermonnikoog und beobachtet die Kiteverrückten. Beides wären sicherlich Optionen gewesen, um an die erste Story zu kommen, aber wie so oft im Leben kommt es doch meistens ganz anders.. so auch in diesem Fall. Ich befand mich gerade in der Klausurenrunde und hatte den Kopf mit allen möglichen Begriffen und Theorien voll, als ich an einem sonnigen Sonntag mit meinem klapprigen Damenrad zur Unibibliothek fuhr. Da passierte es, vor der letzten Linkskurve zur Bibliothek, sah ich einen

roten Drachen über die Dächer von Groningen flattern. Ich hielt es ehrlich gesagt im ersten Moment für eine Fata Morgana, da ich nie damit gerechnet hätte, dass man mitten in der Innenstadt einen Drachen steigen lässt. Aber es war keine Fata Morgana, der rote Ein-Leiner existierte tatsächlich und wurde von zwei Männern, einem jüngeren und einem älteren, gekonnt in der Luft gehalten. Bei genauerem Hingucken entdeckte ich, dass ziemlich weit oben von der Schnur eine Kamera befestigt war. Die zwei machten anscheinend Fotos von der Uni aus der Vogelperspektive oder besser gesagt aus der Drachenperspektive! 😉

Jetzt hatte ich mir so viele Gedanken gemacht, wie ich an meine erste Story komme, und plötzlich schien sie zu mir zu kommen. Ich verspürte den Drang, auf die zwei Männer zuzugehen und sie anzusprechen, allerdings wusste ich nicht wie ich das genau anstellen sollte, ich war ja Null vorbereitet. Das war dem Geist des „Jürgen Okronglis“ allerdings egal (ich wusste gar nicht, dass der auch in Groningen ist!) und schubste mich in Richtung der zwei Männer. Da stand ich jetzt. Weil die Drachenflieger mich schon anguckten musste ich irgendwas sagen, gesagt habe ich folgendes: „Mag ik even iets vragen?“ (darf ich mal was fragen?) Der Jüngere antwortete sofort mit „ja hoor!“ (Ja klar) und in dem Moment dachte ich schon „ach du S…, warum war das jetzt die einzige Frage die du dir überlegt hattest“. Um ein peinliches Schweigen vorzukommen fing ich an ihnen zu erzählen was ich mache, was ich mit Drachen zu tun habe und so weiter, einfach nur, dass ich redete. Irgendwie schien es den zwei wenig bis gar nicht zu interessieren, was ich alles schon so tolles gemacht habe, und dann schoss mir urplötzlich diese Frage heraus: Voor wie doen jullie dat hier eigentlijk?“ (Für wen macht ihr das eigentlich hier?) Für uns, einfach nur so, meinte der Ältere. Ich: „Boah vet!“ (Boah fett) Sie fingen an zu lachen und dann meinte der ältere zum jüngeren: „dat klingt toch maar leuk!“ (Das hört sich doch mal gut an!) Er drehte sich zu mir, zog einen Stapel Visitenkarten aus seiner Hosentasche und streckte sie mir wie beim Kartenspiel entgegen. Auf den Visitenkarten waren alles verschiedene Luftaufnahmen zu sehen und ich durfte mir jetzt davon eine aussuchen. Cool !  

Was für eine Begegnung! Wenn ich in Zukunft mit Drachenliebhabern zu tun habe, werde ich die Frage „für wen macht ihr das hier eigentlich?“ einfach streichen, da ich wahrscheinlich nie eine andere Antwort als „nur so“, „für uns“, „weils Spaß macht“ oder „weils cool ist“ kriegen werde. Drachenliebhaber sind halt ganz spezielle Menschen und wenn sie einen Drachen steigen lassen, dann immer nur weil es ums Feeling geht, dem unbeschreiblichen Kitefeeling! Das erklärte auch, warum die zwei die Menschenmassen, die sich in einem breiten Kreis um sie versammelten, nicht wirklich bemerkten. Normalerweise bewegen sich hunderte Fußgänger und Fahrradfahrer in der Innenstadt von Groningen auf und ab, aber an diesem Sonntag blieben alle, die in die Nähe des Drachen kamen, stehen und guckten mit großen Augen, was hier passierte. Die zwei offensichtlichen Routiniers lenkten den Drachen mit viel Fingerspitzengefühl in alle erdenklichen Positionen am Himmel, um möglichst viele verschiedene Fotos zu erhalten. Die Neugierde nach den Resultaten von den Luftaufnahmen aus einer Höhe von ca. 100 Metern, war mir an meiner angespannten Körperhaltung deutlich anzusehen. Die zwei Männer hingegen blieben ganz cool stehen und holten nach einiger Zeit den Drachen samt Kamera in aller erdenklichen Ruhe zurück auf den Boden. Dicht zusammenstehend und abgeschirmt von den Rest der Menschen nahmen sie die Kamera in ihre Mitte und guckten sich die Bilder an. Dann schauten sie sich an, nickten sich zufrieden zu und packten ihre Sachen zusammen. Wie gerne hätte ich ein Blick auf die Fotos geworfen, aber ich hatte das Gefühl den magischen Moment nicht durchbrechen zu dürfen. Zum Glück befindet sich auf der Visitenkarte ein Internetlink auf dem alle ihre Fotos zu sehen sind. Spannend!

Unbenannt

Academiegebouw Groningen

Academiegebouw Groningen

 

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Für alle die sich näher für die Fotos von Eric Kieboom (in der Story der ältere Mann) und  Wessel Dijkstra (der jüngere) interessieren hier die passenden Links:

http://flickr.com/kapturer

http://flickr.com/wessel-dijkstra/5462474427

http://flickr.com/kapturer/sets/72157626112614520/detail/

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