LIKE A BIRD , black – Klassischer Stolz

Text von: Jürgen Okrongli
Fotos von: Jürgen Okrongli, Frank Ludwig www.kunstdrachen.delike-a-bird

Hersteller Colours in Motion, Wolfgang Grimsby

Spannweite, Höhe, Tiefe 200 cm, 160 cm, 50 cm

Tasche 115 x 20

Gewicht 480 g (davon 80 g Schwanz)

Empf. Schnüre 65 Kp

Stäbe quer, gemufft, 8 mm Fiberglas, 207 cm / 2 x 2 Stäbe a`4 mm FG + Hybrid a`66.5 cm

Windbereich 1.5 – 4.5 Bft.

Tuch Spinnaker Nylon

Preis in Euro 49,-

Bezug www.coloursinmotion.de

Jahrelang hatte ich mich den Lenkdrachen verschrieben. Immer wieder versuchten eingefleischte Einleinerkollegen mir die Schönheit dieser Drachensparte schmackhaft zu machen. Im Jahr 1998 war es so weit. Ich flog mit Martin Schob und Peter Gührs u.a. auf einer Bundesgartenshow im Ruhrgebiet. Beide hatten ihre Publikumsrenner mitgebracht.

Der Drachen, der mich am meisten faszinierte, war der selbstkonstruierte Triton – ganz in Weiß – von Martin Schob. Es war ein 3-facher Crossdeck mit nach unten langgezogenen Rauten und konischen Röhrenschwänzen u.ä.
1 Jahr später war das mein Geburtstagsgeschenk – Martin baute ihn. Die Übergabe fand in Hamburg statt. Er ist bis heute mein wertvollster Einleinerschatz. Seine wuchtig – dominante und dennoch grazile Schönheit strahlt Souveränität aus und ist nicht mehr zu toppen.

Dann sprach ich mit Wolfgang Grimsel über seinen LIKE A BIRD. Ein 1-facher Crossdeck nach altem Muster. Ein moderner Kastendrachen für den mittleren Wind mit guten Flugeigenschaften.

Erster Eindruck:

Der aufgebaute LIKE A BIRD macht viel mehr her, als ich für 49,- Euro erwartet hätte. Ist doch der Crossdeck eine Bauart, die man beim 1. Mal Aufbauen durchdacht haben muss – Logik muss da her.

Dann entfaltet er seine bauartbedingte Schönheit. Ganz besonders ist die Wahl des 10 m langen Röhrenschwanzes. TOLL ! COLOURS IN MOTION.

Assistenten, die zum 1. Mal dabei sind, staunen über die Konstruktion. Immer wieder ist hinter ihrer Stirn die Reihe von ??? zu sehen: „Und der fliegt ?“ Ich habe diese Frage schon so oft gehört und sage manchmal: „Der ist nur zum Gucken“ oder „für anne Wand“ oder „Ja.“
Verarbeitung:

Die Baukonstruktion des LIKE A BIRD lebt von Vorspannung. Das bedeutet, dass die Segelkanten sehr gut verstärkt sein müssen und es auch sind, dass die Näharbeit präzise sein muss und es auch ist, dass die Verstärkungselemente an den richtigen Stellen sitzen: sie tun es. Mit Wolfgang Grimsel haben wir einen Einleinerbaumeister der internationalen Oberklasse vor uns – das ist kein Drachenbaukursbesucher.

Der 207 cm Querstab (8 mm Fiberglas) ist gemufft, so dass der ganze Drachen in einer Tasche von 1.15 m Länge Platz findet. Weitere vier 4-mm – Stäbe a` 66.5 cm sorgen für die Ausbildung des Körpers.

Schon immer war es ein Merkmal eines CROSSDECK, dass wenig Stäbe undlike-a-bird2 viel Segelfläche zur Stabilisierung und zum Auftrieb beitragen sollen. Da ein CROSSDECK ohne Schwanz wie ein rächendes Wikingerbeil am Himmel herumschlägt, wurde dem LIKE A BIRD ein traumhaft schöner 10 Meter – Röherenschwanz mitgegeben.

Es gibt ihn in den Farbwahlen SCHWARZ (Testdrachen)und ROT.
Flugeigenschaften:

Der WIE EIN VOGEL (Like a bird)ist ein Drachen für den gleichmäßißen Wind. An der See, wo er getestet wurde, liebt er es am meisten, da durch die Weite und das Flache der Wind nicht verstrudelt wird.

like-a-bird5Zum 1. Mal ließ ich den Testassistenten (Finn, 5 Jahre, aus Schwelm)bei 0 – Wind mit dem Drachen laufen (Foto 1 + 6). Dafür ist der LIKE A BIRD nicht gemacht. Man sieht aber, wie schön gerade er aufsteigt – merkst schon, was wohl kommen wird, wenn …

1996 war ich mit dem Kollegen und damaligen Einleinertester von „Sport & Design, drachen“ auf Schier, als Gerd König einen Crossdeck mit Kleinbildkamera und 10-Sekunden-Selbstauslöser in 8 Sekunden bis zum Zenit steigen ließ. Ich sah zum 1. Mal einen Einleiner, der so schnell anstieg und hatte ein „Donnerwetter“ übrig. Die Aufnahmen bekamen wir scharf: in Din-A-4-Größe.

Der 2. Test auf Schiermonnikoog war bei Bft. 2. Der VOGEL steigt, wie ich es in Erinnerung hatte – kerzengerade, was noch durch den 10 m – Schwanz betont wird. Er vibriert nicht, wackelt nicht: wie auf Schienen. Erhaben. Es ist wie ein Miniatureindruck des Tricrossdeck.

Martin Schob erzählt, dass er es früher `mal mit 3 Triton übereinander probiert hatte und auch mit einer 3-Punt-Waage oder mit einem wuchtigeren „Oberkörper“ und langen Spitzen, dazu eine flache Waageeinstellung.. Es wird deutlich: der Crossdeck war und ist ein KLASSIKER, wo jeder gern `mal dran herumtüfftelt, um seine eigenen Erfahrungen zu machen.

Der 3. Test ist bei Bft. 4.5 – 5. Hier ist die Obergrenze errreicht. Die schon angesichelten Leitkanten helfen da auch nicht mehr. Der LIKE A BIRD brummt. Und Kenner wissen: wenn Vögel brummen, dann heißt das SOS.
Vergleich in seiner Kategorie:

Ein Klassiker, wie die CROSSDECK-Reihe sind ihre eigene Kategorie. Sie sind im etwas böigeren Inlandwind leich zickig und verlangen den besonnenen und erfahrenen Einleinerpiloten.

Am Meer sind sie in ihrer Art kaum zu toppen.
Fazit:

Colours in Motion bringt uns in Person von Wolfgang Grimsel einen optisch sehr gelungenen CROSSDECK mit bildschönem Schwanz.

Der Preis von 49,- Euro macht Bluthochdruck bei der Konkurrenz und ist unerreicht. Andere kosten das Doppelte..

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