HEAVEN – Schönheit am Himmel

Text von: Gerd Mössner
Fotos von: gm

Spannweite 230 cm

Standhöhe 125 cm

Gewicht 318 g

Windbereich in Bft. 0.5 – 4

Preis in € 160,-

Hersteller Space Kites, Michael Tiedtke, Middelsburer Padd 10 in 26553 Dornum/Middelbur. Fon + Fax 04933-2253

Bezug direkt

Das Frühjahr naht, und die Drachenneuerscheinungen drängen mit Macht auf den Markt. Auch aus dem hohen Norden lassen sich Neuigkeiten vermelden. Aus dem Hause SPACEKITES ist die diesjährige Neuerscheinung, der Heaven, vor kurzem in unsere Hände gelangt und möchte sich den Strapazen der Testkriterien stellen.
Die Firma SPACEKITES, bekannt durch Drachen wie den Explosion, den Topas oder den Carat, hat sich dieses mal auf die Fahnen geschrieben, einen Drachen zu entwickeln, der auch den Binnenlandfliegern unter uns gerecht wird, die naturgemäß unter anderen Windbedingungen
„leiden“, wie sie gewöhnlich an der See herrschen.
Erster Eindruck:

Drachen aus dem Hause SPACE KITES fallen immer durch ihr Design und ihre hervorragende Verarbeitung aus dem Rahmen. Mit dem HEAVEN ist Michael Tiedtke wieder ein solcher Erfolgsstreich geglückt.

Der erste Eindruck ist hervorragend. Ein wunderschöner Drachen. Verarbeitung:

Selten ist mir ein Drachen untergekommen, der so perfekt verarbeitet ist!!! Alle 18 Panelen sind mit sehr sauberen Kappnähten verbunden – alle Nähte sind sauber verriegelt.
Die aus Gurtband gefertigte Nase ist mit zwei Lagen Dacron unterlegt, wovon eine Lage rautenförmig auf die Kielnaht verlängert wurde
Die Leitkantentasche ist ebenfalls aus Dacron genäht und leicht profiliert. Vom Kielstabende bis zum Mittelkreuz ist ein Streifen Dacron aufgenäht, der in diesem doch stark beanspruchten Bereich für ausreichend Stabilität sorgt. Auf diesem Streifen ist das mehrfarbige Firmenlogo aufgenäht.
Die 3 Standoff-Aufnahmen pro Segelseite sind mit Spinnackernylon unterlegt und bieten pro Standoff jeweils 3 vorgestanzte Verstellmöglichkeiten.
Eine Besonderheit des HEAVEN ist die ungeteilte untere Querspreize, die durch ein drehbares FSD-Kreuz arretiert wird. Alles in allem ist die Verarbeitung des HEAVEN auf höchstem drachenbautechnischem Niveau anzusiedeln. Es gibt nichts daran auszusetzen! Flugeigenschaften:

Da in meinen fliegerischen Gefilden die unteren Windbedingungen des Heaven mehr als genug vorzufinden sind, hatte ich gleich zu Anfang meiner Testsequenzen oft die minimalen Windgeschwindigkeiten von etwa 2 km/h (alle von mir genannten Windgeschwindigkeiten sind mit dem Windmaster 2 gemessen), was in etwa den angegebenen 0,5 Bft. entspricht. Leider bestätigten sich meine Befürchtungen, dass ein Drachen mit satten 318 g Gewicht, kaum in der Lage sein wird, bei diesen Bedingungen befriedigend zu fliegen. Es war zwar möglich, den Heaven mit viel Laufarbeit am Himmel zu halten, aber mit Drachenfliegen hatte das nicht viel zu tun. Ausgenommen die Erfahrungen von Jürgen Okrongli in den gleichmäßigen Winden an der See. Ab einer Windgeschwindigkeit von etwa 6 km/h nahm die Laufarbeit ab und der Eigenauftrieb reichte aufs erste, um Figuren zu praktizieren. Richtig Spaß macht der Heaven aber erst ab etwa 9 Km/h. Dann ist es auch möglich, seine Qualitäten im Präzisionsbereich ansatzweise auszuschöpfen. Und da liegen auch ganz klar seine Stärken. Aufgrund des verwendeten Gestänges besitzt der Drachen genügend Dynamik, um recht saubere Präzisionsfiguren fliegen zu können. Die Ecken „rasten ein“, und die dazwischen liegenden Strecken können sauber geflogen werden. In der Kreispräzision muss ich leider Abstriche verzeichnen, da die im Binnenland oft vorherrschende Luft alles andere als stetig ist. Der HEAVEN reagiert auf böige Verhältnisse recht zickig und wandelt auch leichte Turbulenzen direkt in Vortrieb um, was den Gesamteindruck beim Fliegen eines großen Kreises doch maßgeblich beeinflusst.
Im höheren Windbereich, ab etwa 20 km/h, deformiert sich der Heaven zusehends, und die Leitkantenenden fangen leicht an zu vibrieren. In diesem Windbereich produziert er dann auch adäquat Druck, um große Präzisionsfiguren fliegen zu können. Allerdings nimmt die Tendenz der Böenempfindlichkeit proportional zu, so dass sauber geflogene Groundpasses mit gleichmäßiger Geschwindigkeit nur schwer zu bewerkstelligen sind. Man spürt deutlich, dass der Drachen an seine Grenzen stößt.
Das mitgelieferte Bremssegel tut ab Bft. 2.5 / 3 jetzt seine Dienste, was den Drachen nochmal merklich verlangsamt, den Druck aus dem Segel nimmt und einiges an Windstärke nach oben ermöglicht (Grenze Bft. 5).

