ULF – die Story

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Text von: Steffen Ahlert
Fotos von: Steffen & Jörg Ahlert
ULF steht für Utra Leichtes Flugzeug und wiegt nur 60 Kg. Die Öffnungsklappen am Rumpf werden nicht nur für den Fußstart benötigt, sondern generell für das Einsteigen in das Flugzeug. Man öffnet also den dünnen Rumpfboden, steigt ein, setzt sich hin und schließt ihn dann wieder. Gesteuert wird über den seitlich angebrachten Steuerknüppel (wie beim Airbus). Zwischen den Beinen (wie bei einem herkömmlichen Segelflugzeug) ist einfach kein Platz. Das Flugzeug ist so klein, dass selbst die Ellenbogen rechts und links herausschauen. In starker Thermik „ächzt“ das viele Holz. Nicht jedermanns Sache ! Man muß nicht verrückt sein, um solch ein Teil zu fliegen (wie Jürgen O. sagte), aber es hilft ungemein.

Wir setzen uns übrigens mit umgeschnallten Fallschirm hinein.
Ein perfekter Tag im ULF schaut so aus:

Es ist ein heißer Sommernachmittag. Der Wind zum Drachenfliegen ist viel zu schwach. Es ist jetzt „ULF-Wetter“. Du läßt dich vom Schlepptrike auf 700 Meter Höhe ziehen und klinkst aus.

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Hier oben ist es angenehm kühl. Der Fahrwind streichelt deine Haut. Du spürst im offenen Cockpit, wie die Luft wärmer wird. Dein Bordinstrument (Vario) zeigt erstes Steigen an. Gleichmäßig piepst es vor sich hin, während du einen engen Kreis steuerst. Du hast die Thermik gefunden. Die Kollegen in ihren Voll-GFK-Segelflugzeugen sehen dich emporsteigen und fliegen zu dir herüber. Sie schwitzen in ihren vollverglasten Kabinen. Nach ein paar Kreisen unter dir geben sie genervt auf. Die Thermik ist viel zu schwach für ihr teures und schweres Fluggerät. Du schiebst dir die Sonnenbrille lässig ins Gesicht und winkst ihnen aus deinem offenen Cockpit zu, während sie ungläubig Richtung Landeplatz fliegen. Die Wetterlage ist jetzt so, dass nur du mit deinem leichten Sportgerät mehrere Stunden oben bleiben kannst. Mit den letzten Sonnenstrahlen kommst du langsam zur Landung hereingeschwebt. Du öffnest die Bodenklappen, wuchtest den Flieger hoch und läufst zum Segelflughangar. Du hast die Lacher auf deiner Seite. Das schaut aber auch wirklich komisch aus! Die ersten Zuschauer umringen ungläubig dein buntes Flugzeug. Du beantwortest geduldig ihre Fragen..
Der ULF ist fußstartfähig (bitte nicht stolpern!), schleppfähig (eine Motormaschine bringt ihn auf Höhe, windenstartfähig (eine Seilwinde zieht ihn nach oben) und ebenso mit einem Gummiseil zu starten. Das funktioniert so: eine Person hält den ULF hinten am Rumpfende fest, vorne wird ein gegabeltes Gummiseil eingehängt und von 4 – 6 Personen ausgezogen. Der hintere Rumpffesthalter läßt dann los, und das Flugzeug wird in den Hangaufwind geschleudert.

Einen atemberaubenden ULF – Flug hat ein Segelflugkamerad von mir erlebt. Bei zu (zu)starkem Wind wurde vom Berg gestartet. Der Pilot merkte dann schnell, dass der Wind doch zu heftig war. Anhalten und Aussteigen ist leider in der Fliegerei nicht möglich. Der Pilot tat genau dasRichtige. Er steuerte seinen ULF einfach geradeaus, exakt gegen den Wind. Hier eine Kurve einzuleiten wäre etwa so, wie wenn du bei starkem Wind die Drachenleine kappst – der Wind würde unter die Flügel greifen und dich fortwehen. Der Kamerad flog dann ganz langsam Richtung Tal, erwischte dort Thermik, stieg jetzt richtig hoch und hatte sein nächstes Problem: in der Höhe ist der Wind immer stärker als in Bodennähe (am Boden wird der Wind durch die sogenannte Bodenreibung abgeschwächt / kennt jeder Einleinerpilot, der sich nicht wundert, dass sein Drachen oben bleibt, obwohl unten kaum Wind ist). Der ULF flog nun „scheinbar“ rückwärts. Der ULF – Pilot, der sich immer noch im Geradeausflug befand, hatte auf seinem Instrument natürlich 35 Km/h Eigengeschwindigkeit. Die Windgeschwindigkeit betrug jedoch 40 Km/h. Die Landschaft unter dem Piloten schob sich also von hinten nach vorne. Dann hat er, hoch in seinem Flugzeug, quasi rückwärts den Startplatz überflogen. Zum Glück ließ später der Wind etwas nach, und der Pilot konnte nach 20 Minuten am Startplatz landen – ohne eine Kurve geflogen zu haben.

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So etwas gibt es sonst nur im Film, mit Heinz Rühmann in Quax der Bruchpilot – dort aber mit einem Heißluftballon.
Da wir am Flugplatz 2 ULFs haben, verkaufen wir einen (3000 Euro ohne Hänger / den brauchen wir für den anderen ULF)

Für den ULF gibt es einen Bauplan zu kaufen. Wer einen ULF baut, bekommt einen Bauprüfer zur Seite gestellt, der die einzelnen Bauabschnitte kontrolliert.

Wer nur nach Feierabend baut, braucht eventuell mehrere Jahre! Es gibt ca. 15 – 20 flugfertige Exemplare in Deutschland.

Fliegen darf den ULF nur, wer sich auf einem Segelflugzeug „frei“ geflogen hat, also bereits erste Alleinflüge hinter sich hat.

Der ULF ist ein sehr stabiles und gutmütiges Fluggerät. Bei auffrischendem Wind stößt man allerdings schnell an seine Grenzen. Ab 30 – 40 Km/h Wind ist, relativ zum Boden, keine Vorwärtsbewegung mehr vorhanden. Wer jetzt nicht aufpaßt, kommt nicht mehr zum Flugplatz/Landeplatz zurück.

Wir waren mit unseren ULFs schon 2000 Meter hoch und sind schon Strecken über 50 km geflogen. Der längste Flug dauerte 4 Stunden.

Gruß Steffen.
“ Was für ein Abenteuer! Wohnte ich in der Rhön bei Euch, hätte ich einen (Euren) ULF. Das klingt nach Leben fern der Langeweile, wie ich es schätze. Toll Steffen, Jörg!“
Jürgen Okrongli

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Infos zum ULF auf http://www.dulsv.de/

oder bei Steffen und Jörg AHLERT
ahlerts@aol.com
http://www.ahlerts.de
Spielwarenhaus AHLERT
Weidgasse 20
97688 Bad Kissingen
Tel 0971-4771 (10-18 h)
Fax 0971-2549

 

 

 

 

 

 

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