Martin Schob und Michael Kownatzki playing THE LONG WAY HOME

Text von: Michael Kownatzki, Martin Schob, Stefan Furter, …
Fotos von: Britta Kownatzki
Michael Kownatzki (ohne Hut):“ Auf dem Drachenfest in Brittnau (CH) war ideales Wetter für den LONG WAY HOME: Sonne und fast kein Wind. Es war ein wunderbares Bild, mehrere dieser Drachen in der Luft zu sehen, die, Raubvögeln gleich, ihre Kreise am Himmel drehten. Kein Konkurrenzkampf unter den Piloten – einfach nur gemeinsames Schweben. Es wurde immer später und langsam dunkler. Irgendwann war es zu dunkel für meinen gelben LWH. Ich konnte nicht mehr erkennen, wie er in der Luft lag und mußte landen. Nur nebenan flog ein neongelber, der noch gut zu sehen war. Noch am gleichen Abend bestellte ich einen neongelben LWH. Nun ist mein Drachentag eine halbe Stunde länger, und ich bin ein wenig glücklicher. Diese Drachen sollten nur mit dem Aufdruck:“Vorsicht!!! Der Inhalt dieser Röhre macht süchtig“, verkauft werden. Zu Glück eine Sucht, bei der man die Seele so richtig baumeln lassen kann. Ich gehöre zu den Glücklichen, die 200 m vom Haus entfernt einen Platz zum Feierabendfliegen haben. Bei mehr Zeit geht es zu diesem Lieblingsplatz im Schwarzwald, an dem meine Frau die Bilder aufgenommen hat.
Zum Schluß möchte ich noch Thomas Horvath für die Erfindung dieses genialen Drachens danken, durch den ich viele schöne Drachenstunden hatte und sicher auch noch haben werde.“
Martin Schob, Freiburg („Genialer Erfinder des Trick Tails, Utopia, ..):“Es ist wohl 4-5 Jahre her, als er uns auf irgendeinem kleinen Drachenfest in der Schweiz aufgefallen ist und sofort sympatisch war. Er flog nicht nur einen Prototypen, der in seinen Merkmalen und Eigenschaften seinen heutigen Modellen entsprach, ich kann mich auch an einen komplett durchsichtigen Delta erinnern, mit dem er den größten Spaß hatte, weil man den Drachen ab einer bestimmten Entfernung kaum noch entdecken konnte. Meine bessere Hälfte Claudia hatte sich augenblicklich in diesen „Unsichtbaren“ verliebt, was zur Folge hatte, dass Thomas ihr bei einem späteren Zusammentreffen einen solchen Delta zum Geschenk machte.

Damals wirkte Thomasens Erscheinung (weißes Hemd, dunkle Hose, schicke Schuhe) auf mich etwas ..na, ja..so gar nicht drachenfliegermäßig halt. Heute empfinde ich es allerdings garnicht mehr befremdlich, eher vertraut, einfach horvathtypisch.

Horvathtypisch, das ist ein roter Faden: einfach genial oder genial einfach, klassisch, bewährt, ohne Schnörkel, ohne Schnickschnack, offensichtlich entsprechend dem Motto „form follows function“ (die Form ergibt sich aus der Funktion), frei nach Colin Chapman, hoch kreativ, kein Detail dem Zufall überlassend, mit sehr hohem Anspruch an Material und Ausführung, sowie einem wirklich in sich geschlossenen Gesamteindruck (alles, seine Drachen, das Zubehör, deren Verpackung und natürlich er selbst, haben einen ganz eigenen Stil). Wer sich mit den Augen eines Konstrukteurs seinen Drachen nähert, wird Detaillösungen sehen, die man als „einfach“ bezeichnen kann, und sie sind auch „einfach“, worin ja der Anspruch eines guten Konstrukteurs liegt: einfache Lösungen.

