KITE KAMEN 2013 . Ein Fest hat sich verändert.

Seit 20 Jahren besuche ich das KITE-Festival in KAMEN.015
1993 war ich zum 1. Mal als Journalist für SPORT & DESIGN, drachen auf dieser Bühne. Damals tummelten sich die Stars der Szene in KAMEN – versammelten sich um UWE GRYZBECK und ULLA BEBKO, die selber in der europäischen Einleinerszene Spitzenplätze einnahmen.
Damals waren so viele STARS hier, dass es mir nach 3 Jahren vorkam, als sei selbst das Publikum hochkarätig unterwandert. UNVERGESSLICH. Und ich war der Drachenreporter.
So lernte ich viele Größen der Einleiner- und Zweileinerszene face to face kennen – sah, was sie zauberten und ich noch nicht konnte. UNVERGESSLICH.
In einem Zeitfenster, wo Drachenentwicklungen noch weites, unberührtes Abenteuerland vor sich hatten, purzelten Entwickler- und Fliegertalente vom Himmel. Ich spürte den Geist der anfangenden 90er, sprang auf, lernte, lernte – es war eine Droge.

Selbst als ich über viel größere Feste berichtete, nationale wie internationale, blieb KAMEN m e i n Kamen. Inzwischen war ich bekannt, was die Wiedersehensfreude noch steigerte. Uwe, der umme Ecke wohnte, wurde mein Busenfreund. Eine Zeit mit stolzen Menschen.

Es ist Sonntag, der 5. Mai 2013. 10.30 h. Ich bin auf längst erkundeten Schlängelpisten zu einem Dichtbei-Parkplatz gekommen. Rucksack und „The long way home“ von Horvath an der Hand. Es kann losgehen.

Der Hangar des Flugplatzes ist dieses Mal gefühlt mit traumhaften Flugobjekten: Motorisierter Gleitschirm, … und ein Mini-Helikopter für 2 Personen. Bildschön – Schöner gehts nimmer. Mit dem werde ich zu einem anderen Zeitpunkt eine Runde drehen. Hubschrauberflug ist MEINS.

Da dringen schottische Dudelsackklänge an mein Ohr – sehr schön – ich gehe hin: eine Probe. Exakt getimed. Gänsehautfeeling.002

Ich mag Dudelsackmusik. Gehe noch ganz angetörnt des Weges, erreiche die ersten Zeichen der Drachenabteilung in Form eines Urgesteins:
Werner Köhler, der in Hamm seinen Drachenladen hat.

„Guten Morgen Werner! Ich komme gerade von den dudelnden Säcken und habe immer noch etwas Gänsehaut. Schön!“
Werner:“ Ich hatte letztes Jahr in Lünen den Lautsprecher 10 m von meinem Stand und mußte meine Kunden anschreien. Dafür sollte ich dann 300 Euro zahlen.. Am liebsten hätte ich denen …“

Auf so großen Festen, so meine Erfahrung, hat fast jeder einem anderen Eindruck.

Ich gehe langsam die Wiesen entlang. Noch sind nur wenige kleine Drachen am Himmel – der Moderator bemüht sich zu erklären, dass die wartenden Großdrachen mehr Wind bräuchten.

eins

Schade!  Sonst war ich immer am Samstag da. Gestern war mehr Wind und mehr Drachenspektakel, wie der Moderator sagt. Ich glaube ihm, weil seine Moderation fast die beste ist, die ich je gehört habe: für den Besucher verständlich. Begriffe aus der Drachenwelt, Fachtermini und Gesetze  g a n z  einfach erklärt. SUPER.

Ich ziehe sehr langsam meine Spuren über die Wiese und denke: Freunde! Wo seid IHR? Vor mir breitet sich ein wundervolles Bild von tausenden Löwenzahnblüten aus, die fast dem Blau des Himmels begegnen. IHR wundervollen, begabten Stars – wo seid IHR…

Der weiße Schleierdelta von Windvogel Hamm wirkt wie ein einsamer Lockvogel:“Kommt doch hier rauf! He! Kollegen der Größe – wo seid IHR?“

Ich lege mich ins Gras. Es ist trocken. Genialer Sonnenschein nach einembislang gescheiterten Frühling. Beste Wetterverhältnisse –
was ja die PFLICHT für die Kür der Drachen ist.

Während ich so dahindusele, Szenen vergangener Zeiten vorbeiziehen lasse, lächle, pruste..

mich setze, kommt ein zweiter UWE GRYZBECK auf mich zu. UWE hatte die KAMENorganisation in 5 Jahren übergeben:“In Nachwuchshände“, wie er sagte.

