No Mercy – Mr. Kachelmann

Text von: Jürgen Okrongli
Fotos von: jo

Spannweite 280 cm

Standhöhe 14o cm

Gewicht 615 g

Windbereich in Bft. 1 – 6

Preis in € 264,95

Hersteller SCIROCCO KITES . Matthias Franke . Büttner Str. 17 in 21339 Lüneburg . Fon o179-24o-7244

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Ein Drachen mit dem Namen KEINE GNADE, wird nicht die Zielgruppe der Übermbodenschweber haben. Das hört sich für mich schon recht spannend an, was SCIROCCO KITES, d.h. Matthias Franke, da verspricht. Ein 2,80m-Bursche gehört nicht zu d e r Größenordnung, die normalerweise mit der Gerinnung meines Bluts spielt – eher lockt sie ein mitleidiges Schmunzeln 🙂 He, Mr. Kachelmann, come on. Erster Eindruck:

Wir befinden uns in der Kategorie: POWER. Und das denkt man sich auch sofort bei dem Drachen. Seine Form und seine Größe versprechen Druckaufbau durch Speed. 12 Paneele aus festem Tuch, solider Verarbeitung, Mylarverstärkungen, 8er und 10er – Gestänge heißen die willkommen, die selber KEINE GNADE kennen. Willkommen im Power – Camp! Verarbeitung:

Sein Body erinnert an vergangene Jahre, bestückt mit Materialien aus dem Jahr 2004. Zusammen gehalten durch Segelmachernähte, keine Saumschnur, aber doppelte Nahtverstärkung der Saumkante. Die APA- Verbinder werden demnächst durch KERSCH-Verbinder ausgetauscht. Eine sehr spitze Nase lässt Präzision erwarten. Die Flügelenden solide und stabil und großzügig durch Mylar verstärkt. Der untere Bereich unter den Mittelkreuz ausgiebig mit Dacron verstärkt. Eine zusätzliche Waageschnur sorgt für Leitkantenstabilisierung in höheren Winden, wenn die Stunde der Wahrheit kommt. Die Stand-Off-Aufnahme am Flügelende sollte neumoderner und pfiffig gelöst werden – Space Kites hat da beim Explosion eine neue Lösung gefunden. Michael Ryll war immer gut für Innovationen. Wenn Matthias Franke also ins Oberhaus möchte, gehört zum Regelwerk: Innovationen in Details. Frage für mich ist aber, ob Matthias Franke das überhaupt will ? Ich habe einige seiner Drachen getestet. Sie haben alle einen klassisch – schlichten Schnitt, verzichten auf spektakuläre Detaillösungen und fliegen wie bekloppt. Auch ein Weg. Ein eigener! Da ich als Größerdrachenliebhaber gern auch wertigere Drachentaschen zum Flieger hätte.. die kosten ja selber auch schon einige Euros.. wünsche ich mir zum NO MERCY eine Tasche aus Taschenmaterial, Trageriemen, größer, als für einen Drachen, ein Fach für Schnüre und wattierte Handschlaufen. Wäre ich bereit, im Zubehör zu kaufen. Flugeigenschaften:

In den unteren Windbereichen von Bft. 1 – 3 ist der Powerdrachen noch getarnt (Einstellung flach + Mittel). Es gelingt sogar der ein oder andere Trick – wofür er nun wirklich nicht gedacht ist. In der Bodentrickarbeit verfangen sich auch die Waageschnüre am unteren Kielstab. Zuschauer bewundern seinen lautlosen, präzisen Flug und seine Drehfreudigkeit in den Loopings. Dem Besitzer des NO MERCY entlockt das ein verschmitztes Lächeln. Er kennt ja seinen Burschen und weiß, dass der gerade sein Kann – kein – Wässerchen –trüben – Gesicht zeigt. In diesem Windbereich empfehle ich 80/90 Kp – Schnüre, die eine Länge von 35m (+) brauchen, um die Größe gut an den Himmel zu bringen. Hier zeigt sich aber schon ganz deutlich 1 Charakterzug des NO MERCY: er schreit förmlich danach, zum Gespann erweitert zu werden. Sein ganzer Körper, die Schnelligkeit, die Präzision sind dafür ideal geeignet. Schönen Gruß an www.powerkiting.de
Ab Bft. 3.5 beginnt der NO MERCY langsam damit, seine und meine Muskeln spielen zu lassen. Jetzt bitte unbedingt 90 Kp – Schnüre fliegen, sonst … Ich habe den Burschen auf dem vorletzten Waageknoten, kann aber nicht mehr stehen bleiben. Die Loops knallen sehr eng. Donnerwetter! Das Flugbild ist friesisch klar, wie der Eichstrich auf einem Korn. Präzision: Höchstnote. Windfensterstand: Höchstnote. Axel am Rand noch möglich! Wenn man sich die Größenvariationen beim „Pure“ oder „S – Kite“ , weiß man, hier ist noch weit mehr als 2,82 m drin.
Bei Bft. 4 – 4.5 bitte auf andere Schnüre umsteigen: 40 m / 130 Kp, und Ihr seid damit auf der richtigen Seite. Der Drachen bewegt sich schnell. Er hat Temperament – powert optimal..
Bft. 4.5 – 6: der NO MERCY ist jetzt nur noch „Spaß“ für erfahrene Piloten, die Power und Speed gut koordinieren können. Dabei bleibt er aber ein lupenrein zu fliegender Power-Halbspeeddrachen. Er zickt nicht, sorgt für konstanten Druckaufbau in seinem Körper und in dem des Piloten. Bei Bft. 6 wurde der Test beendet.
Grenzerfahrungen sind es, zu denen man mit dem NO MERCY gelangt.
Es ist, gemessen an den wiederholbaren Grenzerfahrungen, ein kleiner Preis, den man für den NO MERCY bezahlen muss. Ein Katapult in eine Zwischenwelt. F a s z i n i e r e n d .

Vergleich in seiner Kategorie:

Bis jetzt: etwas weniger Zug, als ein S – Kite seiner Größe – aber ein Mehr an Präzision und Standing in Problemzonen (Windfensterrand). Etwas mehr Zug und Präzision zwischen Bft. 3.5 und 4.5 als der Pure, der aber auch kleiner ist. Dafür hat der Pure Öffnungen zum Trickflug und ist im Allroundhandling der Meister. Fazit:

Eine Bereicherung des Drachenhimmels. Hervorragendes Drachenhandwerk. Bestechendes Flugbild. Sehr geeignet zum Muskelaufbautraining. Für POWER–Kiter eine weitere Ausbeulung in der Drachentasche..

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