„Einfach“ bedeutet funktionell, zuverlässig, präzise.Hat doch tatsächlich ein Drachenmensch, der meinen LONG WAY HOME auf der Wiese ganz genau unter die Lupe nahm (dank der besten aller Ehefrauen besitze ich seit Weihnachten 2005 sowohl einen LWH als auch den agileren LIKE A ROLLING STONE), eine Beurteilung abgegeben, die ich nur sinngemäß wiedergeben kann:“ He, der isch ja voll eifach gmacht..der hat ja net mol die Verstärkung g`näht un die Spitze het ja net mol e Dasche..isch ja echt nix dran an dem Ding..un dofür will der e Huffe Schotter?!“ Ich spürte nach diesem Kommentar einen gewissen Drang zur rohen Gewalt. Da mein Wesen aber eher friedliebend ist, leinte ich den LONG WAY HOME an und drückte ihm den Drachen mit derLeine in die Hand: „Do..fieg a mol.“ Nach ca. anderthalb Stunden mußte ich ihm den Drachen mit sanfter Gewalt wieder abnehmen, da er nicht mehr aufhören wollte, mit ihm den Himmel zu erkunden. Sein Kommentag:“Man, der liegt abba echt voll gut!“ Mein Kommentag:“Kannste `mal sehen..Dummbatz!“

Thomas Horvath`s Drachen haben ein unglaubliches Finish, d.h. wenn man sich den Drachen im aufgebauten Zustand ansieht, bemerkt man unschwer, wie unglaublich glatt das aus einem Paneel bestehende Segel gespannt ist, keine Welle durch Taschen, keine Falten durch Abspannungen, keine Verdickung der Leitkanten an den Flügelenden. Es ist ein Finish, wie du es suchen kannst! Was glaubst Du, Jürgen, wie lange es dauert, bis Gewichtsverteilung, Waagepunkte und Einstellung, Flügelgeometrie, flexibilität der Bestabung und so weiter, so abgestimmt sind, bis das Teil so an der Leine steigt? Man bemerkte, wie sich beim Hochstart in den Flächen eine starke Schränkung (Nachhintenbiegen der Flügelspitzen) ausbildet und ihn dadurch kerzengerade steigen läßt. Nach dem Erreichen von Höhe (was locker bis zum Scheitelpunkt – also dem Punkt senkrecht über den Piloten geschehen kann, bei locker gelassener Leine, verschwindet die Schränkung fast vollständig, und der Drachen legt sich mit einer ganz leichten V-Form auf die Luft und beginnt seinen majestätischen Gleitflug. Hier beginnt horvathtypisches Fliegen. Das, was für diesen bis dahin unwissenden Menschen „eifach gmacht“ erschien, ist feinste Konstruktion – von der makelosen Ausführung `mal abgesehen. Und man glaubt es kaum: nach meinen Ausführungen kam der „Dummbatz“ sogar von selbst zu der Erkenntnis, dass ein Nähen der Mittelverstärkung doch wohl nicht nötig wäre, da das ja ein Drachen für „faschd koi wind“ wäre und der „Klääber“ wohl recht gut „klääbe dääd“. Na, ja..“erschd gugge, dann denge, dann schwätze“, gell?

Lieber Jürgen,
Deinen Test des LONG WAY HOME habe ich gelesen, genossen und herzlich über Deine zwischenmenschlichen Ausführungen gelacht. Dennoch kann ich mir eine Bemerkung nicht verkneifen: ich lach` mich krumm, wenn ich mir vorstelle, wie Du versuchen wirst diesen „Freiflieger“ an einer kurzen Leine mit einer Angelrute zu fliegen. Haha..kannst ihn vielleicht hängen lassen, aber Fliegen wirst Du das möglicherweise nicht nennen können. Meine Erfahrung mit dem Teilchen ist:“Verflixt! Schon wieder das Ende der Leine! 100 m ist `grad `mal nix.“ Horvaths Geschöpfe wollen gleiten, erkunden, auf der Stelle wenden und in 50 m Entfernung und 20 cm über dem Boden Deinen Adrenalinspiegel heben, gegen den (superleichten) Wind segeln, Dich die Zeit vergessen lassen und dafür sorgen, dass Dir Deine Frau keinen Nachtisch serviert. Herrlich..nicht wahr?“

