MATADOR – Mächtiger Flügel

Text von: Jürgen Okrongli
Fotos von: Jürgen Okrongli

Hersteller SPACE KITES, Michael Tiedtke

Spannweite 4.00 m

Höhe 1.65 m

Stäbe 10/ 12 mm Kohle; 6 mm blaue Glasfiber

Tuch Porcher Marine

Gewicht 1 300 g

Empf. Schnüre 70 – 180 Kp / 40 – 50 m

Packmaß 1,45 m gemufft / 2,55 m in langer Tasche

Windbereich Bft. 0.3 – 5+

Preis 399,- Euro

Bezug www.spacekites.de

Das Design des MATADOR ist das Design des Tauros. Ein Design des Torero wird auch dieses Design sein. Aufwendig. 34 Paneele beim MATADOR.

Es stammt noch aus der Zeichenfeder des Tiedtke Sohns STEPHAN. Der baute danach sein Abi, ist jetzt im Praktikum in der Kunsthalle Emden und plant, Grafik & Design zu studieren. Oh ! Ob der Vater da irgendeinen Einfluss hatte ? Und die Mutter – die seit vielen Jahren sehr kreativ auf den Inseln arbeitet ?

Auf jeden Fall hat Michael Tiedtke seit einiger Zeit auch sein Herz den Großdrachen (den RIESEN) geliehen. Gut so ! Das wird so manchem Riesenbändiger sehr entgegenkommen, ist doch die Auswahl in diesem Segment eher gering und die Qualität nicht der Größe angemessen. Große Flieger sind großen Kräften ausgesetzt. Hier MUSS bestes Material her, um Piloten und Drachen nicht zu Schaden kommen zu lassen. Erster Eindruck:

Der aufgebaute MATADOR wirkt nicht mehr ganz wie ein Lenkdrachen – eher wie ein Fluggerät aus einem teuren Technikbausatz oder doch aus einer anderen Welt.

Alle Elemente des 4 m – RIESEN sind gigantisch. Er hat 6 mm Flügelstabilisatoren, aus denen andere ihre Querspreizen bauen. Er hat 12 mm Verbinder in denen Kinderfinger Versteck spielen können, eine Nasenverstärkung als wolle er gegen die Klitschkos antreten.

Meine Frau kommt gerade in den Hof. Wenn sie nichts sagt, heißt das:“Du wirst nie vernünftig.“ Sie geht. Schweigend. Hat sie Angst um mich ? Ich habe bislang mit einer Kompanie RIESEN gerungen, das ist meine Passion, geächzt, sie mit den Augen gestreichelt, sie bewundert, geachtet, sie verflucht (wenig). UND..ich lebe! Ich lebe gut ! Schmunzle. Es gibt Nischen, in denen ich bekloppt und unvernünftig bleiben möchte, bis der Puls schweigt.

Jetzt im Moment schlägt er – wie bekloppt. Ich kann es kaum erwarten.. Verarbeitung:

Als Sohn Stephan Tiedtke das Design entwarf, schaute er nicht darauf, dass 34 Paneele den Vater arg ins Schwitzen bringen würden. Der bot dann auch noch 4 Farbvarianten an. Was sehnt das Pilotenherz mehr ?

Neben dem Schweiß des Vaters entstand aber ein Segel, das auf einem 4 m Riesen seinesgleichen sucht. Diese Mühe macht sich heute keiner mehr außer Michael Tiedtke, der für seine Designs schon Preise eingefahren hat.

Hinzu kommt, dass der Drachen in doppelter Kappnaht genäht ist. Wer selber Drachensegel genäht hat, die sehr viele Paneele hatten und dass auch noch in der besagten Kappnaht weiß, dass man da gewaltig den Überblick behalten muss, damit alles aufgeht und exakt bleibt. DAFÜR EIN GROSSES LOB !

Erstaunlich auch, dass dieser RIESE nur 2 Stand Offs hat plus 2 blaue Spreizen für die „Flügellappen“. Die eingelegte Saumschnur wird durch die Flügellappen im Flugdruck gespannt und schafft so eine harte Saumkante und fast geräuschlosen Flug. Dieses Prinzip tauchte auch bei den RIESEN von Michael Ryll auf und hat sich sehr bewährt.

