K 2 (RTF) – Rock the Sky!

Text von: Gerd Mössner
Fotos von: gm

Kategorie Allrounder

Spannweite 208 cm

Standhöhe 96 cm

Gewicht 278 g

Windbereich 5 – 35 Km/h

Hersteller KiteCraft GbR, Ringstr. 98/2 in 73257 Koengen. Fon 07024-8689117 (Banner)

Bezug direkt

Selten war die Auswahl an Trickdrachen so umfassend wie es sich zurzeit darstellt. Unter anderem ist eine neue süddeutsche Drachenschmiede mit für diesen Trend verantwortlich, die innerhalb kürzester Zeit eine beachtliche Auswahl verschiedener Drachen (K1 als Set, K 2 und den K3) auf den Markt brachte. Hinter der Firma Kitecraft, von der hier gesprochen wird, verbergen sich zwei, in der Drachenszene nicht unbekannte Namen: Dirk Geisler und Mathias Bergen! Offensichtlich ist die Mischung aus Wettkampf Erfahrung und schwäbischem Tüftlertum die ideale Mischung um neue, innovative Entwicklungen entstehen zu lassen. An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass es den Jungs von Kitecraft gelungen ist ihre Drachen so zu konstruieren, dass sie preislich sehr attraktiv angeboten werden können Erster Eindruck:

Ein kompakter Drachen mit einer Vielzahl von flugtechnisch durchdachten Detaillösungen.

Der K2 erscheint mit Leinen und Handschlaufen im RTF-Set, was den insgesamt sehr positiven Ersteindruck abrundet. Verarbeitung:

Das aus 10 heiß zugeschnittenen Paneelen bestehende Segel ist komplett in Segelmachertechnik vernäht. Alle Paneele sind zusätzlich an den Nahtstellen verklebt. Die Leitkante besteht aus Dacron und ist für den Einsatzbereich des K2´s gut dimensioniert, was auch für alle weiteren Verstärkungen an dem Segel zutrifft. Eine zusätzliche und sinnvolle Verstärkung möchte ich jedoch trotzdem noch erwähnen; die gesamte Kielnaht ist mit einem 2,3 cm breiten Spinnackerband von hinten unterlegt, was dieser teilweise doch stark beanspruchten Stelle etwas mehr Sicherheit verleiht, im unteren Kielbereich ist von außen noch das Kitecraftlogo aufgenäht.

Keine überstehenden Ecken stören das Gesamtbild, der aus zwei Lagen verschieden starkem Dacron gefertigten Nase. Eine zweite Lage Spidertex soll den segelseitigen Nasenbereich zusätzlich schützen.

Die Schleppkante ist mit Saumband eingefasst. Drei Aussparungen sind in die Leitkante, heiß geschnitten worden, zwei für die Querspreizenverbinder und eine unverzichtbare Jojostopperaufnahme.
Der obere Querspreizenausschnitt ist so geschnitten, dass ein schmaler Streifen des Dacron stehen bleibt und so den Verbinder überdeckt, was ein Verhaken der Leinen bei Wickeltricks weitestgehend verhindert.
Das im Gerüst verfolgte Konzept ist solide, und einige Besonderheiten bedürfen einer genaueren Betrachtung: Da wäre der 92 cm lange Skyshark PT 3 im oberen Bereich der Leitkante, an den, im unteren Drittel, ein 6 mm CFK Stab angemufft wurde.
Der PT 3 im oberen Bereich der Leitkante gibt genügend Steifheit, der 6 mm Stab im unteren Bereich ist robust genug um auch harter Bodenarbeit Stand zu halten. Der Kiel und die obere Querspreize sind ebenfalls aus 6mm CFK. Die beiden unteren Querspreizen sind aus 5,4 mm CFK Gestänge und werden durch hervorragend passende FSD Adapter, in gelb, im Mittelkreuz arretiert.
Durch die Länge von 26 cm des Stand Offs ergibt sich eine enorme Ausspreizung des Segels und die beiden Querspreizen biegen sich ein wenig durch.
Abgesehen von den Jaco Stand Off Aufnahmen sind alle weiteren Verbindungselemente von FSD.
Flugeigenschaften:

Was ist die Steigerung von radikalem Trickflug, radikalster Trickflug?? Wenn auch diese Steigerung so noch nicht verbreitet ist, dann wird sie mit dem K2 Einzug halten!
Aber alles der Reihe nach. Mein erster fliegerischer Kontakt mit dem K2 fand bei einer Windgeschwindigkeit von etwa 23 km/h/ Bft. 4.5 statt(Alle Windgeschwindigkeiten sind mit dem Windmaster 2 gemessen), was nicht unbedingt ideale Bedingungen sind. Doch meine ersten Runden gestalteten sich mehr als problemlos. Der K2 baut nur sehr gering Druck auf, was ein wenig zu Lasten der Geschwindigkeit geht. Umso erstaunter war ich, dass doch ein beachtliches Maß an Präzision in diesem reinrassigen Trickdrachen steckt. Dem zu Gute kommt die Gestängekombination. Die Steifheit des PT 3 in der Leitkante gibt dem Drachen genug Spurtreue, und die eher weicheren Querspreizen verleihen ihm genug Dynamik, um „eingerastete“ Ecken fliegen zu können. Im Geradeausflug und im Kreisflug empfand ich ihn etwas böenempfindlich, was die Gesamtharmonie ein wenig trübt. Aber das nur am Rande, es handelt sich wie schon erwähnt um einen Trickdrachen, was er an Präzision mitbringt, ist für sich schon erstaunlich!
Nun aber zu seinen eigentlichen Stärken, dem Fliegen jenseits des Strömungsabrisses. Angefangen mit Standardmoves wie dem Stall, hin zu verschiedenen Rotationsmoves, zeigt der K2 dem Piloten von Anfang an, was in ihm steckt. Die ersten Momente bin ich etwas erstaunt, wie agil und bereitwillig sich dieser Drachen in Szene setzt. Vor allem seine hervorragenden Recovereigenschaften möchte ich an dieser Stelle erwähnen, da gerade diese Eigenschaft dem Trickübenden stark entgegenkommt. Der K2 lässt sich aus allen nur erdenklichen Positionen sauber und direkt recovern, und mit diesem Wissen lässt es sich doch viel entspannter neue Moves erlernen. Wie auch den Axel, lassen sich zahlreiche Tricks in den verschiedensten Variationen vollführen, und da gerate ich in Begriffsnot, da mir für manche Moves einfach der Name fehlt. Es ist möglich den Axel sehr weich und geführt zu fliegen, aber bei anderer Gefühlslage ist es auch spielend möglich den Drachen äußerst radikal den Axel „springen“ zu lassen. Gerade die Vielzahl an Stilmöglichkeiten macht diesen Drachen auch für Könner sehr interessant. Doch weiter in der Trickskala, kommen wir zur Bauch- bzw. der Rückenlage. Der Fade gestaltet sich als sehr einfach und es bedarf nur geringer Korrekturbewegungen, um den Drachen stabil zu halten. Beim Backflip gestaltet sich die Sache ein wenig differenzierter: er katapultiert sich zwar sehr effektvoll nach hinten, es war mir aber nicht möglich den Drachen im Backflip zu halten, was mir Folgemoves, wie die Lazy Susan, anfänglich sehr erschwerte. Erst eine Änderung meines Bewegungsablaufs, weg von erst- den-Drachen-in-den-Backflip-legen-und-dann-die-Lazy-auszulösen, hin zu den Drachen auf den Rücken zu schleudern und im selben Atemzug den Lazyimpuls hinterher zu geben. Dann sind sehr spektakuläre Rückenmanöver möglich!
Nun aber zu der absoluten Paradedisziplin des K2´s, dem Backspin. Aufgrund der zwei jeweils 4 g schweren Gewichte, oberhalb der unteren Querspreizenverbinder, dreht dieser Drachen, dass es ein Genuss ist! Backspins in allen nur erdenklichen Varianten sind sehr einfach auszulösen und werden in derartig hohen Frequenzen ausgeführt, dass dem Betrachter schwindlig wird! Die beiden oben erwähnten Gewichte unterstützen alle Tricks, die eine horizontale Drehung beinhalten.
Als weitere Paradedisziplin möchte ich die Kategorie der Wickeltricks focusieren. Der K2 ist prädestiniert für alle durchgezogenen Jojomanöver, unterteilte Wickeltricks (Dreiteiliger Jojo rückwärts; erst den Drachen in den Backflip legen, dann etwas anziehen und dann Leine nachgeben um die Einrollung zu beenden.)gelangen mir jedoch nicht. Das tut der Sache jedoch keinen Abbruch, da die durchgezogenen Jojos, vorwärts wie rückwärts, denkbar leicht auszuführen sind. Daraus resultieren Folgetricks wie der Wapdowap, ¾ Vorwärtsjojo mit direkt anschließender Rückendrehung. Auch eingewickelt zu fliegen, ist dank der Jojostopper durchaus möglich und die obere Verbinderabdeckung verrichtet ebenfalls sehr gut ihren Dienst. Die Leinen sind nie hängen geblieben.
Tricks: (vergeben werden 10 Punkte, 10 = sehr gut etc.)
Starts (Bauch- Rücken- Leitkante): 7

Landungen: 7

Eckenpräzision: 6

Kreispräzision: 6

Allgemeines Flugbild: 7

Stalls: 7

Side Slides 7

Axel: 8

Axelcascaden: 8

540 und ähnliches 8

Backspin 9

Fade: 8

Backflip: 6

Lazy Susan (geschraubt) 6

Lazy Susan (Power) 7

Mutex: 7

Jojos: 8

Wapdowap: 7

Fazit:

Mit dem K2 hat man einen Drachen, der das gesamte, aktuelle Trickflugrepertoire mit Leichtigkeit abdeckt und darüber hinaus mit respektablen Prazisionsambitionen vereint.

Gewöhnungsbedürftig war für mich der geringe Druckaufbau, gepaart mit relativ großen Lenkbewegungen.

Mein favorisierter Windbereich lag zwischen 7 und 20 km/h. Ab etwa 28km/h fingen die Flügelspitzen leicht an zu vibrieren. Wenn der Pilot sich allerdings auf diesen Drachen eingelassen hat, sind ungeahnte Trickkombinationen möglich, die in ihrer Radikalität ihresgleichen suchen..

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