WEGA – ..führt Space Kites in die Königsliga

Text von: Thomas Müller, Matthias Wild
Fotos von: Thomas Müller

Hersteller Space Kites, Michael Tiedtke

Spannweite 250 cm

Höhe 112 cm

Segel Icarex P 32

Stäbe Leitkante 6 mm Exel Cruise; QS: G-Force Standard

Gewicht 290 g

Windbereich Bft. 1 – 5

Schnüre empf. 25 -45 m / 50 Kp

Preis in Euro 195,-

Bezug Michael Tiedtke, Middelsburer Padd 10 in 26553 Dornum-Middelbur (space.kites@ewetel.net)

Mit der WEGA greift Michael Tiedtke, der Meister der Allrounder, nach der Königsklasse, den Competition Kites. Schon immer hat Michael Tiedtke davon gesprochen, dass seine Drachen „auch mehr“ können. Jetzt greift er an! Wie wird die WEGA sich behaupten können ? Erster Eindruck:

Der erste Eindruck unterscheidet die WEGA aufgrund der Einzellösungen nicht von den anderen Tiedtke – Drachen. Sie ist groß u n d sieht gut aus. Aber: reicht das ? Bei den Königen ?

Michael Tiedtke hat etwas von Jürgen Klinsmann: seinen Dickkopf. Er ist ja schon lange Meister und beugt sich nicht dem heutigen Gruppensegelschnitt der Wettbewerbsklasse. Es gibt Menschen, die so etwas einfach nicht tun. Er! Verarbeitung:

22, in Worten zweiundzwanzig Paneele Icarex P 32 mit sauberer Kappnaht vernäht. Sie bilden ein Segel, welches mittels zweier StandOffs pro Seite weit ausgestellt wird. Die Leit- und Saumkante ist in Spinnaker-Saumband gefasst.
Die Nase ist sehr sauber gearbeitet und mit der „Flauschseite“ vom Klettverschluss verstärkt. Dieses, doch eher ungewöhnliche Material, kommt auch als Scheuerschutz für die obereQuerspreize zum Einsatz. Dazu mehr bei den Flugeigenschaften. Das Mittelkreuz ist von Kerschwing und pass gebohrt. Dieses gibt es so bei Competition Kites bisher nicht. Die Saumschnur ist starr gebunden. Ein Entspannen, um den Drachen langsamer zu machen, geht nur umständlich mittels Aushängen an den Pfeilnocken.
Die Leitkanten sind im Bereich der Verbinder und JoJo – Stopper klassisch ausgeschnitten. Zur Abdeckung der Verbinder ist ein Streifen Spinnaker – Saumband, ähnlich der alten Kabelbindermethode, eingenäht. Dies macht einen optisch schönen Eindruck, da die Leitkante so nicht „verbeult“. Beim Testdrachen kann nur der obere Waageschenkel über eine Knotenleiter verstellt werden. Das ist zwar bei Allroundern, wenn die Maße passen, eine gute Lösung.. In der Competition Class jedoch will der Pilot seinen Drachen an den eigenen Flugstil anpassen können. Ich habe darum die Buchtknoten durch Stoppersteks ersetzt.
In der Serie sollen, laut M. Tiedtke, in Zukunft Knotenleitern angebracht werden. Alles in allem glänzt die WEGA durch bestdurchdachte Verarbeitung. Das Design gefällt mir persönlich sehr gut. Ob es beim Wickeln zu den optischen Täuschungen neigt, denen ich gern unterliege, ist zu befürchten. Und darum: ab auf die Wiese! Flugeigenschaften:

Es ist Winter. Februar 2006. Und es ist kalt. Ich baue die WEGA auf, greife nach einem Leinenset und nach meinen Handschuhen..uppps..die habe ich schon an ?? Habe ich gerade die WEGA mit Handschuhen aufgebaut? Erster Pluspunkt für das KerschWing – Kreuz. Kein Piddeln beim Zusammenbau, kein Klemmen der im Stab eingeklebten Innenmuffe beim Durchschieben in das Kreuz. Kein Gedanke, „ist die Innenmuffe, so sie denn nicht in den Stab eingeklebt ist, jetzt verrutscht oder sitzt sie noch an ihrem Platz.“ Ich glaube, dass ich das KerschWing – Kreuz bei weiteren Tests im Auge behalten muss.
Uns so zog es sich durch den ganzen Test. Das KerschWing – Kreuz hat mich in allen Belangen überzeugt. Die WEGA hat bei stürmischem Wetter einiges wegstecken müssen. Nicht e i n Bruch der Querspreizen, wenn bei starkem Wind der Drachen anfängt, in sich zu vibrieren. Da scheren bei anderen Kreuzen schon gern `mal die Stäbe ab. Nicht einmal hat eine Querspreize geklemmt. Sie ist auch bei keiner Spatenlandung aus dem Kreuz gerutscht.
Viele der Spatenlandungen habe ich jeweils am Ende des Testtages absichtlich geflogen, um die Nase zu testen. Erst einmal wollte ich nicht glauben, dass das Flauschmaterial wirklich hält. Zum anderen fiel mir schon nach dem ersten Testflug ein weiterer Vorteil auf, den es zu beobachten galt: das Flauschmaterial ist zwar nicht schmutzabweisend, aber es ist selbstreinigend. Ist der Wiesenmatsch erst einmal getrocknet, bröselt er so von dem Flausch ab. Die WEGA, insbesondere die Nase, hat während der Testflüge bei Schnee, Matsch und gefrorenem Boden, wirklich leiden müssen. Die Nase sieht immer noch aus wie neu. Jetzt zum Flugverhalten:
Ab 5 Km/h Wind fliegt die WEGA sauber ihre Bahnen. Das ist bei 290 g Eigengewicht recht erstaunlich. Aber selbst bei weniger Wind, läßt sich die WEGA leicht in Bewegung halten. Man spürt ständig, auch beim Pumpen, Zug in den Leinen. Eine untere Windgrenze hat die WEGA quasi nicht. Die Frage ist eher:“ Wann gibt der Pilot auf? Wann wird es zu mühsam?“ Die WEGA vermittelt ständig das Gefühl >komm weiter< >ich fliege noch< . Tricksen macht ab 6 Km/h Spaß. Bei ca. 17 - 19 Km/h hört das normale Tricksen dann langsam auf bzw. erfordert vom Piloten Laufbereitschaft. Ab 3.5 Bft. baut die WEGA mit ihrer 2,50 m Spannweite ordentlich Druck auf und wird recht schnell. Aber nicht zu schnell, um noch saubere Ecken und Kreise zu fliegen. Mit dem dazugehörenden Bremssegel wird es noch etwas langsamer. Wir sind die WEGA bis Bft. 6 geflogen. Sie hält das aus. Normal sollte man bei Bft. 5 langsam einpacken. Die WEGA hat ein erhabenes und ruhiges Flugbild. Obwohl die WEGA nicht zu den langsamen Drachen gehört, machen lange Geraden und scharfe Ecken - das ganze Wettkampfprogramm - richtig Spaß. Alle Bauchtricks werden sehr ruhig und langsam ausgeführt, können aber auch schnell und aggressiv geflogen werden. Dasselbe gilt auch für alle Wickeltricks. Hier braucht es zum aggressiven Fliegen allerdings etwas Gewicht. Der Drachen wurde während des Tests von vielen Piloten geflogen. Erstaunlich war, dass jeder sein eigenes Gewichtstuning bevorzugte und Piloten, die sonst mit viel Ballast fliegen, die WEGA letztendlich ganz ohne Blei flogen - die anderen wiederum, legten Gewicht an. Das zum Scheuerschutz gedachte Flauschband kam hier zum vollen Einsatz. Ich hatte mit einen Satz Klettgewichte besorgt, die eigentlich zwischen die Kielstababspannung geklettet werden. Sie lassen sich einfach auf den Scheuerschutz kletten. Somit wird ein Experimentieren mit dem Gewichtstuning zum Kinderspiel. Auf einzelne Tricks möchte ich in diesem Textblock nicht ausdrücklich eingehen: wir sind in der Competition Class. Hier fliegen Könner, die ihre Drachen auf sich und ihre Vorlieben einstellen und dabei auch Nachteile bei anderen Tricks in Kauf nehmen. Darum lege ich Wert auf die Noten bei den einzelnen Tricks. Diese sind ein Durchschnitt aus den Benotungen vieler einzelner Piloten, die den Testdrachen geflogen sind. Dieses Mal waren an dem Test die Piloten der Colonia Crew und die "Kelsterbacherfreitagfeierabendflieger" beteiligt. Danke Euch. Wie bei den letzten Tests war auch dieses Mal wieder Matthias Wild(mwraver) mit von der Partie. Sein Kurzbericht zur WEGA: "Die WEGA fliegt des sehr schweren Gestänges schon ab einem Windhauch von ungefähr Bft. 1. Die Lenkwege sind groß, und der Drachen fühlt sich sehr schwerfällig an. Ab etwa Bft. 2 - 3 entfaltet dan dieser optisch interessante Kite sein ganzes Trickpotential, das ohne Zusatzgewicht leider etwas "klein" ausfällt. Alle axelbasierenden Tricks sind gut möglich und bieten ein schönes Bild. 540er und Slotmachines können sehr flach geflogen werden. 2 Pop YoYos, Lazy Susans und alle damit verbundenen Tricks werden ebenfalls ohne große Schwierigkeiten ausgeführt. Wo sich das fehlende Gewicht jedoch stark bemerkbar macht, sind zum einen die YoYos, die eben nur durch 2 Lenkbefehle möglich sind, wie auch die Backspins. Ohne Gewichte ist dieser Drachen kaum dazu zu überreden, einen schönen Backspin zu fliegen. Auch der Comete ist eher schwer zu bewerkstelligen. Wenn man dem Drachen jedoch 2 Gewichte verpasst, 20 g am Kielende und 5 g an der oberen Querspreize, sind alle kleinen Probleme ausgemerzt. Der Drachen backspint wunderschön und "fliegt" dann geradezu in den YoYo hinein. Ab Bft 4 - 5 sind die Grenzen dieses großen Drachens erreicht. Er ist dann zwar, wie auch bei weniger Wind, sehr präzise, braucht aber große Lenkbefehle. Er beginnt sich stark zu verziehen, so dass man den Eindruck hat, dass der Drachen um einiges kleiner wird. Ein weiterer Kritikpunkt ist der große Druck, den der Drachen im oberen Windbereich aufbaut." Tricks: (vergeben werden 10 Punkte, 10 = sehr gut etc.) Geraden 10 Ecken 7 Loops 9 Axel 8 Cascade 8 Slotmachine 9 540er 9 Axel to fade 8 Fade 8 Backspin 9 Backflip 8 Cornet 7 Jacobs Ladder 8 Wickeln allgemein 7 Vergleich in seiner Kategorie: In der Competition Class ist die WEGA eher > the underdog < . Ihr Konzept heiß nicht "besser - höher - weiter" sondern, bewährte Technik zum guten Preis. Ihr geht kein Ruf wie ein Donnerhall basierend auf Videos - voraus. Sie ist einfach TIEDTKE . Und das DURCH und DURCH. Wer `mal ganz entspannt auf ein Treffen gehen will und nicht durch seine Modedrachen, sondern durch Können glänzen will, der hat mit der WEGA eine blendend aussehende Partnerin, einfach zu Handeln und, beim Einpacken grinsend in verblüffte Gesichter schauend, das hat auch was! Fazit: Mit der WEGA ist Michael Tiedtke, der Sprung in die Competition Class gelungen. Sie und er brauchen keine Konkurrenz zu fürchten!.

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