Die zusätzlichen Waageabspannungen zwischen oberen und unteren Querspreizen auf den Leitkanten verhindern das zu schnelle Durchbiegen der Leitkanten und lassen Flüge in höheren Winden zu. Zudem bleibt der Flieger mehr in Form und das Flugverhalten einschätzbar. Die 4 Knotenwaage an den oberen Verbindern sollte um einen Leichtwindknoten ergänzt werden – dann geschieht etwas UNFASSBARES mit dem 1,3 KG – RIESEN.

Der MATADOR ist fast ein Kunstobjekt. Es ist gut denkbar, ihn in einer Kunstausstellung stehen zu sehen, so edel ist er anzusehen.

Ein BRAVO geht an die kurzzeitige Father & Son Company. Diese Arbeit ist jeden Cent der 399,- Euro wert.

Flugeigenschaften:

Der MATADOR ist ein typischer Vertreter der Abteilung GROSSER FLÜGEL. Er sieht wegen seiner relativ geringen Höhe von 1,65 m so aus und fliegt sich auch so.

In den anfangenden 90er Jahren kam ein anderer GROSSER FLÜGEL aus den USA nach Europa: der FORCE 10 mit seinen 4.60 m Spannweite. In meinen Wünschen und meinem Sehnen hatte er schon gigantische Ausmaße angenommen, als ich ihn zum 1. Mal bei der Deutschen Meisterschaft in Paderborn zum Start aufgebaut stehen sah. Irgendwie war mir die Phantasie durchgegangen. Der Pilot startete mit einem Umlenksystem der Urzeit auf einem Arschleder. Ich sah ihn schon mit umgedrehten Beinen nach dem Notarzt rufen – als er startete. Dabei wurde er gerade einmal in den kleinen Tippelschritt gezogen. Ich war enttäuscht.

Ich hatte mich schon auf Blut vorbereitet. Nix !

Damals begann meine Suche in der Großdrachen- und RIESENwelt. Heute bin ich fast alle Modelle von 1990 an geflogen – ich blute nicht (mehr).

UND da steht wieder so einer. VIER METER ! Da fragen die Zuschauer gern `mal, was der so macht. Ich erzähle dann ganz leise schaurige Geschichten. ALLE haben es mir immer geglaubt. Ich habe viel gelogen (aber niemals in meinen Tests).

Jetzt kommt die Wahrheit über den FLUG DES MATADORs.

RIESEN startet man anders, Riesen fliegen an anderen Schnüren, sie benötigen andere Logik, andere Impulse, andere Aufmerksamkeiten. Fehler haben größere Folgen.

Der MATADOR schweift geräuschlos wie ein Weißkopfadler. Seine 1.65 m Höhe und 2.55 m Flügellänge (Leitkanten)lassen ihn spurtreu fliegen, was typisch für „FLÜGEL“ ist. Aber schon bei der Drehfreudigkeit sind normalerweise FLÜGEL den anderen Großdrachen (mit mehr Höhe) unterlegen. Anders beim MATADOR. Er ist trotz seiner 4 m (!) SEHR drehfreudig.

Der absolute Knaller ist, dass der Drachen mit einem zusätzlichen Leichtwindknoten direkt an den oberen Verbindern ausgestattet, einem Leichtwinddrachen von 170 g und 2.30 m Spannweite die Show gestohlen hat. Der 1.3 Kg MATADOR flog harmonischer und beständiger ohne Pumpversuche. Wir maßen Bft 0.3 (!) Sensationell ! Michael Tiedtke wollte es nicht glauben. Ich wählte eine 40 m / 70 Kp – Schnur.
Freund und Kite-Tests – Mitarbeiter THIJS VAN DEN BERG nahm mit mir den MATADOR sofort an einem Hauchwindtag in seine Flugschule auf http://www.thijsvliegerparadijs.nl/
Der Vorteil: auch bei sehr wenig Wind macht ein 4 m Drachen einen mächtigeren Eindruck als ein Erbsendrachen. Fazit: dieser Drachen wurde ad hoc zu unserem Hauchwindschulungsdrachen. Das hat er jetzt davon !

