LUFTSPRÜNGE. One day I fly away. Teil 1

Text von: Jürgen Okrongli
Fotos von: Jürgen Okrongli
Der ORT: Schiermonnikoog. Insel der Niederlande.

MANCHMAL IST ES, ALS WÜRDEN GLEICHGESINNTE VOM HIMMEL FALLEN !.

Es ist Anfang Juli 2007. Ich schleppe „schwere Drachengerätschaft“ mit Buggy vom Strand weg Richtung Dorf. Das ist nichts Neues – das mache ich schon 14 Jahre lang. Sehr gern !

Doch jetzt sollte es anders kommen. Auf dem höchsten Punkt der Dünenkette sitzt ein Ehepaar, das ich kenne. Sie sagt:“ Jürgen, Du könntest meinem Sohn ein paar Tennistipps geben.“

Daraus wurde mehr. Viel mehr.

Thijs van den Berg, der damals 26-jährige Sohn,war auch Kite-Surfer, Buggyfahrer, Landborder, Lenkdrachenflieger, Surfer.. eben alles, was auf einer Insel mit Wind so geht.

Von da an brach ein Ideen- und Handlungsorkan aus: Thijs machte in einem Fahrradverleih der Insel seinen Drachenladen auf (500 000 Besucher pro Jahr auf einer autofreien Insel. Mein Part war es, Kontakte zu deutschen und internationalen Drachenfirmen herzustellen und für die ersten Jahre das Drachenmaterial zu stellen, was sonst ja nur verpackt in meinem „Inselmuseum“schlummerte. Jetzt roch es wieder frische Nordseeluft.
Thijs baute ein Blockhaus, ließ es genehmigen und brachte es mit einem Trecker und Wagen an den Strand. Etwas ganz Besonderes auf einer Insel, die komplett Naturschutzgebiet ist. Es mußten viele Auflagen erfüllt werden. Ein eigenes Konzept wurde entwickelt. Ich fühlte und fühle mich als Berater, Verbindungenknüpfer und Mitarbeiter bei THIJS VLIEGERPARADIJS pudelwohl. War es doch auch immer der Ort, den ich so wahnsinnig finde, wie keinen Zweiten.
Anfang September diesen Jahres sind wir ein paar Tage auf der Insel, um mit der Gemeinde über neue Drachenfluggebiete zu sprechen, was auch im kommenden Jahr sein wird.

UND: Die Mitarbeiter der Firma THIJS VLIEGERPARADIJS haben frei und nutzen diese Zeit, um den Drachensport u.ä. ausgiebig und zu neuen Ufern zu betreiben.

SO ENTSTAND DIESER VIERTEILER, der in seiner Art ganz aus dem Rahmen fällt – im wahrsten Sinne des Wortes.

FOTO: Am Tag zuvor waren Hauchwinde von Bft. 1.5 – 1. Meine Frau Elke, Thijs und Zauberlehrling Tim sitzen auf der Terrasse. Noch ahnt niemand, das schon am nächsten Tag eine neue Drachenfluggeschichte geschrieben wird.

Es ist am kommenden Tag, dem Samstag, Windstärke 8. Nur so zum Scherz holte ich meinen ältesten Großdrachen aus der Tasche. Ein Powerteil für Winde von Bft. 4-5..
Thijs ist Insulaner. Er kennt den Wind. Jeden Tag.

Thijs ist über 1,90 m, schlank, drahtig, um den wirkenden Kräften beim SPRINGEN locker zu begegnen.

Er WILL springen.

Das steht keinen Moment in Frage.

Thijs kennt Luftsprünge vom KITESURFEN. Sie sind über dem Meer. Heute ist es ein Power-Riese von RYLL .. und es ist über Land.

Ganz zu schweigen, dass es in Windstärke 8 ist.
Ich teste seit 14 Jahren Drachen der nationalen und internationalen Szene. Meine Lieblinge fliege ich blind – erkenne ihre Art mit geschlossenen Augen.

Für diesen Tag und für dieses Vorhaben KANN ES NUR EINEN GEBEN: den TRUE 360 aus der Drachenschmiede Michael Ryll.

Ich schrieb 1994 für Sport & Design, drachen den Test: „TRUE love never dies.“

Der TRUE ist ein 3.60 m Powerdrachen bei 1,75 m Höhe, robustes, dickwandiges 10 mm Kohlefasergestänge. Ein liebgewonnenes Arbeitstier. Er zickt nie ! Ich bin mit ihm viele Jahre am Strand von Schiermonnikoog im Buggy on tour gewesen und kenne jeden Atemholer von ihm. Er hängt an nagelneuen 140 Kp-Schnüren von 50 m Länge.

Warum er für dieses Projekt der EINZIGE ist ? Er hat eine sichere Dreiecksform, die trägt, ist nicht zu schnell und nicht zu langsam.Sein Gestänge ist noch hammerschwer, so dass seine Zugkraft in Böen unberechenbar würde.

Zu schnell – würde die Piloten zum wirbelnden Pendel machen. Zu langsam – würde sie längere Strecken tragen, als sie vielleicht wollen – ohne dass sie eine schnelle Korrektur einleiten können.

Er ist einfach der Maßanzug für den 6. September 2008.
Die Vorbereitung für die Sprünge ist das Umgehen mit dem Flieger in 8 mit verschiedenen Methoden:

* über den Strand ziehen lassen
* Buggy fahren

Ich fahre zuerst, weil ich mein Buggy und den TRUE am besten kenne. Heute ist viel los am Strand, da ein Dutzend KITESURFER Publikum angelockt hat und zugleich eine andere Freizeitgruppe Strandspiele in hohen Winden genießt.

Wir finden einen Streifen von 15o m Länge…….. Als Thijs fährt, meldet sein GPS aus dem Stand bis 80 m eine Geschwindigkeit von 85 Km/h. Das sind Werte, mit denen sich was anfangen läßt. Früher sind wir in Bft. 8-9 und kleineren Drachen über den ganzen Strand gefegt……keine Begrenzung. 10 KM fahren, fahren..80 .. 90 Km/h..schnell vorbeiströmender Boden..kein Wind spürbar..nur das Summen der dicken Hinterreifen.

Ein Traum, der kaum zu TOPPEN war. Ich spüre diese Gefühle immer noch knapp unter meiner Haut.
Thijs fliegt ein paar Schlenker.. wird über den Strand gezogen.. geht zurück.

Zauberlehrling TIM hilft ihm, damit er nicht zu früh zu schlappe Arme bekommt UND NATÜRLICH AUS SHOW !

Für Kenner ist zu spüren, dass es kurz vor ZWÖLF ist.

DIE LUFT BRENNT………….ich springe fast mit, so nah geht es mir. GÄNSEHAUT. Oder, wie die Holländer sagen: Hühnerhaut..

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