Ich sehe jemanden in dem Original UWE-Overall, UWE Hut, UWE-Sonnenbrille – mit fast Vollbart.

Ich sage nichts. Winke nicht in seine Richtung. Bin zweifelnd.

Er steht 4 m vor mir. Sieht meine Zweifel, meine ???

UWE„JA, ich bins!“   Heiliger Sonnenschein!
„Ich habe Dich nicht wirklich erkannt – für Deinen fast täuschend echten Nachfolger gehalten, der sich einen Realo-Scherz in Deinen Sinne machen wollte.“

„Nimms nicht tragisch. Als ich so nach Wochen Ulla in CERVIA besuchte, hat sie noch aus 3 m Entfernung durch mich durchgeschaut“.

„Übrigens.. schau Dir mal das Gerüst an – den heißen Moderationsstuhl und lass Dir erklären…“ Moderator

Ich war beruhigt.

Und da war wieder der Moment, den ich von früher kannte: der Moment der professionelle Größe. Ich ließ mir erklären, dass Standort, Höhe und Beschallung sehr punktgenau ausgerichtet wurde. „Wir hatten vor 3 Jahren Premiere, da war die Ausrichtung des Lautsprechergerüstes, was über 1 Tonne Lautsprecher tragen muss, noch nicht optimal. Am nächsten Tag kamen Beschwerden aus dem 4 KM entfernten Heeren: die Scheiben hätten vibriert. Jetzt ist der Klang sauber, laut aber unaufdringlich – keine Vibrationen.“

„Wieviele helfen beim Auf- und Abbau?“ – „7 – 8.“

Beeindruckend, dachte ich, da kam der Moderator. „Ich muss ihn jetzt einweisen..“ – “ OK. Danke.“

MusikIch lege mich wieder in den Löwenzahn und höre gigantisch klare Musik.

Ein Lifekonzert – Sonne – blauer Himmel. Mir gehts gut!

Es wird – allgemein gedacht -an der Zeit gelegen haben, zu der ich da war: Sonntag von 10.30 -13.30 h. Im Speziellen aber fliegen Profiflieger schon ab 7.00 h .. und durch. Das Wetter war topp. Leichter Wind. Vielleicht etwas zuuuu leicht und drehend.

Ich stehe auf, gehe langsam durch das Meer an Löwenzahn.

Wolf1Zwei Typen. Einer fliegt. 100 pro ist das Wolfgang – zumindest sein Drachen.

Der andere dreht ab, kommt auf mich zu. „Ist das Wolfgang ?“

„Wolfgang ?“  „Ja, Wolfgang Neumann..“ –  Er schaut mich immer noch ??? an.

„5-facher deutscher Lenkdrachenmeister.“  –  „Ach so, deswegen ist der immer beo 0-Wind im Kreis gelaufen.“      Ich habe das starke Bedürfnis, das Gespräch nicht weiter zu führen und gehe in Richtung Wolfgang. Als er sich umdrehte, trug er keinen Bart. Ich erkannte ihn.

Was haben wir schon wunderbare Dinge gemacht, in Kamen, in Neuenrade und in KITE-TESTS. Herzliche Umarmung. TUT gut, einen Haudegen der vergangenen Tage in der Heutezeit zu sehen – immer noch großes Kino.

„Ich bin jetzt im Ruhestand.“  –  „Dann zieht ihr nach Ameland?“ 🙂  Wir lachen. Haben wir doch benachbarte holländische Insel zu unserem Traum gewählt.

Wir tauschen lange Erinnerungen aus. Er fliegt zwischendurch – wenn der Wind es zuläßt. Ich lasse der „The long way home“ steigen, wenn der Wind alle anderen in die Knie zwingt.

„Da hast Du im Minimalismus genau das richtige mit :-)“  Dieser Drachen ist bei Nullwind ein Knaller, Überkopfflieger, da Parallelflug zum Boden so lange weiter geht, wie die Schnur lang ist.

Wieder liege ich im Löwenzahn – schaue mich um. In den letzten 2 Stunden sind nicht mir Drachen dazu gekommen. Die Wenigwindverhältnisse – sicher auch.