Stefan Furter, Schweiz (Europameister 2006, Lenkdrachen): „Eigentlich sehe ich mich eher als 2-Leiner-Pilot in der Drachenszene, denn als 1-Leiner-User. Der LONG WAY HOME ist jedoch für mich eine Ergänzung zu meinen 2-Leinern im 0-Wind-Bereich. In diesem Windbereich machen mir die Gleiter persönlich einfach mehr Spaß, als meine übrigen Drachen. Was mich besonders fasziniert, sind die langen Gleitflüge., die jeder Zeit kontrolliert werden können.
Der Kontrast zu allen anderen Drachen: die neuen Flugeigenschaften, die ich vorher noch nicht von Drachen kannte, beeindrucken mich.“
Erhard Kunzelmann, 72119 Ammerbruch:

„Drachenfest Gerstetten 2004. Winfried, Veronica und ich wollen am Abend zu unseren Autos, um nach Hause zu fahren. Der Vollmond geht hinter einem Waldstück auf, alles ist in bleiches Mondlicht getaucht, ein kaum spürbarer Windhauch in der Luft.

Auf einmal sehen wir vor uns einen Drachen, den wir so noch nie gesehen haben. Mit einer Leichtigkeit ohnegleichen fliegt er durch die Luft, überfliegt den Menschen, der am unteren Ende der Leine steht, fliegt mit dem Wind zurück, um dasselbe Spiel zu wiederholen. Minutenlang schauen wir dem faszinierenden Spiel zu, vergessen die Zeit. Als der Drachen dann landet, machen wir uns schlau. Roby Stolz aus der Schweiz, dem der Drachen gehört, klärt uns auf, dass dieses Teil aus der Schweiz kommt, von Thomas Horvath gebaut wird und THE LONG WAY HOME heißt.

In Bad Buchau, im Jahr 2005, treffen wir Roby wieder. Dieses Mal darf ich den LWH selber fliegen, und mir wird klar: dieses Teil mußt Du haben! Als Roby mir den Preis verrät, werde ich blass. Er meinte nur:“Was nützt dir das Geld auf dem Konto, wenn du keinen Spaß im Leben hast?“ Am Montag rufe ich Thomas an. Er bietet mir sofort das „Du“ an, weil man dann besser miteinander reden kann. Wir vereinbaren, dass er nach Malmsheim kommt und mir den Drachen mitbringt.

Endlich Drachenfest Malmsheim! Ich schaue mir die Augen nach Thomas aus (ich kenne ihn ja nicht). Dann sehe ich auf der anderen Seite des Platzes einen LWH fliegen. Das muss Thomas sein! Und tatsächlich: er ist es, und ich bin endlich Besitzer eines Suchtmittels, das nicht verboten ist aber sehr schnell und auf Dauer süchtig macht. Die Faszination an diesem Drachen ist nicht nur geblieben, sie wird immer größer. Meiner Meinung nach ist dieser Drachen auch als Therapie für Leute zu sehen, die zur Ruhe kommen wollen. Nach einem hektischen Tag gibt es nichts schöneres, als mit ihm auf die Wiese zu gehen und zu spielen. Alles fällt von einem ab.

Meine Begeisterung für die Drachen von Thomas ist so groß, dass ich mir in der Zwischenzeit alle seine Modelle zugelegt habe. Auf Fanö habe ich mir einen kapitalen Sonnenbrand zugezogen, weil ich bei dem Spiel mit dem Wind alles um mich herum vergessen habe.
Text bleibt offen für noch kommende LWH-Beiträge.
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