IKEA KITE 2006 : Die Westfalen trutzen den Stürmen und dem Regen

Text von: Jürgen Okrongli
Fotos von: J.O.
Samstag, der 20. Mai 2006.

12.00 mittags. Ich verlasse Schwelm mit den Worten meiner Frau im Nachklang:“ 6 KM Stau zwischen Kreuz Unna und Kamener Kreuz. Windstärken bis 10 mit Regen von der Eifel gen Osten. Fahr vorsichtig..“

Eins, das weiß meine Frau seit Ewigkeiten: nichts könnte mich zurückhalten. Ich erlebe dieses Fest seit mehr als 10 Jahren – knipse es – schreibe darüber. Ich habe tiefe Einblicke gewonnen, welche Organsisationsarbeit und Einsatz aller Mitmacher es verlangt. Da ist es das Wenigste, dass ich mich in mein beheiztes Auto setze, Leonard Cohen auflege, und meiner Welt entgegenfahre.

Ich rufe Uwe Gryzbeck an, der das Fest 19 x organisierte: „Wie sieht`s aus ?“ Wer Uwe`s Art und Humor kennt weiß, dass nicht nur seine Kleidung immer schwarz ist sondern auch manchmal sein Humor:“ Es könnte etwas regnen – zu staubig hier.“ „OK, ich bringe etwas Regen mit – bis gleich.“

Als ich ankomme – regnet es tatsächlich gerade nicht. Uwe ist mit seinem enorm praktischen und schnellen High-Tech-Roller unterwegs, mit dem ich auch schon herumgedüst bin. Super praktisches Teil für den Organisator eines Festes, das eine Ausdehnung von über einem Kilometer hat.
Ich habe ein Programmheft in der Hand. Lese:“12 Uhr offizielle Eröffnung durch den Bürgermeister. Anschließend Massenstart der Drachen – Upps: der hat nicht stattgefunden. Ich sehe einen Cody hoch am Himmel.
ganztägig moderiertes Showfliegen zu Musik und freies Fliegen: der Moderator sucht sich in einer Ecke Gesprächspartner, die ihn von der traurigen Wetterlage ablenken. Der Wind kommt auf.
Kleinkunst auf der Bühne und auf dem Platz. Ich biege um die Ecke und sehe einen Mann mit 4 m langen Beinen und einem Zylinder – ganz schön mutig – bei diesem Glitschboden und böigem Wind. Ich liebe Enthusiasten!
Großes Kinderprogramm: Hüpfburg, Karussel, Schminkaktionen. Das Schminken geht nicht – der Regen wäscht es zu schnell ab.
Mobiler Spielplatz mit verschiedenen Spielen und Mitmachaktionen. Kistenkletteranlage. Segelflugzeug und Segelflugsimulator.

18 Uhr Heißluftballon-Aufstiege im hinteren Teil des Geländes. Höre von den Ordnungskräften, dass das wegen der heftigen und böigen Winde ausfallen wird.
Die Rockcover aus Kamen: True Men wird auch nicht auftreten..Wasser-Strom-Bühne. Was für ein Wahnsinn ! Wie sehr unser schönes Hobby l e i d e r auch den Launen des Wetters unterliegt. Jammerschade !
Straßensamba aus Rio auf dem Gelände und auf der Bühne.

22.30 h Nachtshow mit illuminierten Drachen, Lichtshow, Drachenfeuerwerk und Samba-Trommel-Performance. Das wird auf jeden Fall stattfinden, muss aber zeitlich gegen den European Contest und die Erwartung an Texas Lightning angehen. Schade, dass IKEA den Termin von Muttertag weggezogen hat..höre ich es auf dem Gelände.

Trotzdem: den normalen Drachenwestfalen kann eine kleine Böe um die Bft. 6 nicht aus der Ruhe bringen. Wir trinken einen und lassen uns etwas einregnen.
Die Leere des Platzes hat eine Traurigkeit. Eine mir Kaffee verkaufende Frau sagt:“ Man sollte Petrus austauschen!“

Es folgen freundliche Gespräche unter Drachenkollegen. „Schön, Dich `mal persönlich kennenzulernen. Deine Sachen sind schön zu lesen. Kann man gut verstehen.“ (Solche Komplimente aus dem Munde eines Westfalen – das ist wie ein .. Boah!) Jetzt ist die westfälische Antwort von mir darauf:“Dat is ja wie Ostern un Weihnachten auf einen Tach..“ „Nee, is schon OK,“ bleibt mein Gegenüber stur. Ich bedanke mich. Is nett !

Winfried Boesel aus Werne erzählt im Schutz des Bierstandes und der Regenschirme, wie er privat an eine eigene Wiese gekommen ist.. Westfalen unter sich erzählen kein Seemannsgarn und geben nicht mehr an, wennet nich is.

Kinder halten ihre kleinen Einleiner in den Wind. Sie trotzen der Wetterlage. Einfach schön anzusehen.

Ich werde angesprochen, `mal einen Bericht über den Aviv geschieben zu haben – von Werner Lampe. Der Flieger sei aber gar nicht so toll gewesen. Ich beteure, den Bericht nie geschrieben zu haben. Es war Micha Bahr. Immer noch gibt es Restspuren von MB. Hilfe !

Leere Stühle warten auf Gäste, Gäste, Gäste. Ich kaufe mir für 4 Euro eine dicke Schale chinesisch-süß-sauer + Reis und setze mich mutterseelenallein an einen der Tische. Es kommt bei mir keine Stimmung auf.

Mein Blick fällt auf wartende Geschäftsleute an Eisständen, Waffelständen, .. sie bekommen nicht die Gäste aber die Windböen mit Regen in ihr Zelt geblasen.

Meine Bewunderung gilt ihrem Stehvermögen. Tolle Menschen !
Ich beschließe, noch eine letzte Runde zu machen. Auf der Hälfte angekommen, sehe ich eine riesige dunkle Wand im Südwesten auf das Fest zukommen. Einige andere schauen auch schon in diese Richtung.

Kehrtwende! Klaren aber nicht fluchtartigen Schrittes gehe ich zurück. Weiß, dass die Fahnen von FLUGROST schon vor dem Regen rostig waren. Sehen toll aus!

Ich halte das Programmheft in der Hand: Sonntag, den 21.Mai – 12 Uhr Massenstart und alle anderen – schon genannten Punkte des Samstags bis 15 Uhr. Dann treten die Original Wandervögel aus Unna-Massen auf. Um 17 Uhr sind die Cheerleadertänze der „Blue Starlets“ auf der Bühne. Gegen 18 Uhr ist das offizielle Ende des Festivals.

Es ist Samstag 20 Uhr. Der letzte Satz ist geschrieben. Die Sonne fällt aus Richtung KAMEN in mein Fenster.

Ich wünsche Euch alles Gute, Jungs. Trockene Füße und einen schönen Verlauf des Festivals meinen stolzen Westfalen !

Jürgen, ein Westfale.
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