SWALLOW 150 – „Die Schwalbe“: der finnisch-deutsche Edelflieger

Text von: Thomas Müller / Matthias Wild
Fotos von: Thomas Müller (orange4you)

Hersteller www.windFACTORY.de

Spannweite 2.40 m

Höhe 96 cm

Segel Icarex pc 31

Gestänge Leitkante P 300 / QS 5 PT

Gewicht 287 g (+ 2×10 g Tuning/20 g Klett)

Windbereich in Bft. 0.5 – 4+

Schnüre ab 30 m – 50 Kp

Preis in Euro 245,-

Bezug www.windFACTORY.de

WINDFACTORY: Ein neuer onlineshop/ Hersteller, der sich zur Aufgabe gemacht hat, edle Drachen zu vertreiben.
Er bietet talentierten Drachenbauern die Möglichkeit, ihre Eigenentwicklungen auf den Markt zu bringen.

So kam die SWALLOW 150 zu uns. Erster Eindruck:

Schon unaufgebaut fällt die perfekt gearbeitete Nase auf. Das Material scheint neu zu sein.
Sehr interessante Details. Das Design besticht durch seine klaren Linien und gut gewählten Grundfarben. Im Licht gibt es dem Drachen Tiefe. Ich bin `mal gespannt, ob damit optische Irritationen beim Wickeln vermieden werden.
Der Testdrachen ist so neu, dass er ohne Tasche bei mir ankommt. Geplant ist ein Köcher mit Gaze-Ventilierung + Fach für ein Leinenset. Dem Drachen liegt eine fieldcart bei, die in ihrer Aufmachung ihres Gleichen sucht.
Die SWALLOW 150 hat ein Echtheitszertifikat im Gepäck – absolut edel. Verarbeitung:

