GENUSSFLIEGEN mit Großdrachen

Text von: Jürgen Okrongli
Fotos von: jo
Großdrachen beginnen in meinem Gefühl bei 3 Meter Spannweite. Genau diese Format hat der TITAN XL des verstorbenen Kollegen Heinrich Sirker. Zu Ehren von Heinrich Sirker und seiner ungeheuer schönen Baureihe TITAN, möchte ich mit einer kleinen Flugvorstellung beginnen, die unterschiedliche Großdrachen im Genussflug vorstellt. Der Leser braucht aber Geduld, da alle Großdrachen auf meiner Insel „ruhen“ und ich sie immer nur dort fliege. Soviel Kult muss sein ! Jahre alte Drachen und neuere Riesen ihrer Zunft. Viele. Auch kaum bekannte. Ich gehöre zu den Riesenbändigern, die ihre „Schätze“ für immer behalten.
Der TITAN XL wirkt wie ein stelziges Großinsekt. Seine 3 m fallen weniger auf als die außergewöhnliche Körperformung: gedehnt und gespannt – stramm im kompletten Aufbau. Liebevolle und praktische Detaillösungen machen ihn zu einer Mixture aus Technik und Kunstobjekt.

Laien haben bei ihm sofort ein Gefühl von w e r t v o l l .

Beim Genussfliegen von Großdrachen kommt es mir sehr darauf an, dass ich sie an Orten fliege, die ich auf Schiermonnikoog zu meinen „magischen Schönheiten“ zähle. Einer dieser Orte ist an der Stelle des Deiches, wo sich alter und neuer Deich in einem stumpfen Winkel treffen. Eine Aussicht auf`s Wattenmeer, auf den großen Inselsee Westernplas und auf das Dorf mit vorgelagerten Polderwiesen. Ein Steinmonument >Bank van Banck< steht als Erinnerung für den Deicherbauer van Banck und lädt gleichzeitig zum Sitzen ein. Ich fliege hier sehr oft früh morgens, wenn die ersten Tiere aus den Betten kommen.

Ein stetiger Hauchwind vom Meer, der nur durch seine Gleichmäßigkeit Riesen in die Lüfte hebt – Windmesser zeigen Verzweiflung an. Wir sprechen vom gleichmäßigen Lufthauch – auf jeden Fall max. Bft. 0.8
Meine Schnüre habe ich nur für diesen Zweck. Ich verleihe sie niemals. Sie stammen noch aus Teamflugzeiten. 42 m / 40 Kp. Ideal für den TITAN XL bei diesen Hauchwinden.

Die Luft ist weich – dieses Mal 2 Stunden vor Sonnenuntergang. Meine Bewegungen beim Schnurauslegen werden automatisch ruhig. Es ist, als ob ich Ruhe als Luft atme.

Die ersten Momente des Fluges sind Wiedereingewöhnung in Mildheit und Langsamheit. Ruhe als Aufforderung. Es hat ein asiatisch-meditatives Gefühl.

Der TITAN XL liebt Fades in diesem Flug, klar geschnittene Figuren, Axelkombinationen .. alles, was aus dem Trickflug kommend, wie Arne es sehr ausdrücklich beim KRYSTAL beschrieben hat, durch Langsamheit Grazie vermittelt und Bewegungen zur Zeitlupenstudie werden läßt.

Nachdem ich fast 2 Stunden geflogen bin, bin ich benebelt von den Flugeindrücken. Der Rausch der Ruhe.

Als ich zu meinem Fahrrad gehe, sitzt ein Holländer auf der Bank und sagt: “ Heel, heel moi gedaan“ (Sehr, sehr schön gemacht). Ich nicke dankend und lächle. Ich bin tierisch ruhig. Wahnsinn !.

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