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Der unsterbliche ERSTE Lenkdrachen

PP1Text von: Jürgen Okrongli
Fotos von: verschiedene
Es ist ein sonniger Herbsttag des Jahres 1971. Der Wind streicht über englische Hügellandschaften. „Gerade richtig,“ denkt Peter Powell, der Engländer,“um den Eddy steigen zu lassen.“ Der Eddy, das ist der moderne Name für den Windvogel der 50er Jahre. Da der Eddy irgendwie die Form eines geschliffenen Diamanten hat, nennt Peter ihn auch so: DIAMOND.

Wie immer, ist Peter Powell, im Anzug gekleidet und bleibt es auch beim Drachensteigen. Er findet, was man auch tut, solle man mit Sinnlichkeit, Verstand und Stil tun.

Heute, so spürt er, ist es aber irgendwie anders. Die Winde sind böiger, Windlöcher entstehen – nicht eben das ideale Drachenwetter. So kommt es, dass sein Eddy immer `mal wieder in Schieflage gerät und „abschmiert“.

Aber. Oh Wunder. Herr Powell ärgert sich nicht. Er grübelt.
Sein Gehirn arbeitet. Er hat eine Schnur dabei. Knüpft etwas geheimnisvoll hier und da – knotet.. Der Drachen steigt.
Und fällt zur anderen Seite. Hätte man ihn beobachtet, hätte man ein Schmunzeln auf seinen Lippen gelesen.
Herr Powell geht zügigen Schrittes nach Hause – an seinen Schreibtisch. Zeichnet. Rechnet. Schneidet Packpapier. Zeichnet wieder, radiert. Rechnet.. Fertig.
Der Entwurf des später ERSTEN LENKDRACHENS MIT GROSSEM RUHM ist vollbracht.
1972 erscheint weltweit der ERSTE LENKDRACHEN mit dem Namen PETER POWELL DIAMOND mit einer Spannweite von 1,17 m und einer Länge von 1,22 m. Die Stangen sind anfangs noch aus Bambus, dann aus Aluröhren und später aus Glasfiber. Schon damals war der 30 m lange Röhrenschwanz fast das 7. Weltwunder.

 

 

 

 

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Der „lenkbare Diamant“ sorgte in England für Histerie. Zeitungen schrieben vom „..größten Infarkt der Drachenszene.“ 1976 waren die Hügel Englands übersät von Lenkdrachenfliegern. Alles entwickelte sich in Richtung Chaos. Getoppt wurde es noch, als Peter Powell für seinen Drachen den nationalen Preis BRITISH TOY OF THE YEAR 1976 bekam (Englisches Spielzeug des Jahres 1976).

1979 schaltete sich die Regierung ein. Es wurden Kampagnen gefahren, die die Angst vor dem Lenkdrachenfliegen schürten: Gefahren bei Gewittern u.ä.

So steil wie der Aufstieg Peter Powells war, so Ikarus gleich stürzte er in den Abgrund: die Panikmache zeigte massive Folgen. Bis ins Mark tief enttäuscht, verbrannte er seine Aufzeichnungen, Unterlagen aller Art, Prototypen und ging in die USA. Dort lebte er zurückgezogen für sich.

Doch sein Drachen, die Art der Waage, die Einfachheit, das faszinierende Flugbild von Drachenketten, all` das war nicht mehr auslöschbar – hatte sich in die Köpfe der Menschen gebrannt. Solch` eine Begeisterung, die Menschen beim Fliegen seiner Drachen zeigten, solch` eine Begeisterung ist wie ein unlöschbares Feuer: es kann `mal kleiner brennen, geht aber niemals aus. Dafür ist diese Erfindung zu genial, hat zu viele Menschen mitgerissen, fasziniert – zum Träumen gebracht, zu Malern am Himmel.

Dieser Drachen zog fortan 1 x um die Welt. In vielen Ländern unserer Erde wurde er gebaut. Heute noch gibt es von der PETER POWELL ART mehr Drachendesign in den USA, als von jedem anderen, außer dem Eddy. Der ist aber ein Einleiner.
In den heutigen Tagen, ganz aktuell, wird der PETER POWELL DRACHEN von Christoph Fokken, SPIDER KITES, BRD, in seinem Modell LEON verwirklicht und knüpft mit einem fantastischen Design an den Glanz vergangener Jahre an.

Drachenketten mit Schwänzen sind die Maler des Himmels: faszinierend, meditativ, einfach bezaubernd. Es hat viele Menschen betört – wie der Kinofilm DAS PARFUM.

Rocket2Im Test haben wir den ROCKET RACER von Wolfgang Grimsel COLOURS IN MOTION, der ebenfalls mit wunderschönem Design ausgestattet, ein PETER POWELL Format ist. KLASSE !

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

LeonAuf der Rückseite des LEON sieht man, dass Christoph Fokken die Ursprungsidee aufgegriffen und weiterexperimentiert hat.

Das wäre ja gelacht, wenn einer der führenden Lenkdrachenbauer und -designer der Heutezeit, nicht da ankoppeln könnte, wo ein Großer vor ihm begonnen und zu Ruhm gekommen ist.

Bravo, Christoph: UND Danke. Es ist gut, den Diamanten so geschliffen zu sehen.
Der Wind kann kommen.

Der Tanz kann von NEUEM beginnen. Mein Gott, wie GUT !

 

 

 

 

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