Für alle höheren Windbereiche bis ca. Bft 4.5 ist eine 50 m / 140 Kp – Schnur der ideale Allroundertipp. Wer in höhere Winde möchte oder Gespann fliegt, kann bis 180 Kp aufstocken. Großdrachen und RIESEN brauchen in der Regel nicht diese schnurmäßig sensible Kilopondabstufung wie ihre empfindlicheren Kleinbrüder. Die meisten Großdrachen fliege ich mit 140/150 Kp – Schnüren. Nur, wenn Luftakrobatik angesagt ist, nehmen wir neue 180er.

Der MATADOR bleibt auch in höheren Winden seinem Charakter treu. Es gibt da keine unangenehmen Überraschungen – das wäre auch schlecht, bei 4 m Spannweite. Wer einem Extrem-Power-Drachen erwartet, liegt knapp daneben – aber eben daneben. Er ist als Einzeldrachen eher der bezaubernde RIESE mit einem himmelbetörenden Design. Er kann Bft. 6 – wäre meiner Meinung nach wegen seines Charakters ein Stilbruch. 2 x ist mir auf komische Art und Weise am Boden eine untere Querspreize im Verbinder gebrochen. My fault. Aber – diese Stelle ist nicht unterfüttert und wird so schnell zur Sollbruchstelle. Michael Tiedtke wird diesen Erkenntnissen Rechnung tragen und eine 9 mm Hülse (wegen der Dickwandigkeit der 12er-Stange)in den nächsten Modellen einarbeiten. Dann ist er PERFEKT.

Das ideale Wetter: Sonne – schönes Licht – Bft. 1.5 – 2 – publikumverzauberndes Schönfliegen ist angesagt.

Unter STORIES / Faszination im Gespann: Tauros & Matador lesen Sie, was passiert, wenn man diese Drachen zum Gespann macht. Es geschieht eine Verwandlung (vielleicht vorher noch in der Rubrik TESTS / Stabdrachen / Power unter Tauros nachlesen).
Da treffen 2 verschiedene Charaktere zusammen und bilden 1 Team…

Der „kleine“ 2.60er, quirlig, schnell, ein Power“zwerg“ und dann der deutlich behäbigere und dennoch drehfreudige Gigant. Beide aus einem Stall – von einem Herrn gefüttert.

Das Gespann überrascht mich und die anderen Lehrer der Flugschule, weil es schon ab Bft. 1,5 die Vorstellungswelt auf den Kopf stellt. Neben uns hören wir vor dem Start von Strandgängern die Frage, ob den der Wind ausreiche.. ? Ich starte und werde in leichtem Dauerlauftempo an ihnen vorbei gezogen. OHNE WORTE war dieses Mal die Antwort. Das sieht ein niederländisches Fernsehteam und läßt sich die Aufnahmen nicht entgehen (siehe auch unter STORIES).

Der „Kleine“ (Tauros) treibt das Gespann an und gibt Power; der „Große“ (Matador) verleiht ihm Spurtreue und gibt ebenfalls Power dazu. Kein Wunder! Es ist, als ob ein Flugzeug einen hinter sich her zieht. Absolut gewaltig! Neue Dimensionen für den Buggybereich mit Stabdrachen bei Wenigwind eröffnen sich.

Diese beiden im Doppelpack eröffnen eine Vielzahl von Drachenwelten und bieten STAUNEN PUR.

Vergleich in seiner Kategorie:

Der MATADOR ist als 4 m RIESE der SCHÖNSTE seiner Klasse und gibt genügend Raum, seine Schönheit auch in Schönfliegen umzusetzen. Er ist GROSS, aber deswegen noch kein Typ, der nur POWERT. Da gibt es andere, die sich nur diesem Sektor verschrieben haben. Wie immer hat Michael Tiedtke seinem Ruf, der König der Allrounder zu sein, alle Ehre gemacht.

Im Gespann ist das anders. Da ist es nur die Frage, wie schnell man gerade über den Boden gezogen wird. Hier werden die bedient, die längere Arme als Beine haben möchten. Fazit:

In meinem Hangar stehen der TAUROS und der MATADOR. Das halte ich für die klügste Entscheidung..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *