„Kumma widder fliecht“ Teil 2

Text von: Jürgen Okrongli
Fotos von: Jürgen O.
Die AKTIVEN haben sich in Position gebracht. Es sind nur 2 Dutzend AKTIVE mit diesen Auslagen – dennoch ist es ein Augenschmaus. Viel Liebe zum Detail – Augenschmaus. Sie drapieren ihre bunte Fantasiewelt.
Stadtteile werden verkörpert – Ideen wuchern. Im KLEINEN wie auf großen Festen, wie Fanö.

Diese Stimmung hier ist wie ein Wohnzimmer draußen. Es gehört den Menschen, die hier wohnen und ihren Gästen, die Spielchen mitgebracht haben, um sie zu unterhalten.
Und da ist wieder die holländische Gruppe vom letzten Samstag in Gelsenkirchen – Bismarck. Sieht ganz so aus, als würden auch sie Sommerurlaub im Ruhrgebiet machen.

Relaxed – engagiert – gesellig – bunt. Eine Bereicherung.
Und dann kommt der Wind – und es kommen die großen Fantasiegebilde.

Es ist jetzt ihre Stunde.

Wo sie schweben – sind die Augen. Kleinvieh ist jetzt nicht.
Arthur Skibb kommentiert einen Schleierdelta von 36 m Länge.

Der bräuchte eigentlich keinen Kommentar – vielleicht die 36 m.

Ich gehe vom Platz. Ein Fest wie ein Wohnzimmer, wie ein Acker. Gemütlich. Ich habe viele strahlende Augen gesehen und keine gestressten Organisatoren.

Nicht gestresste Organisatoren – dass kenne ich von größeren Festen gar nicht.

„Wieviel Drachenfest braucht eine zufriedene Seele,“ frage ich am letzten Stand, wo ein MonsterCODY in Schwarz liegt, der hier niemals fliegen würde. „So viel,“ sagt jemand und zeigt über meinen Rücken zurück.

Während ich heim fahre, versuche ich die Eindrücke zu ordnen: Zwangsläufig vergleiche ich den Samstag zuvor in Gelsenkirchen (siehe Bericht) mit dem in Bochum. Gelsenkirchen, großspurig als 1. Internationales Drachenfest angekündigt, läßt den kleinen aktiven Profi“haufen“ verloren auf dem weiten Gelände erscheinen. Da hatte jemand ein zu großes Stück Kuchen genommen und sich daran verschluckt. Der Fall vom wohlklingenden „International“ ab in den Keller war ein organisatorischer Absturz.
Ganz anders jetzt das Stadtteil-Drachenfest in Bochum-Eppendorf. Der Heimatverein hat es organisatorisch in der Hand – viele praktische Leute, die gut ´drauf sind und stolz. Sie strahlen es aus. Keine pompöse Ankündigung INternationales Drachenfest Eppendorf – NEIN. Schuster bleib bei deinen Leisten. Familiär, gemütlich, urwüchsig, überschaubar, kompakt organisierbar. Am Rande sorgt die hiesiege Feuerwehr für Spritzenspaß – die Kinder stehen Schlange. Multi-Kulti, als Einbindung unterschiedlicher Gruppen VOR ORT. Jeder organisiert sich und bindet sich ins Gesamtkonzept ein. Die Stadtteilmenschen finden sich wieder und sind stolz. DAS HAT MIR GEFALLEN !

Und noch ein LETZTES: auf großen Festen fliegen Profis schon `mal Sachen, die das „ungebildete“ Publikum nicht als professionell versteht. Der Ansager erklärt, dass der Deutsche Meister SOUNDSO gerade eine Trickkaskade aus Axel-Fade und Lazy Susan macht, die er in sehr rafinierter Auslegung fliegt, während ein Zuschauer gerade in diesem Moment einen Tigerenteneinleiner in Auge bekommt und ihn voll-lachend seiner Frau und seinen Kindern zeigt – mit der Bemerkung zum Meister: „Der Onkel übt noch – als traut euch auch ruhig.“
In diesem Sinne fühlte ich mich auch. Auf dem Acker rannten Mütter und Kinder mit kleinen Einleinern hin und her – manchmal war die Windrichtung nicht mehr das Wichtigste. 15 Meter weiter versuchte eine Mutter einen zu schweren Lenkdrachen mit nur 5 Meter Leinenlänge zu starten. In Holland spiele ich immer den Lebensretter – hier zwang ich mich in den Stand, holte meinen Superleichtwinddrachen aus der Hülle, legte die Leinen aus und startete in Fastnixwind. Das war etwas gemein – dachte ich. Aber, wer hat, der hat – auch das war gemein. Solche Ansichten sind auf großen Festen GANG UND GEBE. EIN DUMMER, wer nicht ein Pfau ist. Pralle Drachentaschen sprechen ihre Körpersprache.
Lehrreich für mich: keiner schaute mir zu. Alle waren mit ihren Versuchen beschäftigt. Ich konnte es nicht glauben.
Keiner kam zu mir und fragte:“Wie geht das ?“ Hmm ?
Sollten diese stümperhaften Versuche, Drachenklumpen an einen Wechselwindhimmel zu werfen mehr bedeuten, als einem leicht daherschwebendem, mit erlesenstem Materialienmix ausgestattetem Hochleistungswettbewerbsdrachen bewundernde, nie erreichbare Blicke zuzuwerfen ? UNGLAUBLICH ! Aber wahr.

Als ich das verdaut hatte, packte ich das edle Geschöpf wie ein geprügelter Hund ein. Ich glaube, ich bin etwas zu viel und zu lange auf großen Festen gewesen. Ich bin verdorben.

ABER: ICH GELOBE BESSERUNG ! ;-)).

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