Über die 7 Berge mußt du geh`n..

Text von: Jürgen Okrongli
Fotos von: Dirk Verheyen (Mediendesigner bei Kite-Tests)
Unser Mediengestalter ist noch nicht der Drachenfestexperte. Ein Grund mehr, um für den Samstag die Stiefel und matschverträgliche Kleidung einzupacken. Als wir den roten Wrangler vollgeladen haben, heißt es: ab ins Sauerland. Während ich den begnadeten Motor bei 150 Km/h auf der Autobahn belasse bemerkt Dirk irritiert: „Du kommst die vor, als würdest du mit 220 Kmh auf einem Küchenstuhl über die Autobahn düsen.“ Genau die richtige Einstimmung. Da wird eine Kurzanreise schon zum Event.

Neuenrader Himmel über uns. Drachenfeste brauchen keine Schilder – man fährt einfach ungefähr dort hin, wo die Einleiner in der Ferne schon zu sehen sind.

Der Flugplatz Küntrop ist ein weitläufiges Gelände mit allerfeinster Aussicht ins Sauerland. Die komplette Organisation des Parkplatzgeschehens, der Kaffee-Kuchen-Zeile, … wird durch Mitglieder des Flugsportclubs übernommen. Dieses Fest besuche ich schon seit Jahren – eine ganz klasse Organisation, nicht umständlich, Spitze!

Für die Organisation des Drachengeschehens steht Stefan Koehler, der uns, wie immer, herzlichst begrüßt. Danke.

Wir machen einen ersten Rundgang: ein Drachenverkaufszelt, Kinderkarussels, Eßstände, Hangar mit Kaffee und Kuchen, eine kleine Autoshow von Audi und anderen, gute Toiletten, ein Flughafenrestaurant, …

Gerade kommen die Dortmunder aus dem Restaurant – Wolfgang Neumann und Kumpel – jedes Jahr freuen wir uns auf diesen Tag. Sie haben schon den Kaffee hinter sich und gehen zu ihren Drachen. Wolfgang hat eine ganze Batterie seines neuen MAD dabei. Interessant. Der Meister zeigt ein paar Kunststücke. Alles sieht wie aus einem Guß aus.

Dirk und ich gönnen uns erst einmal eine warme Suppe. Es ist 13.30 Uhr. Draußen ist der Himmel trübe, die Wiese naß. Es regnet nicht. Kaum Wind. Leider irgendwie in den letzten Jahren immer so.

Als wir wieder ans Tageslicht kommen, ruft Stefan Koehler die Aktiven zur Absprache in den Hangar. Meinerseits versprochen war eine kleine Flugschule für Anfänger mit einem Großdrachen, Kniffe und Tipps zur Waageeinstellung usw.

In diesem Jahr ist Arthur Skipp aus Wuppertal zum 1. Mal der Moderator für Einleinerdarbietungen. Arthur hat eine platzgreifende Art und viel Know How. Zudem hat er noch einige Einleiner-Leute zusätzlich mitgebracht, die sehr interessante Drachen dabei haben.
Noch ist das Publikum zögerlich mit dem Besuch des Festes. Erfahrungsgemäß ist auch der Sonntag der besuchervolle Tag. Aber so gegen 16 Uhr, zur besten Kaffeetrinkzeit, ist doch schon einiges los. Auf dem riesigen Gelände gibt es allerlei Unterschiedliches zu sehen. Weit im Westen trainiert ein 3er-Team für seine Show im Aktionsfeld. Dort finden abwechselnd Flugdarbietungen mit Zweileinern und Vierleinern statt. Es wird gezeigt, was Lenkdrachen alles können, vom einfachen Looping bis zur Trickkiste. Stefan Koehler kommentiert. as macht er gut.
In der Zweileinerpause übernimmt Arthur Skipp. Einleiner steigen auf – werden kommentiert. Sehr interessant.
Inzwischen muß das Technische Hilfwerk die matschig getretenen Wiesenstücke mit Mulch aufpeppeln. Das klappt blitzgeschickt. Der ganze organisatorische Ablauf des Festes verdient ein dickes Lob. Fast unsichtbar und ohne Pannen.
Leider ist der Wind schwach und zickig, so dass nur einige Profis mit ihren Ultralightversionen schmunzeln können – Zuschauer rennen mit Drachen hin und her – toll !

Dieses Fest hat etwas Bezauberndes. Es liegt meiner Meinung nach darin, dass es immer noch nicht zu professionell drachentechnisch aufgehängt ist. Platz genug für Spontaneität.

So gehe ich zu Wolfgang Neumann und sage: „Sollen wir `mal einen Stunt aus dem fahrenden Jeep machen. Du sitzt hinten und fliegst den Drachen aus dem Heckteil heraus.“ Mit Wolfgang kann man solche Sachen zu jeder Tag- und Nachtzeit machen. Ich gehe zu Stefan Koehler – sage ihm, dass wir gleich die Rollbahn benutzen werden – sein Gesicht spiegelt Ungläubigkeit – er gibt das OK.
Wir haben etwa 400 m bis zum Horizont. Wolfgang sitzt und hat den BOMBASTIC (3.20m – Drachen) an der 35 m Schnur. Ich fahre an – höre ihn unentwegt komische Laute von sich geben – halte es für Laute, die pures Vergnügen ausdrücken. Als ich zur Wende ansetze sagt er, er hätte sich nicht fest abstützen können und wäre fast rausgeflogen.

Auf der Rückfahrt stützt er die Füße ideal gegen die Stoßfänger. Jetzt sieht es schon so aus, als würden wir das immer machen. Die Sauerländer toben. Knipsen.
Als wir wieder in der Parkbucht stehen lachen wir uns ab. Ein toller Kumpel – dieser Dortmunder.

Das Fest geht in den frühen Abend – Ballonglühen ist vorgesehen – die Kinder sollen später ihre Taschenlampen mitbringen, sagt Arthur Skipp, um die Einleiner anzuleuchten.

Wir essen noch eine letzte Wurst – dann heult das Wrangleraggregat auf. 210 PS wollen harte Straße unter sich sehen.

Schönes Fest, IHR SAUERLÄNDER.

Nächstes Jahr drücke ich Wolfgang einen PURE XL in die Hand. Wäre doch gelacht… wenn wir den nicht aus dem Auto kriegen!.

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