TAUROS – Die Kraft des Stiermenschen

Text von: Jürgen Okrongli
Fotos von: J.O.

Hersteller SPACE KITES, Michael Tiedtke

Spannweite 2.70 m

Höhe 1.06 m

Tuch Chikara 42 g

Gestänge Exel Cruise 8/10 mm

Gewicht 550 g

empf. Schnur 70 – 150 Kp / 35 m

Windbereich in Bft. unter 1 – 9 (+)

Preis in Euro 230,-

Bezug www.spacekites.de

Michael Tiedtkes schöpferische Phase nimmt kein Ende. Wie kein anderer seines Faches, sprudelt er seit Jahren vor Drachenideen. Was für eine Bereicherung der Szene!

Jetzt klinkt sich sein gerade 17 J. gewordener Sohn designmäßig mit ein. Stephan Tiedtke hat einen sehr motivierten und dekorierten Kunstlehrer, der es versteht, die Schüler in Lifeprojekte einzubinden. So kam Stephan zu der Idee, seinem Vater „`mal unter die Arme zu greifen“.

Das böse Design ist also ganz und gar die Idee des Sohnes. So wurden es halt 34 Paneele, was den Vater bei der Näharbeit heftigst ins Schwitzen brachte. Aber: was tut man nicht alles für .. ?!

Der TAUROS – Name ist aus der griechischen Sage entliehen und steht dort für ein kraftvolles Mensch-Stier-Wesen. So sieht er aus ! Bravo Stephan! Bravo Tiedtke Company Father & Son !

Erster Eindruck:

Der aufgebaute TAUROS hat ein strammes Segel, wie es das Markenzeichen von Willi Koch bei den Einleinern ist. In Verbindung mit der Farbwahl und dem 1a – Verarbeitungsniveau gibt das einen ersten Eindruck von BESSER GEHT ES NICHT MEHR in dieser Kategorie.

Wenn schon der EXPLOSION von Space Kites in seiner Paneelvielfalt und Verarbeitung Maßstäbe gesetzt hat, tut dieses der TAUROS auch.
Er ist ein Meisterstück des Drachenhandwerks im Einklang mit dem Design. Verarbeitung:

Michael Tiedtkes Liebe zur doppelten Kappnaht brachte ihn natürlich an die Grenzen seiner nähtechnischen Nerven. Ich habe Jahre selber Drachenbaukurse geleitet und genäht, was das Zeug hielt: meine Bewunderung! Um solch einen Flieger zu nähen, braucht man Konzentration, Liebe, Genauigkeit, Ausdauer und unbändigen Willen, es nur so tun zu wollen.

34 Paneele! Puzzlearbeit! Wußte Stephan, was er da seinem Vater abverlangte ?

An dem Drachen ist von der Verbinderwahl, über Knotenwaagen, verstärkte Buchten, Standoffabspreizungen mit dem System des EXPLOSION im Wing und..und..und alles im Lot. Ein HIGH – END – Produkt für Power & Speed mit einem 270er(!) Drachen. „Kleiner kann jeder!“ dachte wohl M. Tiedtke.

Dem Drachen liegt zum ersten Mal eine eingeschweißte Fieldcart bei – endlich (höre ich schon den Kollegen „o4u“).

Abschließendes Urteil: Perfektion zum Stand April 2006. Flugeigenschaften:

Gegen meine Gewohnheit, einen unbekannten Speed-Power-Drachen erst einmal über die kleinen Winde heranzuführen, damit ich Zeit habe, seinen Charakter zu studieren – handelte ich dieses Mal.

Der 1. Flug fand darum auch in Bft. 6.5 – 7 statt: 35 m Schnüre – 140 Kp. Das erste, was auffällt: der TAUROS ist extrem wendig, dreht enge Loops und zieht sogar im Zenit (höchster Punkt des Windfensters/fast über meinem Kopf). Mein Gedanke:“Das wird ja heiter…!“ Mit solchen Drachen, so meine Erfahrung, erlebt man alles, was man sonst niemals erlebt!

Und das sollte stimmen. Aus der ersten Erfahrung der anderen Art war auch die zweite Erfahrung anders aufgestellt, als ich es sonst mache. Es war Bft. 4 – 4.5 – einige Drachen lagen am Strand. Das Osterferienteam bestand aus 5 Schwelmer Erwachsenen und Jugendlichen, die mir zur Seite standen und flogen, was das Material hergab. Derweil fuhr ich mit dem Buggy – um einfach `mal was anderes zu tun. So entstand die Idee, den TAUROS als Zuggerät für den Buggy zu nehmen.
Das überzeugte nicht. Er überdrehte, hatte nicht den Wumm, war zu schnell.

Aber: dafür ist er ja auch nicht gebaut!

Der 3. Flug fand auf dem Deich statt. Dieses Mal Wind unter Bft. 1. Einstellung: oben 1, unten 1 (laut Fieldcard. Ich flog mit 35m/70er – Schnüren. Da es ein Hauwind war, hatte ich keine Lenkschlaufen angeknüpft – nur die ummantelten 70er an den Fingern. Falsch! Ich dachte, er zieht mir die Gelenke aus. Was war das?! Hatte der Tauros nicht begriffen ? Er ist ein Speed – Power – Drachen und nicht ein Leichtwindmodell, wie der TATTOO. Der Bursche bringt ja alles durcheinander. Was sollen den all`die Leute sagen, die immer stolz auf ihren Spruch „es gibt sie nicht, die eierlegende Wollmilchsau“ waren. Die müssen sich jetzt ja bei M. Tiedtke entschuldigen.. oder zumindest schwer verstört sein.

Um es noch krasser zu machen: ich bin den Tauros in allen Windbereichen bis Bft. 9 geflogen. Um Ostern herum waren auf Schiermonnikoog 9 Tage lang Winde zwischen Bft. 5 und 9. Er bleibt beherrschbar und verändert seinen Charakter zwischen Bft. 5 – 9 nicht. Das ist gut zu wissen, während man gerade, laut Juchzend über den Strand gezogen wird. Was habe ich dieses Gefühl nach meiner Knie-OP vermißt. Jetzt ist es wieder neu gespeichert. Und: die Kumpel des Osterteams standen dem nicht nach..ein Getöse..ein Gejuche..Schleifspuren. Ich bedanke mich bei Carsten Bohn, Phillip Bohn, Nicki Bohn, Ulli Schröter, Markus Japes und Marvin Japes aus Schwelm. Sie haben das ganze zu einem Fest im starken Wind gemacht. Hat irren Spaß gemacht – jongens!! Veel cracht en plezier. Vergleich in seiner Kategorie:

Im Hause SPACE KITES ist der Topas 3.0 zugkräftiger als der TAUROS – aber langsamer. Auch der NO MERCY von SCIROCCO KITES zieht mehr – ist aber auch langsamer.

Es handelt sich um die Größenklasse von 2.70 m – 3.20 m. Die Ryll-Riesen, die bei 3.60 m liegen, spielen in einer anderen Klasse.

Der TAUROS hat 5 Powereinstellungen und 4 Speedeinstellungen per Knotenwaagen. Das ist besonders!

Er ist der Drachen mit dem mir bekannten größten Windbereich: 0.8 – 9+ ist eine Nummer, die anderen Drachenbauern etwas den Atem stocken lassen dürfte. Solche Flieger baut man nicht jede Woche – jedenfalls wurde es in den letzten 10 Jahren noch nicht getan. Um 1994 gab es bei Sieger`s Vliegers den SPIRIT mit 3.20 m Spannweite. Er ist noch heute bei mir. Der konnte das auch. Damals schaute der König Drachenmichel (Michael Sehorz)nicht schlecht aus der Wäsche, als ich neben seine filigranen Aiolos-Wettkampfdrachen den SPIRIT stellte und der auch in Hauchwinden flog. Solche Alleskönner kenne ich nur 2 x – und: man kann mit ihnen andere gut schocken. ;-))

Wahnsinn! Gratulation. Fazit:

Feuer am Himmel und Beben am Boden.

Was wünscht sich die Speed-Power-Seele mehr ?!

Ein Kunststück ist gelungen – und ich war dabei. Danke an die Erschaffer!.

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