Trickflug
Aufgrund des Segelschnitts lässt sich ausschließen, dass es sich um einen Freestyler handelt, und so gestalteten sich auch meine Erfahrungen. Bei dem HEAVEN handelt es sich um einen Drachen, der sehr viel Charakter hat und alles andere als mainstreamig ist. Ich fühlte mich stark an meine Trick-Tail Zeiten erinnert, denn auch der Heaven möchte geführt werden. Wildes Reißen an den Leinen führt meist unweigerlich zum Absturz. Wenn es dem Piloten jedoch gelingt, sich auf diesen Drachen einzulassen, sind sehr weiche, schwebende Trickelemente möglich. Besonders hervorheben möchte ich Tricks wie den 540er, oder weich geführte Wendeaxel. Auch mit Flic-Flacs hat der Heaven keine Probleme, diese absolviert er zwar mit etwas Raumverlust, aber das tut der Sache keinen Abbruch. Ebenfalls liegen ihm Tricks die aus dem Fade, in dem er sehr stabil liegt, ausgelöst werden. Backspins und Backspincascaden gehören hier zu seinen Stärken. Diese vollführt er mit viel Grazie und Feingefühl. Mit einigen Rückentricks hatte ich meine liebe Not. Geschraubte Lazy Susans sind sauber auszuführen, Powerlazys dagegen mag er nicht so sehr, was meiner Meinung nach daran liegt, dass er die Nase im Backflip nicht weit genug hinunter bekommt. Aus den genannten Tricks lässt er sich sauber recovern. Ich weiß zwar nicht, ob der Heaven alle gängigen Tricks beherrschen sollte, aber der Vollständigkeit halber sollte erwähnt werden dass er Wickeltricks absolut nicht mag. Basics wie Stalls oder Snap Stalls, die dann in ruhige Side Slides übergehen können gehören ebenfalls zu seinen Stärken. In solchen Moves kann er seine Segelfläche umsetzen, was zu sauberen, gleitenden Bewegungen führt.
Tricks: (vergeben werden 10 Punkte, 10 = sehr gut etc.)
Starts (Bauch- Rücken- Leitkante): 6

Landungen: 6

Eckenpräzision: 6

Kreispräzision: 4

Allgemeines Flugbild: 6

Stalls: 6

Side Slides 6

Axel: 6

Axelcascaden: 6

Backspin: 7

Fade: 8

Backflip: 6

Lazy Susan (geschraubt) 5

Lazy Susan (Power) 4

Mutex: 6

Vergleich in seiner Kategorie:

Im Vergleich zu den anderen SPACE KITES Allroundern ist der HEAVEN ein weich auszulösender Drachen vergleichbar dem INDY. Damit ist er nicht nur für „die raue See“ die Entscheidung, sondern dringt ins Binnenland vor. Fazit:

Der HEAVEN glänzt durch exzellente, liebevolle Verarbeitung, die bis hin zu allen Detaillösungen konsequent umgesetzt wurden. Mit ihm erwirbt man einen Drachen, der sich ganz klar von den zurzeit erhältlichen Drachen unterscheidet. Michael Tiedtke folgt mit dem HEAVEN sehr deutlich seinem eigenen Stil. Wem es ein Genuss ist, einen Drachen sein Eigen zu nennen, der sich durch sein ausgefallenes Design von der Masse abhebt und es liebt, geruhsam in leichten Brisen schön zu fliegen, der ist mit dem HEAVEN sicher gut beraten. Bei der vorgefundenen Qualität dieses Drachens ist der Preis meiner Meinung nach durchaus gerechtfertigt..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *