Lommel 2007

Text von: Matthias Wild
Fotos von: Veronica Schulze, Matthias Wild
Tricksparty

Im Drachenfliegen werden heutzutage immer wildere Tricks geflogen. Und um der mittlerweile großen Gemeinde der Trickflieger gerecht zu werden und für diese auch ein Wettbewerbsformat zu schaffen, entwickelte Roger Tessa Gambassi die Tricksparty.

Die Tricksparty ist ein neues Format, das ergänzend zu dem altbekannten S.T.A.C.K. angeboten wird und das Schwergewicht mehr auf den Tricksektor des Drachenfliegens legt. Der Pilot fliegt in einem Kreis mit einem Durchmesser von 80 Metern. Dabei werden für jeden Piloten zwei Programmpunkte unterschieden: die Pflichttricks und das Ballett (Pflicht und Kür, wie in vielen anderen Sportarten auch.)
Es gibt mittlerweile 47 anerkannte Tricks, die geflogen werden könnten. Diese werden in 5 Gruppen unterteilt. Der Schwierigkeitsgrad der Tricks steigt mit der Höhe der Gruppe an. Aus all` diesen Tricks werden 2 bis 3 Wochen vor dem Wettstreit 8 Tricks ausgewählt, aus denen wiederum 4 am Tag der Tricksparty von den Schiedsrichtern (Judges) ausgewählt werden, die dann in der Kategorie „Pflicht“ geflogen werden.
Für diese Tricks werden von den Judges Punkte vergeben. Dabei wird besonders auf die Schlüsselelemente (Keyelemente) geachtet. Darunter fallen ein sauberer Ein- und Ausflug, eine flache Rotation und Wiederholungszahl bei bestimmten Tricks. Je mehr Keyelemente man erfüllt, umso mehr Punkte werden für einen Trick vergeben. Man hat für jeden Trick 2 Versuche; es zählt jedoch nur ein Versuch, wobei der erste immer zu 100% gewichtet wird und der zweite, wenn er denn besser ist als der erste zu 80%.
Für alle 4 Tricks mit den jeweils 2 Versuchen hat der Pilot 2 Minuten Zeit.
Anschließend wird das Ballett geflogen. Dabei dürfen zwischen 6 und 9 Tricks geflogen werden und man bekommt für die einzelnen Tricks Punkte. Für das Ballett besteht eine Zeitbegrenzung von 3 Minuten. Neben den Punkten für die Tricks beachtet man auch den so genannten Style des Balletts und die damit verbundenen Stylepunkte. Darunter fallen Vielfalt, Risikobereitschaft, Flüssigkeit, künstlerisches Gefühl und die Lesbarkeit. Je besser diese sind, desto mehr Punkte bekommt man.
Am Ende werden die Punkte der Pflichttricks und die des Balletts zusammengezählt, wobei die Pflichttricks 40% der Gesamtpunkte ausmachen und das Ballett 60%.
Aber jetzt zu Lommel…

Lommel, ein kleines Städtchen im Herzen Belgiens,ist nicht nur für seine berühmte Aston-Martin-Teststrecke bekannt, sondern sollte auch jedem Drachenfan bekannt sein. Vor allem, weil dort einmal im Jahr ein Drachenfest zusammen mit einem internationalen Lauf der Tricksparty stattfindet. So auch wieder in diesem Jahr.
Am 28. und 29. Juli hatte der Drachenclub Lommel sein 14. Internationales Lommeler Drachenfest auf dem Clubgelände in Balendijk ausgeschrieben. Zusammen mit der Tricksparty Belgien und der Tricksparty Deutschland, hat die Tricksparty Holland einen internationalen Lauf der Tricksparty veranstaltet. Die Piloten kamen aus Belgien, Holland und Deutschland. Mit einer Teilnehmerzahl von 25 war es wahrscheinlich das größte Tricksparty-Event dieses Jahres. Gestartet wurde Samstag gegen 9.30 Uhr mit dem Pilotsbriefing, bei dem die Anwesenheit aller Teilnehmer geprüft und die Pflichttricks bekannt gegeben wurden. Diese waren der Axel, Rolling Susan, 540-Flatspin und die 2-Punktelandung.
Bei sehr stürmischem, aber trockenem Wetter ging es dann auch direkt los, und alle 25 Teil-nehmer flogen ihre Pflichttricks. Durch die straffe Organisation wurden alle Teilnehmer gegen 12.00 Uhr mit ihren Pflichttricks fertig, und so konnten nach einem kurzen Briefing die Ergebnisse der Pflichttricks veröffentlicht werden.
Anschließend wurden die Balletts geflogen. Bei Windverhältnisse um die 30 km/h war es für die Piloten teilweise sehr schwer, ihre Choreographien umzusetzen, aber trotz des starken Windes gelang es einigen Piloten außerordentlich gut. Nachdem die Balletts alle geflogen wurden und teils mit heftigem Applaus von den angereisten Zuschauern quittiert wurden, ging es ans große Zittern, weil sich nur die 16 besten Piloten für den Lauf am Sonntag qualifizieren konnten. Nach ungefähr einer Stunde des Wartens wurden dann die Ergebnisse veröffentlicht, und vor allem die ersten Plätze der Rangliste waren hart umkämpft. Es qualifizierten sich für den Lauf am Sonntag:
1. Christian Derefat
2. Bjorn Monnich
3. Johannes Schinowski
4. Lars Fakkeldij
5. Christian Stahl
6. Oliver Zierach
7. Wim Smekens
8. Sascha Treder
9. Paul Breddels
10 .Carlo de Rond
11. Matthias Wild
12. Bram Bijlhout
13 .Peter Maternus
14. Julian Engisch
15. Yves Rubenacker
16. Malte Hinz
Diese Piloten mussten den Gewinner der Tricksparty noch unter sich ausmachen. Aus Gründen der Fairness wurde aber nur der Lauf von Samstag für die belgischen, holländischen und deutschen Ranglisten gewertet.
Der Rest des Samstags wurde dann damit verbracht, zu fachsimpeln und ein paar Drachen auszuprobieren. Gegen 18.00 Uhr sorgten dann die Veranstalter des Drachenclubs Lommel für das leibliche Wohl, und es gab neben verschiedensten Salaten, Würstchen, Putenschnitzel auch Schaschlik-Spieße. Alles echt lekker …
Gegen 22.30 Uhr wurde dann eines der Highlights des Festivals, das Feuerwerk, gestartet, und danach saß man noch zusammen vor Wohnwagen oder Zelten und redete über Dies und Das. Der nächste Morgen begann um 8.30 Uhr mit dem Geprassel des Regens auf dem Zelt und die Stimmung wurde nur durch das sehr leckere Frühstück, das der Drachenclub Lommel organisierte, etwas gehoben. Das für 10.00 Uhr geplante Briefing für den weiteren Verlauf der Tricksparty zögerte sich aufgrund des schlechten Wetters immer weiter hinaus, und es kam die Befürchtung auf, dass dieser Lauf wegen des schlechten Wetters abgesagt werden müßte. Gegen 12.00 Uhr kam dann von den Judges die Entwarnung, und los ging es, wobei aus Zeitgründen keine Pflichttricks mehr geflogen wurden, sondern direkt die Balletts der 16 Piloten.
Da der Wind um einiges besser war als am Vortag, konnten einige Piloten ihr komplettes Ballett fast fehlerfrei fliegen, was auch von den Zuschauern durch heftigen Applaus quittiert wurde. Teilweise wurden die spektakulärsten Tricks in den Balletts gezeigt, wobei die Tricks der Gruppe 5 vor allem die Anerkennung bei den anderen Piloten bekamen. Nach einigen wirklich hervorragenden Balletts war dann gegen 14.30 Uhr der letzte Teilnehmer an der Reihe.
Anschließend wurden die Ergebnisse im großen Zelt des Lommeler Drachenclubs unter viel Jubel und Beifall bekannt gegeben. Vor allem die Spitze war hart umkämpft, aber im Endeffekt konnte Christian Derefat an seine Leistung vom Vortag anknüpfen und konnte, nachdem er schon als der „ewige Zweite“ bekannt geworden war, endlich auch einmal den ersten Platz für sich verbuchen. Björn Monich schaffte es, durch 2 fehlerfreie Durchgänge,Christian Stahl auf den dritten Platz zu verweisen und sicherte sich so den zweiten Platz auf dem Siegertreppchen.
Nach der Siegerehrung wurde dann auch noch schnell im Regen das Gruppenfoto gemacht, und anschließend wurde gepackt.
Alles in allem kann man sagen, dass diese Tricksparty und das Drachenfest in Lommel nicht nur für mich ein absolutes Highlight dieses Jahres waren. Trotz des etwas schlechten Wetters kamen, so glaube ich, alle Teilnehmer und auch die Zuschauer auf ihre Kosten und hatten eine Menge Spaß. Wie gesagt, der Wettbewerb heißt Tricksparty und lebt von den Tricks, die geflogen werden, aber auch von dem Spaß und den netten, Leuten, die man immer wieder trifft.
Ein besonderer Dank gilt in diesem Sinne dem Lommeler Drachenclub, der Tricksparty Holland, Belgien und Deutschland und vor allem danke ich allen Teilnehmern, die die durch ihre Anwesenheit und ihr Engagement das Wochenende zu einem Super-Erlebnis werden ließen.

In diesem Sinne….be freestyle
Matthias Wild
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