Wilde Hilde – Der Name WILDE HILDE sagt alles

Text von: Jürgen Okrongli
Fotos von: Jürgen Okrongli

Hersteller Space Kites, Michael Tiedtke

Spannweite 140 cm

Höhe 54 cm

Gestänge 5 mm Kohle, Stand O Kohle 2mm, Wings Kohle 2mm

Tuch Porcher Marine

Gewicht 160 g

empf. Schnüre 40 – 100 Kp / 25 – 35 m

Windbereich Bft. 2 – 8

Preis 99,- Euro

Bezug www.spacekites.de

Es trug sich zu der Zeit, da im ostfriesischen Norden ein SPEED CONTEST 2008 stattfinden sollte, so wie es bei den Franzosen schon gern mal gemacht wurde und wird.

Einige Drachenbauer von Rang und Namen – aus der Damals – Zeit und aus der Jetzt – Zeit kamen der Einladung nach. Einige hatten bereits ihre favourisierten Eigenmodelle – andere bauten sie für den Contest.

So entstand im Hause SPACEKITES die WILDE HILDE. Erster Eindruck:

Die WILDE HILDE sieht auf den ersten Eindruck noch aus wie eine KLEINE, NORMALE HILDE. Allerdings verraten die Flügelenden Charakteristica der endenden 80er und anfangenden 90er Jahre – der Hochzeit dieser Speeddrachen. Verarbeitung:

Die Verarbeitung der WILDEN HILDE ist Baukunst von Michael Tiedtke X Drachenbauelemente der Heutezeit. Dagegen sind die Modelle der frühen 90er fliegende Prügel. Man sollte sie nicht nebeneinander stellen – das wäre gemein! Die 1. HILDE gab es 1993/94. Dann explodierte Michael Tiedtkes Drachenphantasie – über 30 Modelle folgten und machten ihn weltweit zum renomierten Profi-Drachenbauer mit den meisten eigenen Modellen.

Typisch für Speeddrachen sind die langen, gebogenen Stand Offs ( 11 cm / 2 mm Kohle). Sie halten das Segel immer in einer gewissen Vorspannung, damit es in engen Lichtgeschwindigkeitsspins nicht platt wie eine Flunder wird und vom Himmel fällt – was bei 98 % aller Speedkites der Damals – Zeit so war. Man musste damit leben – auch wenn es ärgerlich war und man den Flieger am liebsten in den Müll geschmissen hätte. Außerdem hält ein vorgespanntes Segel den Drachen sicher am Windfensterrand und ermöglicht ein leichteres Starten und Landen. Die meisten SPEED – Drachen lassen sich nicht allein starten.

DIE HILDE: JA !

Zu den gewohnten Verarbeitungsleckerbissen gehören: doppelte Kappnaht (ein MUSS der frühen Jahre); zusätzliche Power-Abnehmer in der Leitkante; Gabelnocken an den Flügelenden; 4-Knotenwaage; Stand-Off-Aufnahme in der Leitkante dacronverstärkt; unteres Ende des Kielstabes mit Gabelnocke und besonderer Lösung; HQ-Verbinder doppelt gestoppt; hervorragendes Drehmittelkreuz mit durchgehender unteren Querspreize (= elastische Druckverteilung).

Michael Tiedtke ist hier mit seiner langen Drachenbauerfahrung an Detaillösungen herangegangen, die nur einer kann, der so viel Erfahrung hat. Hier sind Details 100 % durchdacht und ein wahrer Augenschmaus. So entsteht aus Drachenschmiedearbeit der Preis von 99,- Euro. Flugeigenschaften:

Die WILDE HILDE hat einen 3-Fuss-Stand: Flügelenden und Kielende berühren gleichsam den Boden.
Entgegen der Herstellerinfo nehme ich die HILDE zum ersten Male mit an einem 1 Bft- Tag. Dann mache ich noch einen zusätzlichen Leichwindknoten kurz vor dem Verbinder und befördere die HILDE in den 7. Himmel. Vor Schreck hat sie ganz vergessen, dass sie eigentlich erst ab Bft. 2 starten „kann“. Dazu gab es `mal eine kleine, ähnliche Geschichte über die Hummel, die wegen ihrer kleinen Stummelflügel und den relativ kleinen Flügelflächen, bei gleichzeitig dickem und schwerem Körper, nach den bekannten physikalischen Gesetzen, gar nicht fliegen können dürfte. Die Hummel weiß das aber nicht und fliegt einfach.

Bft. 2: Jetzt beginnt HILDEs Welt auf dem 1. legalem Knoten. Es ist noch ein sehr seichter Flug – genau – Spins (Loops) noch zwischen mittel bis eng. Das ist für den Speed – Anfänger genau die Wahl. Schnüre 40 Kp.

Bft. 3 – 4 : Die Loops sind eng aber kontrollierbar. Die Geschwindigkeit hoch – aber überschaubar. Landungen zum alleinigen Wiederstart sind möglich. Die HILDE steht ruhig am Windfensterrand. Schnüre 50 – 70 Kp.

Bft. 5 – 6 : Alles bekommt mehr Adrenalin. Wir bewegen uns im gewollten Rausch der SPEED – Kiter. Die WILDE HILDE ist und bleibt kontrolliert wild: z.B. schnelle Richtungswechsel am Windfensterrand um 180 Grad nach unten eingeleitet funtionieren, ohne dass sie flach einbricht. Auch in den Loops behält sie Haltung. Bravo HILDE ! Sie ist eben eine Dame.

FAZIT: HILDE ist WILD – bleibt aber kontrollierbar. Hilde ist nicht der allerschnellste SPEEDdrachen – aber eine mit Überraschungen der positiven Art.

Vergleich in seiner Kategorie:

Drachen, die schneller als HILDE sind, sind flacher, schwieriger zu starten, zu landen, schmieren in engen Loops ab und fallen am Windfensterrand herunter.

Wenn man einen Drachen möchte, der oben bleibt, ist HILDE die Wahl. Fazit:

WILDE HILDE – zahmer Preis.

Sehr gute Drachenbaukunst an kleinem Körper..

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