10 allesamt rund geschnittene Paneele sind im >doubloTac< verklebt und mittels Segelmachernaht vernäht. Das Highlight ist sicher die Nase, welche aus >Impact Nose Protect<, einem faserverstärkten Material gearbeitet ist. Der Übergang von der Nase zur Dacron-Leitkantentasche ist kantenlos verschmolzen. Hier ist ein nachträgliches Tapen nicht mehr notwendig. Ein weiteres Highlight bildet die Mittelnaht. Diese ist mit faserverstärktem Klebe-Mylar versehen und 3-fach genäht. Als Scheuerschutz der oberen QS dient nahezu unsichtbar eingearbeitetes Taber-Band. Wie in seiner Klasse üblich, sind die Querspreizenverbinder (APA) abgedeckt. Hierzu sind die Leitkanten nicht einfach nur ausgeschnitten, sondern an allen reißrelevanten Stellen vernäht. Die Saumkante ist komplett in Saumband gefasst. Die Standoffhalter sind auf der Rückseite mit Dacron überdeckt. Die Saumschnur wird vom Kielstab zum Mittelkreuz geführt und läßt sich dort per Schiebeknoten stufenlos spannen. Alle technischen Details, wie z.B. doppelte Mittelkreuzverstärkung, Stab-Bruchverstärkung usw. sind da und gehören in dieser Klasse zum Standard. Diese wären bei der SWALLOW 150 alle erfüllt. Einzig zu erwähnendes Detail sind die Stabendkappen von Delrin, welche ähnlich der Fallenklemmen aus dem Segelsport, knotenloses Spannen der Leitkante zulassen. Flugeigenschaften: Egal ob mit oder ohne Klettgewicht (20 g im Heck), ist die SWALLOW 150 ab 3 km/h mittels sanften Pumpens fliegbar. Besser reagiert sie auch Rückwärtsgehen. Hartes Pumpen mag sie nicht (mit Klettgewicht legt sie sich dann gerne in den Backflip). Ab 5 km/h beginnt die SWALLOW 150 dann selbständig zu fliegen. Ihr idealer Windbereich liegt zwischen 5 und 12 km/h. Bis 18 km/h läßt sie sich, Laufarbeit vorausgesetzt, noch gut tricksen. Ab 25 km/h ist dann langsam Schluß. 33 km/h Böen (gemessen mit dem Windmaster II) überlebt sie, meldet aber deutlich, dass die Grenze erreicht ist. Die Waage der SWALLOW 150 läßt sich über Knoten leicht von Dreipunkt- auf Turbowaage umstellen. Ich fliege sie lieber mit der Dreipunktwaage. Die Turboeinstellung ist mir zu "schwammig". Im Heck hat die SWALLOW 150 zwei x 10 g Messingrohrgewichte, deren Position, mittels Hülsen, verschoben werden kann. In diesem Setup, Dreipunktwaage 2 x 10 g tief im Heck, fliegt die SWALLOW 150 sehr präzise und vor allem sehr elegant. Alle Bauchtricks können in Zeitlupe tellerflach geflogen werden. Das ganze Flugbild und die edle Optik der SWALLOW 150, strahlen Ruhe und Eleganz aus. An 45 m Leinen, kurz über der Grasnarbe, schnurgerade quer durchs Windfenster, und dann eine saubere Slottmachine..tellerflach, genial. Saubere Axelkaskaden ohne Ende. FlicFlacs ohne großen Höhenverlust. Jacobsladder macht sie in diesem Setup sehr elegant, braucht aber Fingerspitzengefühl vom Piloten. Im Fade schaukelt sie sich, an den langen Leinen, bei böigem Wind gerne auf. Zu Backspin bedarf es daher eines präzisen ersten Impulses. Einwickeln geht auch an den langen Leinen ohne Zusatzgewicht als 1 und 2 pop move. Fliegt man die SWALLOW 150 an 30 m Leinen mit dem 20 g Klettgewicht zusätzlich im Heck, liegt sie wie angenagelt im Fade und trotzdem tief im Backflip. In diesem Setup mutiert sie, hart geflogen, zur "Backspinsau". Einwickeln wird einfach und sauber. In diesem Setup entwickelt sie ihr volles Trickpotential: alles ist machbar! Die >Old School Moves< brauchen jetzt zwar mehr Fingerspitzengefühl, machen aber immer noch viel Spaß und bleiben elegant. Einzig die Axelkaskade leidet in diesem Setup: schaukelt sie sich doch, durch das Zusatzgewicht, leicht auf. Geraden 8 Ecken 8 Loops 8 Axel 9 Kaskade 8 (mit Zusatzgewicht 5) Slotmachine 8 540er 8 Axel to fade 9 Fade 8 (mit Zusatzgewicht 9) Backspin 8 (mit Zusatzgewicht 10) Backflip 9 Comet 7 Jacobs Ladder 9 Wickeln allgemein 7 (mit Zusatzgewicht 10) Auch dieses Mal habe ich mir beim Testfliegen einen erfahrenen Piloten, Matthias Wild (mwraver), an die Seite geholt. Die Punkte sind das Mittel unserer Beurteilung. Sein Kurzbericht zur SWALLOW 150: "Die SWALLOW 150 ist ein sehr edler High-End-Drachen, der dem Piloten nach einer kurzen Eingewöhnungsphase eine sehr große Palette an Tricks ermöglicht. Alle axelbasierenden Tricks setzt die SWALLOW 150 flach und sauber in Szene. Auch die neuen Tricks, wie JoJo, Wrapdowap und Comet sind keine Schwierigkeiten für diesen Drachen. Besonders sticht hervor, dass der Kite sehr einfach und elegant einwickelt. Sowohl Ein-Pop- wie auch Zwei-Pop-YoYos sind ohne große Mühe möglich." Vergleich in seiner Kategorie: In der Klasse der Edeldrachen braucht die SWALLOW 150 keinen Vergleich zu scheuen. In Verarbeitung und Detaillösungen liegt sie ganz weit vorn. Beim Flugverhalten fällt sie durch ihr ruhiges und elegantes Flugbild auf. Fazit: Dem alten Smoth-flyer in mir geht ein Herz auf, kann man diesen Kite doch herrlich an langen Leinen chillen - aber auch alle neuen moves fliegen und lernen. Der Vollbluttrickser wird seine wahre Freude an ihr haben, aber schnell merken, dass ihn die SWALLOW 150 gern dazu verleitet, die moves definierter, ruhiger, schöner zu fliegen ohne langweilig zu sein. Das Preis-Leistungsverhältnis ist bezüglich der Flugeigenschaften GUT - seitens der Verarbeitung SEHR GUT. Und: ..man muss die SWALLOW 150 nicht mit "Sie" anreden - man kann - und bekommt es mit Eleganz gedankt..

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