Wolfgang kommt wieder rüber: „Heute bleibe ich nicht lange – war gestern länger hier.“

„Ich gehe gleich auch – esse noch etwas.“  Dann kommt wieder ein Bekannter und nimmt Wolfgang zu seinem Drachen mit – ist so, wenn man berühmt ist 🙂

Ich lasse meinen weißen Wunderdrachen noch einmal helikoptern und raffe meine Sachen. Im Aufbruch winde ich zu Wolfgangh rüber: „Viel Glück und Erfolg bei der Wohnungssuche.“ – „“Wir sehen uns.“

Nach ein paar Metern läuft ein kleines Mädchen mit einem kleinen Einleiner an mir vorbei. Der will und will nicht. Ich schaue sie an und sage laut: „Warte `mal… Schaue `mal nach oben, in welche Richtung die Drachenschnüre vom Drachen weg gehen. Du mußt genau anders herum laufen.“ Die Kleine:“Okayyyy.“  –  „Ich halte den Drachen, und Du machst die Schnur 10 m lang. Weißt Du wieviel 10 m ungefähr sind?“ – „Ja.“ – „Okayyyy!“

Sie entwirrt eine Schnur mit Schleifen, Knoten…Heiliger! Aber: sie bemüht sich sehr. Als sie fast bei 10 m angekommen ist, lege ich den Drachen auf den Boden, hole den original gelben Winder mit gelber Schnur (vom The long way home) und zeige ihr, wie aufgewickelt wurde, ich den Finger ins Loch des Winders stecke und die Schnur springend leicht sich vom Winder löst.

Sie staunt. „Wenn Du zu Hause bist, kannst Du die Schnur ganz abziehen und mit Achten neu aufziehen. Sie schweigt. Ich halte den Drachen hoch – sie läuft. Der Drachen steigt – sie läuft.

Ich schmunzel ihr hinterher – denke daran wie damalige Meister sich ins Publikum mischten und getarnt Hilfen gaben. Schön.Transport

Während die Kleine schon wieder zurück läuft (mit dem Wind) und den Drachen trotzdem oben hält fällt mein Blick
in einen Anhänger voller Drachen: was die harten Fans sich einfallen lassen. GUTE IDEE – so bleibt das Wohnmobil drachenfrei.

Es ist 12 h mittags. Mich zieht es zu der kulinarischen Meile. Vor 6 – 8 Jahren gab es hier für kurze Zeit gehobene Küche. Mobile Außenposten hiesiger Gastronomie servierten ihre Spezialitäten zum anständigen Preis. Da, wo man selbst bei der Suppe Wert auf Qualität legt, bin ich zu Hause.

Jetzt stehe ich für Currywurst Pommes zu 5.50 Euro an – kulinarischer Wert 2.20 Euro – VK. Während die Baumstämme links an mir vorbeifliegen – rechts die Steine aus der Eiszeit quält neben mir eine Oma ihr Enkelkind: „Warum willst Du denn keine Pommes ? Du ißt sie ja sonst so gern.“

Ds Kind wird schon wissen, warum..  Der Opa steht auf und holt sich stattdessen noch ne Pommes.

Ich überlege, ob es meine Welt ist und komme recht schnell, kurz nach der letzten Pommes zu der Einsicht: NEIN!

Da, wo Männer Röcke tragen, damit man ihre weinfaßgroßen Waden sehen kann – will ich nicht …

Entschlossen packe ich mein Equipment und gehe entschlossenen Schrittes zur Löwenzahnabteilung.

Mit jedem Schritt nähere ich mich der Ruhe – der Besinnlichkeit – der Wohnmobilreihe, der Selbstverpflegung.Good bye

Mein Rundumblick sagt mir:“ Wolfgang ist gegangen.“  Ich packe ein letztes Mal den weißen Horvath aus – jenes grazile Wesen, vom dem fliegende Baumstämme in die Knie gehen – Hinkelsteine vor Neid platzen.

Als er seinen Schwebeflug antritt, lege ich mich tief in den Löwenzahn: Sonne, blauer Himmel, ein paar weiße Wolken, ein lauer Wind ohne Pommesgeruch, alle tragen Hosen – auch die Frauen.

Ich bin froh, dass mich das Schicksal und seine Gehilfen zu unserem Hobby geführt haben.

Langsam packe auch ich zusammen, werfe für heute ein letztes Mal gelbe Achten um den gelben Winder. Kamera, Rucksack, fertig.

Vom Wegesrand sehe ich eine Familie, die die Campingsstühle vom Mobilheim auf die Wiese verlagert haben. Diese Ideen sind meine. fünf2

Von Kopf bis Fuß genieße ich die Ruhe – sie strahlt. Denke an die Drachenzauberer vergangener Zeiten, mit denen ich im Gras gestanden, gelegen habe. „As time goes bye“, summe ich jaggermäßig in die laue Maienluft.

Die Zeit geht weiter – ändert.

Uwe, Wolfgang und ich sind noch da .. auch nächstes Jahr.

……………

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *